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Den Glauben teilen
© Kathbild.at/Rupprecht"Die Bereitschaft zum Teilen der eigenen Glaubenserfahrung mit anderen ist ein zentrales Erfordernis für die Ökumene wie für unser Missionsprojekt APG 2010", so Kardinal Schönborn im Jänner.

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!
Liebe Brüder und Schwestern!

Der Jänner steht im kirchlichen Leben traditionell im Zeichen der Ökumene.  Das Thema der Gebetswoche für die Einheit der Christen (18. bis 25. Jänner) lautet heuer: "..und ihr seid Zeugen!" Es ist ein Wort aus dem Lukas-Evangelium (24,48). Geschildert wird die Szene vor der Himmelfahrt Jesu. Er öffnet seinen Jüngern noch einmal die Augen für das Verständnis der Heilsgeschichte: "So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen, und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden. Ihr seid Zeugen dafür". 

Während der Gebetswoche sind alle Christen eingeladen, gemeinsam über das Kapitel 24 des Lukas-Evangeliums nachzudenken. Es ist ein trostvolles Kapitel, weil es zeigt, wie die in Furcht geratenen Frauen vor dem Grab, die zwei mutlosen Jünger auf dem Weg nach Emmaus oder die elf durch Angst und Zweifel wie gelähmten Apostel durch die Begegnung mit dem auferstandenen Christus zu Zeugen werden. Das Kapitel 24 ist trostvoll, weil es auch den Christen von heute deutlich macht, dass Mutlosigkeit, Angst und Zweifel im Hinblick auf den Weg der Kirchen zueinander und miteinander nicht  das letzte Wort sind.

Für mich ist es eine besondere Freude, dass das weltweite Motto der Gebetswoche "…und ihr seid Zeugen!" so gut zu einem Zentralwort unseres großen diözesanen Missionsprojekts "Apostelgeschichte 2010" paßt: "Unmöglich können wir schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben". Es geht um den Mut, über die eigenen Glaubenserfahrungen zu reden, Zeugnis abzulegen, und damit auch andere einzuladen, über ihren Weg  nachzudenken.  Auch wenn das in Österreich, in Wien, keine Tradition hat, wo man eher daran gewöhnt ist, seinen Glauben sehr diskret zu behandeln.  In den Unterlagen zur Weltgebetswoche heißt es für den zweiten Tag (19. Jänner) sehr schön, "wir können noch bessere Zeugen werden, indem wir wissen, wie wir die Geschichte unseres Glaubens mit anderen teilen".  Diese Bereitschaft zum Teilen der eigenen Glaubenserfahrung, der eigenen Glaubensgeschichte mit anderen ist ein zentrales Erfordernis für die Ökumene wie für unser Missionsprojekt "Apostelgeschichte 2010".

Die besondere Situation der Erzdiözese Wien ist eine Einladung, gemeinsam Zeugnis für das Evangelium abzulegen. Aus historischen Gründen und bedingt durch die Immigrationsbewegung der Gegenwart sind heute in Wien und Umgebung fast alle östlichen (orthodoxen und orientalisch-orthodoxen) Kirchen, aber auch viele Zweige der reformatorischen Gemeinschaften präsent. Wieviel Gemeinsames und kostbares "Anderes" läßt sich da entdecken! Diese Vielfalt spiegelt sich auch in den Veranstaltungen zur Gebetswoche: Vom Gebet "für ein gutes Gelingen des ökumenischen Dialogs zwischen den orientalisch-orthodoxen Kirchen und der katholischen Kirche" (26. Jänner, 18.30 Uhr, in der armenisch-apostolischen Kirche St. Hripsime) bis zur Fachtagung der Wiener Diözesankommission für ökumenische Fragen über "‘Freikirchen‘ und Ökumene" (29. Jänner, 15 Uhr, im Kardinal-König-Haus). 

Die aktuelle Ausgabe von "thema kirche" steht aus Anlass der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen ganz im Zeichen der Ökumene.  Auf dem Weg zur Einheit der Kirchen ist es notwendig, sich die Frage zu stellen, "welcher Konsens unerläßlich und welche Differenz möglich ist", wie es die langjährige Vorkämpferin der Ökumene in Wien, Oberin Christine Gleixner, formuliert.  Ich lade Sie ein, diese Frage im Gebet und im Gespräch, im Aufeinander Zugehen und im Miteinander Handeln zu begleiten. Das Zeugnis für das Evangelium kann dadurch nur gewinnen.

Ihr
Kardinal Christoph Schönborn

(red)

02.01.2010


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