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Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!
Liebe Brüder und Schwestern!
Wie geht es weiter? Das fragen viele nach der 1. Diözesanversammlung im
Rahmen der Initiative "Apostelgeschichte 2010", die von 22. bis 24. Oktober
stattgefunden hat. Es war für alle, die dabei waren, ein großes Erlebnis.
Ein sehr nüchterner "Beobachter von außen", der emeritierte Pastoraltheologe
Prof. Leo Karrer aus Fribourg, hat voller Begeisterung vom "jungen Gesicht
der Kirche" gesprochen, das er in Wien erlebt hat.
Ja, ich glaube, wir haben miteinander
Grund, Gott Dank zu sagen für die drei Tage im Stephansdom. Ich höre, dass
die Delegierten in vielen Pfarren und Gemeinschaften bereits darüber
berichten, was sie im Dom erlebt haben und worüber sie "unmöglich schweigen"
können. Jetzt ist eine Phase des Erzählens, des Weiterdenkens, die
Erlebnisse sollen sich "setzen" können.
Diese Phase ist wichtig. Aber es stimmt
natürlich auch, dass wir alle gemeinsam jetzt von einem Gipfel wieder in die
Ebene des Alltags heruntersteigen müssen. In diesem Zusammenhang: Es wird
nichts vergessen von dem, was insbesondere auch am 23. Oktober in den
Arbeitsgruppen geäußert worden ist. Die Berichte aus den Arbeitsgruppen sind
in den nächsten Tagen auf der Website www.apg2010.at nachzulesen.
Persönlich habe ich mir vorgenommen,
noch bewusster auf das zu schauen, was in der Kirche "Schmerz oder
Leidensdruck" verursacht, aber auch auf das, was in der Kirche an
verheißungsvollem Neuen wächst. Und ich nehme auch die Einladung von P.
Johannes Lechner beim Abschlussgottesdienst sehr ernst, in den nächsten
Monaten bis zur 2. Diözesanversammlung im März ganz bewusst über Personen
und Gruppen, die "andere Vorstellungen von Kirche" haben als man selber, nur
positiv zu denken und zu reden. Das ist ein Vorsatz, der uns allen gemeinsam
helfen könnte, auf dem Weg, der so verheißungsvoll vom 22. bis 24. Oktober
im Stephansdom begonnen hat, ein schönes Stück weiterzukommen. Ich denke
aber auch an ein Wort unseres evangelischen Gastes aus Deutschland, Pastor
Eckard Krause, das mich besonders berührt hat. Pastor Krause sagte wörtlich:
"Ich wünsche mir eine Kirche, die es als Auftrag spürt, den Menschen mit
offenen Armen zu begegnen, eine Kirche, die auch einmal Hirtin ist und sagt:
Ich will mich aufmachen mit der Vollmacht Jesu Christi, das Verlorene zu
suchen. Viele Menschen verstehen die Einladung zur Mitarbeit als eine
zusätzliche Last. Ich finde es eine unendliche Würde, dass sich Gott, der
alle Macht hat, auf so etwas Törichtes wie mich einlässt und sagt: ‚Ich
brauche dich‘. Das gibt meinem Leben einen Adel und eine Würde".
Der Vorgang "Apostelgeschichte 2010" hat
zwei große Momente: Sammlung und Sendung. Als Christen in unserer Diözese
vergewissern wir uns gemeinsam, wofür wir stehen, was wir wollen, was uns
hindert, unserem Auftrag zu entsprechen. Ab dem Pfingstmontag 2010 wird die
große "Missionswoche" dann Gelegenheit geben, den Missionsauftrag in die
konkrete Situation der Erzdiözese Wien umzusetzen. Der Kreativität der
einzelnen Pfarrgemeinden, Ordensgemeinschaften, Bewegungen, kirchlichen
Einrichtungen ist dabei keine Grenze gesetzt; nichts wird "von oben"
vorgegeben.
Bei der Begegnung im Stephansdom musste
ich an zwei große Ereignisse unserer Diözese denken, die in erster Linie den
Bereich der Stadt Wien betroffen haben, aber auch Impulse für die ganze
Erzdiözese enthielten: das Symposion über Großstadtseelsorge, das der
unvergessene Msgr. Hugo Unterberger im Oktober 2001 gestaltet hat, und die
große Stadtmission im Mai 2003. Bei beiden Ereignissen ist sichtbar und
deutlich geworden, welche Fülle an Initiativen, an Ideen zur Umsetzung der
Ideale des Evangeliums in die Praxis des Alltags, es überall in der
Erzdiözese Wien gibt. Auch diese Fülle gibt mir die Zuversicht, dass der
neue missionarische Aufbruch in der Erzdiözese Wien dazu führen wird, dass
sich viele Herzen und Hände öffnen, um den suchenden Menschen von heute
Antwort zu geben.
Am vorläufigen Ende des Vorgangs
"Apostelgeschichte 2010" steht die 3. Diözesanversammlung von 14. bis 16.
Oktober 2010. In Selbstverpflichtungen, Handlungs- und
Entwicklungsperspektiven soll dabei der Weg der Kirche in der Erzdiözese
Wien in den sieben zentralen Themenbereichen - von Liturgie über die
Spannung zwischen Religion und Vernunft bis zur Frage der Lebensberufung -
für die Zukunft einvernehmlich festgelegt werden. Im Mittelpunkt steht dabei
der Dialog der Christen mit der Gesellschaft, in der sie leben, die
ausgestreckte Hand gegenüber den vielen Menschen, die nach Antwort auf ihre
Fragen nach woher, wohin und wozu des Lebens suchen, die Bereitschaft zum
Gespräch über "Gott und die Welt".
Ich freue mich auf den weiteren Weg mit
Ihnen allen, um die Apostelgeschichte hier und heute
weiterzuschreiben.
Ihr
Kardinal Christoph Schönborn
(red)
06.11.2009
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