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Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!
Liebe Brüder und Schwestern!
Was ist der Advent, die Zeit der Vorbereitung auf das Kommen des Herrn?
Auch in der Kirche können wir uns mit den vielen Adventmärkten, den vielen
Adventkonzerten dem Trubel nicht entziehen. Und doch: In vielen dieser
Aktivitäten wird eine mitunter verborgene Sehnsucht spürbar, die Sehnsucht
nach dem Kern der Weihnachtsbotschaft: Gott wird Mensch, einer von uns,
unser Bruder und Freund, der mit uns die mitunter holprige Straße des Lebens
geht.
Diese holprige Straße geht Er nicht nur mit jedem Einzelnen von uns,
sondern auch mit der Gemeinschaft der Gläubigen, mit dem ganzen Volk Gottes.
Manches spricht dafür, dass wir als Volk Gottes heute auf dem Weg durch die
Wüste sind - weg von den "Fleischtöpfen Ägyptens" (einer gesellschaftlich
abgestützten Kirchlichkeit) hin zum "gelobten Land" (einem "Christentum der
bewussten Entscheidung"). Auf diesem Weg gibt es viele Versuchungen - in
"konservativem" wie in "progressivem" Sinn. Vielleicht gibt es auch die
Versuchung, das kostbare Erbe der "Volkskirche" nicht genügend hoch zu
schätzen, obwohl wir das "geknickte Rohr nicht zerbrechen" und den
"glimmenden Docht" nicht auslöschen sollen.
All dies steht im Hintergrund des diözesanen Vorgangs "Apostelgeschiche
2010", der mit der 1. Diözesanversammlung im Oktober so hoffnungsvoll
begonnen hat. In wenigen Tagen beginnt das Jahr 2010, das diesem großen
Vorhaben den Namen gegeben hat. Ziel ist es, einen großen missionarischen
Aufbruch in unserer Erzdiözese in Gang zu setzen - in großem Respekt vor den
Lebensgeschichten und Überzeugungen der Menschen, aber zugleich geprägt von
der Überzeugung, dass wir "unmöglich schweigen" können über das, "was wir
gesehen und gehört haben". Ich würde mir wünschen, dass diese Überzeugung so
leidenschaftlich in uns allen präsent ist, wie sie im Gesang dieses Verses
bei der 1. Diözesanversammlung zum Ausdruck kam.
Wovon können wir nicht schweigen? Ich denke, von unserer Freundschaft mit
Jesus, dem menschgewordenen Wort Gottes. Diese Beziehung zu Gott kann
nicht ohne Folgen bleiben, sie verändert unser Verhalten. Ich darf aus
meinem Hirtenbrief zitieren, der am Anfang von "Apostelgeschichte 2010"
stand: "Freundschaft mit Jesus, das heißt: eine wache Aufmerksamkeit für
die, mit denen Er sich besonders identifiziert - die Armen, die Kranken, die
Fremden, die Gefangenen, die Ausgestoßenen, die Sünder, die Menschen am
Rande der Gesellschaft. Freundschaft mit Christus, das heißt schließlich:
mit Seinen Augen sehen lernen, mit Seinen Gedanken vertraut werden, Seinen
Willen suchen und zu tun versuchen. Und vor allem: mit Seinem Herzen
verbunden sein."
Im Sinn dieser Verbundenheit mit Seinem Herzen wünsche ich Ihnen allen eine
erfüllte Zeit des Advents und ein gesegnetes Weihnachtsfest
Ihr Kardinal Christoph Schönborn
(red)
10.12.2009
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