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Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!
Liebe Brüder und Schwestern!
Der Jänner steht im kirchlichen Leben traditionell im Zeichen der
Ökumene. Das Thema der Gebetswoche für die Einheit der Christen (18.
bis 25. Jänner) lautet heuer: "..und ihr seid Zeugen!" Es ist ein Wort aus
dem Lukas-Evangelium (24,48). Geschildert wird die Szene vor der Himmelfahrt
Jesu. Er öffnet seinen Jüngern noch einmal die Augen für das Verständnis der
Heilsgeschichte: "So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am
dritten Tag von den Toten auferstehen, und in seinem Namen wird man allen
Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre
Sünden vergeben werden. Ihr seid Zeugen dafür".
Während der Gebetswoche sind alle Christen eingeladen, gemeinsam über das
Kapitel 24 des Lukas-Evangeliums nachzudenken. Es ist ein trostvolles
Kapitel, weil es zeigt, wie die in Furcht geratenen Frauen vor dem Grab, die
zwei mutlosen Jünger auf dem Weg nach Emmaus oder die elf durch Angst und
Zweifel wie gelähmten Apostel durch die Begegnung mit dem auferstandenen
Christus zu Zeugen werden. Das Kapitel 24 ist trostvoll, weil es auch den
Christen von heute deutlich macht, dass Mutlosigkeit, Angst und Zweifel im
Hinblick auf den Weg der Kirchen zueinander und miteinander nicht das
letzte Wort sind.
Für mich ist es eine besondere Freude, dass das weltweite Motto der
Gebetswoche "…und ihr seid Zeugen!" so gut zu einem Zentralwort unseres
großen diözesanen Missionsprojekts "Apostelgeschichte 2010" paßt: "Unmöglich
können wir schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben". Es geht um
den Mut, über die eigenen Glaubenserfahrungen zu reden, Zeugnis abzulegen,
und damit auch andere einzuladen, über ihren Weg nachzudenken.
Auch wenn das in Österreich, in Wien, keine Tradition hat, wo man eher
daran gewöhnt ist, seinen Glauben sehr diskret zu behandeln. In den
Unterlagen zur Weltgebetswoche heißt es für den zweiten Tag (19. Jänner)
sehr schön, "wir können noch bessere Zeugen werden, indem wir wissen, wie
wir die Geschichte unseres Glaubens mit anderen teilen". Diese
Bereitschaft zum Teilen der eigenen Glaubenserfahrung, der eigenen
Glaubensgeschichte mit anderen ist ein zentrales Erfordernis für die Ökumene
wie für unser Missionsprojekt "Apostelgeschichte 2010".
Die besondere Situation der Erzdiözese Wien ist eine Einladung, gemeinsam
Zeugnis für das Evangelium abzulegen. Aus historischen Gründen und bedingt
durch die Immigrationsbewegung der Gegenwart sind heute in Wien und Umgebung
fast alle östlichen (orthodoxen und orientalisch-orthodoxen) Kirchen, aber
auch viele Zweige der reformatorischen Gemeinschaften präsent. Wieviel
Gemeinsames und kostbares "Anderes" läßt sich da entdecken! Diese Vielfalt
spiegelt sich auch in den Veranstaltungen zur Gebetswoche: Vom Gebet "für
ein gutes Gelingen des ökumenischen Dialogs zwischen den
orientalisch-orthodoxen Kirchen und der katholischen Kirche" (26. Jänner,
18.30 Uhr, in der armenisch-apostolischen Kirche St. Hripsime) bis zur
Fachtagung der Wiener Diözesankommission für ökumenische Fragen über
"‘Freikirchen‘ und Ökumene" (29. Jänner, 15 Uhr, im
Kardinal-König-Haus).
Die aktuelle Ausgabe von "thema kirche" steht aus Anlass der
Weltgebetswoche für die Einheit der Christen ganz im Zeichen der
Ökumene. Auf dem Weg zur Einheit der Kirchen ist es notwendig, sich
die Frage zu stellen, "welcher Konsens unerläßlich und welche Differenz
möglich ist", wie es die langjährige Vorkämpferin der Ökumene in Wien,
Oberin Christine Gleixner, formuliert. Ich lade Sie ein, diese Frage
im Gebet und im Gespräch, im Aufeinander Zugehen und im Miteinander Handeln
zu begleiten. Das Zeugnis für das Evangelium kann dadurch nur gewinnen.
Ihr
Kardinal Christoph Schönborn
(red)
02.01.2010
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