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"Gott wird einer von uns"
© Kathbild.at/RupprechtDer Kern der Weihnachtsbotschaft ist: Gott wird Mensch und einer von uns, schreibt Kardinal Christoph Schönborn in den Impulsen im Dezember. Und: Unsere Verbundenheit mit Jesus bleibt nicht ohne Folgen.

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!
Liebe Brüder und Schwestern!

Was ist der Advent, die Zeit der Vorbereitung auf das Kommen des Herrn? Auch in der Kirche können wir uns mit den vielen Adventmärkten, den vielen Adventkonzerten dem Trubel nicht entziehen.  Und doch: In vielen dieser Aktivitäten wird eine mitunter verborgene Sehnsucht spürbar, die Sehnsucht nach dem Kern der Weihnachtsbotschaft: Gott wird Mensch, einer von uns, unser Bruder und Freund, der mit uns die mitunter holprige Straße des Lebens geht.

Diese holprige Straße geht Er nicht nur mit jedem Einzelnen von uns, sondern auch mit der Gemeinschaft der Gläubigen, mit dem ganzen Volk Gottes. Manches spricht dafür, dass wir als Volk Gottes heute auf dem Weg durch die Wüste sind - weg von den "Fleischtöpfen Ägyptens" (einer gesellschaftlich abgestützten Kirchlichkeit) hin zum "gelobten Land" (einem "Christentum der bewussten Entscheidung"). Auf diesem Weg gibt es viele Versuchungen - in "konservativem" wie in "progressivem" Sinn. Vielleicht gibt es auch die Versuchung, das kostbare Erbe der "Volkskirche" nicht genügend hoch zu schätzen, obwohl wir das "geknickte Rohr nicht zerbrechen" und den "glimmenden Docht" nicht auslöschen sollen.

All dies steht im Hintergrund des diözesanen Vorgangs "Apostelgeschiche 2010", der mit der 1. Diözesanversammlung im Oktober so hoffnungsvoll begonnen hat. In wenigen Tagen beginnt das Jahr 2010, das diesem großen Vorhaben den Namen gegeben hat. Ziel ist es, einen großen missionarischen Aufbruch in unserer Erzdiözese in Gang zu setzen - in großem Respekt vor den Lebensgeschichten und Überzeugungen der Menschen, aber zugleich geprägt von der Überzeugung, dass wir "unmöglich schweigen" können über das, "was wir gesehen und gehört haben". Ich würde mir wünschen, dass diese Überzeugung so leidenschaftlich in uns allen präsent ist, wie sie im Gesang dieses Verses bei der 1. Diözesanversammlung zum Ausdruck kam.

Wovon können wir nicht schweigen? Ich denke, von unserer Freundschaft mit Jesus, dem menschgewordenen Wort Gottes. Diese Beziehung zu Gott  kann nicht ohne Folgen bleiben, sie verändert unser Verhalten. Ich darf aus meinem Hirtenbrief zitieren, der am Anfang von "Apostelgeschichte 2010" stand: "Freundschaft mit Jesus, das heißt: eine wache Aufmerksamkeit für die, mit denen Er sich besonders identifiziert - die Armen, die Kranken, die Fremden, die Gefangenen, die Ausgestoßenen, die Sünder, die Menschen am Rande der Gesellschaft. Freundschaft mit Christus, das heißt schließlich: mit Seinen Augen sehen lernen, mit Seinen Gedanken vertraut werden, Seinen Willen suchen und zu tun versuchen. Und vor allem: mit Seinem Herzen verbunden sein."

Im Sinn dieser Verbundenheit mit Seinem Herzen wünsche ich Ihnen allen eine erfüllte Zeit des Advents und ein gesegnetes Weihnachtsfest

Ihr Kardinal Christoph Schönborn


(red)

10.12.2009


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