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"Unmöglich können wir schweigen …"
© thema kircheKardinal Schönborn schreibt in den Impulsen im November 2009, dass der neue missionarische Aufbruch viele Herzen und Hände öffnen wird, um den suchenden Menschen von heute Antwort zu geben.

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!
Liebe Brüder und Schwestern!

Wie geht es weiter? Das fragen viele nach der 1. Diözesanversammlung im Rahmen der Initiative "Apostelgeschichte 2010", die von 22. bis 24. Oktober stattgefunden hat. Es war für alle, die dabei waren, ein großes Erlebnis. Ein sehr nüchterner "Beobachter von außen", der emeritierte Pastoraltheologe Prof. Leo Karrer aus Fribourg, hat voller Begeisterung vom "jungen Gesicht der Kirche" gesprochen, das er in Wien erlebt hat.

Ja, ich glaube, wir haben miteinander Grund, Gott Dank zu sagen für die drei Tage im Stephansdom. Ich höre, dass die Delegierten in vielen Pfarren und Gemeinschaften bereits darüber berichten, was sie im Dom erlebt haben und worüber sie "unmöglich schweigen" können. Jetzt ist eine Phase des Erzählens, des Weiterdenkens, die Erlebnisse sollen sich "setzen" können.

Diese Phase ist wichtig. Aber es stimmt natürlich auch, dass wir alle gemeinsam jetzt von einem Gipfel wieder in die Ebene des Alltags heruntersteigen müssen. In diesem Zusammenhang: Es wird nichts vergessen von dem, was insbesondere auch am 23. Oktober in den Arbeitsgruppen geäußert worden ist. Die Berichte aus den Arbeitsgruppen sind in den nächsten Tagen auf der Website www.apg2010.at nachzulesen.

Persönlich habe ich mir vorgenommen, noch bewusster auf das zu schauen, was in der Kirche "Schmerz oder Leidensdruck" verursacht, aber auch auf das, was in der Kirche an verheißungsvollem Neuen wächst. Und ich nehme auch die Einladung von P. Johannes Lechner beim Abschlussgottesdienst sehr ernst, in den nächsten Monaten bis zur 2. Diözesanversammlung im März ganz bewusst über Personen und Gruppen, die "andere Vorstellungen von Kirche" haben als man selber, nur positiv zu denken und zu reden. Das ist ein Vorsatz, der uns allen gemeinsam helfen könnte, auf dem Weg, der so verheißungsvoll vom 22. bis 24. Oktober im Stephansdom begonnen hat, ein schönes Stück weiterzukommen. Ich denke aber auch an ein Wort unseres evangelischen Gastes aus Deutschland, Pastor Eckard Krause, das mich besonders berührt hat. Pastor Krause sagte wörtlich: "Ich wünsche mir eine Kirche, die es als Auftrag spürt, den Menschen mit offenen Armen zu begegnen, eine Kirche, die auch einmal Hirtin ist und sagt: Ich will mich aufmachen mit der Vollmacht Jesu Christi, das Verlorene zu suchen. Viele Menschen verstehen die Einladung zur Mitarbeit als eine zusätzliche Last. Ich finde es eine unendliche Würde, dass sich Gott, der alle Macht hat, auf so etwas Törichtes wie mich einlässt und sagt: ‚Ich brauche dich‘. Das gibt meinem Leben einen Adel und eine Würde".

Der Vorgang "Apostelgeschichte 2010" hat zwei große Momente: Sammlung und Sendung. Als Christen in unserer Diözese vergewissern wir uns gemeinsam, wofür wir stehen, was wir wollen, was uns hindert, unserem Auftrag zu entsprechen. Ab dem Pfingstmontag 2010 wird die große "Missionswoche" dann Gelegenheit geben, den Missionsauftrag in die konkrete Situation der Erzdiözese Wien umzusetzen. Der Kreativität der einzelnen Pfarrgemeinden, Ordensgemeinschaften, Bewegungen, kirchlichen Einrichtungen ist dabei keine Grenze gesetzt; nichts wird "von oben" vorgegeben.

Bei der Begegnung im Stephansdom musste ich an zwei große Ereignisse unserer Diözese denken, die in erster Linie den Bereich der Stadt Wien betroffen haben, aber auch Impulse für die ganze Erzdiözese enthielten: das Symposion über Großstadtseelsorge, das der unvergessene Msgr. Hugo Unterberger im Oktober 2001 gestaltet hat, und die große Stadtmission im Mai 2003. Bei beiden Ereignissen ist sichtbar und deutlich geworden, welche Fülle an Initiativen, an Ideen zur Umsetzung der Ideale des Evangeliums in die Praxis des Alltags, es überall in der Erzdiözese Wien gibt. Auch diese Fülle gibt mir die Zuversicht, dass der neue missionarische Aufbruch in der Erzdiözese Wien dazu führen wird, dass sich viele Herzen und Hände öffnen, um den suchenden Menschen von heute Antwort zu geben.

Am vorläufigen Ende des Vorgangs "Apostelgeschichte 2010" steht die 3. Diözesanversammlung von 14. bis 16. Oktober 2010. In Selbstverpflichtungen, Handlungs- und Entwicklungsperspektiven soll dabei der Weg der Kirche in der Erzdiözese Wien in den sieben zentralen Themenbereichen - von Liturgie über die Spannung zwischen Religion und Vernunft bis zur Frage der Lebensberufung - für die Zukunft einvernehmlich festgelegt werden. Im Mittelpunkt steht dabei der Dialog der Christen mit der Gesellschaft, in der sie leben, die ausgestreckte Hand gegenüber den vielen Menschen, die nach Antwort auf ihre Fragen nach woher, wohin und wozu des Lebens suchen, die Bereitschaft zum Gespräch über "Gott und die Welt".

Ich freue mich auf den weiteren Weg mit Ihnen allen, um die Apostelgeschichte hier und heute weiterzuschreiben.

Ihr
Kardinal Christoph Schönborn

(red)

06.11.2009


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