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Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!
Liebe Schwestern und Brüder!
unsere große Missionsinitiative "Apostelgeschichte 2010" geht weiter. Wir
sind jetzt wirklich im Jahr 2010. Von 11. bis 13. März findet - wieder im
Stephansdom - die 2. Diözesanversammlung statt. Sie wird den Faden der 1.
Diözesanversammlung (22. bis 24. Oktober 2009) aufnehmen. Bei der 1.
Diözesanversammlung haben wir gemeinsam darüber nachgedacht: "Wen/was
verkünden wir?" Sehr ehrlich ist es dabei auch um die Frage gegangen: "Was
hindert uns dabei?"
Diesmal geht es um die Frage "Wie/wem verkünden wir?", aber auch: "Was
fördert uns?" Damit werden die Fragen, die im Oktober des Vorjahrs
formuliert worden sind, nicht beiseitegelegt oder "verdrängt". Aber wir
müssen uns gemeinsam auf die große Missionswoche ab dem Pfingstmontag, 24.
Mai, vorbereiten. Ich bitte alle herzlich um kreatives Mitwirken und um das
Gebet, damit wir viele Menschen ansprechen können.
"Wie/wem verkünden wir?": Das ist eine schwierige Frage. Das "Wie" ist fast
leichter zu beantworten (aber es hängt eng mit dem "Wem" zusammen). Auf
keinen Fall wollen wir irgendjemanden bedrängen, überwältigen, zwingen. Wir
respektieren aus innerster Überzeugung die Gewissensfreiheit all derer, an
die wir uns wenden. Das Angebot der "guten Nachricht" des Evangeliums kann
immer nur ein freundliches, freundschaftliches sein. Mich haben die Worte
unseres Papstes bei seiner Weihnachtsansprache an die römische Kurie sehr
bewegt: Er hat in seinem Jahres-Rückblick auch auf seinen Besuch in der
Tschechischen Republik Bezug genommen, deren Bevölkerung stark
säkularisiert ist. Was Benedikt XVI. in diesem Zusammenhang gesagt
hat, kann auch für uns in der Erzdiözese Wien eine Richtschnur sein; ich
sehe darin so etwas wie ein Leitwort für unseren ganzen Vorgang
"Apostelgeschichte 2010". Darum lade ich ein, die Worte des Papstes in
dieser Perspektive zu meditieren:
"Es ist mir wichtig, dass auch die Menschen, die sich als Agnostiker oder
als Atheisten ansehen, uns als Gläubige angehen. Wenn wir von neuer
Evangelisierung sprechen, erschrecken diese Menschen vielleicht. Sie wollen
sich nicht als Objekt von Mission sehen und ihre Freiheit des Denkens und
des Wollens nicht preisgeben. Aber die Frage nach Gott bleibt doch auch für
sie gegenwärtig, auch wenn sie an die konkrete Weise seiner Zuwendung zu
uns nicht glauben können. In Paris habe ich vom Gottsuchen als
grundlegendem Antrieb gesprochen, aus dem das abendländische Mönchtum und
mit ihm die abendländische Kultur geboren wurde. Als ersten Schritt von
Evangelisierung müssen wir versuchen, diese Suche wachzuhalten; uns darum
mühen, dass der Mensch die Gottesfrage als wesentliche Frage seiner
Existenz nicht beiseite schiebt. Dass er die Frage und die Sehnsucht
annimmt, die darin sich verbirgt. Hier fällt mir das Wort ein, das Jesus
aus dem Propheten Jesaja zitiert hat: dass der Tempel von Jerusalem ein
Gebetshaus für alle Völker sein solle (Jes 56,7; Mk 11,17). Er dachte dabei
an den sogenannten Vorhof der Heiden, den er von äußeren Geschäftigkeiten
räumte, damit der Freiraum da sei für die Völker, die hier zu dem einen
Gott beten wollen, auch wenn sie dem Geheimnis nicht zugehören konnten, dem
das Innere des Tempels diente. Gebetsraum für alle Völker - dabei war an
Menschen gedacht, die Gott sozusagen nur von ferne kennen; die mit ihren
Göttern, Riten und Mythen unzufrieden sind; die das Reine und Große
ersehnen, auch wenn Gott für sie der ‚unbekannte Gott‘ bleibt (Apg 17,23).
Sie sollten zum unbekannten Gott beten können und damit doch mit dem
wirklichen Gott in Verbindung sein, wenn auch in vielerlei Dunkelheit. Ich
denke, so eine Art ‚Vorhof der Heiden‘ müsse die Kirche auch heute auftun,
wo Menschen irgendwie sich an Gott anhängen können, ohne ihn zu kennen und
ehe sie den Zugang zum Geheimnis gefunden haben, dem das innere Leben der
Kirche dient. Zum Dialog der Religionen muss heute vor allem auch das
Gespräch mit denen hinzutreten, denen die Religionen fremd sind, denen Gott
unbekannt ist und die doch nicht einfach ohne Gott bleiben, ihn wenigstens
als Unbekannten dennoch anrühren möchten."
Der "Vorhof der Heiden"! Sind wir imstande, einen solchen "Vorhof" offen
zu halten und zu gestalten? Das ist eine große Anfrage an uns alle in
unserer Erzdiözese. Kardinal Franz König hat immer wieder an die drei Fragen
erinnert, die im Grunde jeden Menschen bewegen: Woher komme ich? Wohin gehe
ich? Wozu ist mein Leben? Diese Fragen prägen uns alle. Wenn wir uns ehrlich
diesen Fragen stellen, reichen wir damit den Menschen im "Vorhof des
Tempels" die Hand. Es ist der "erste Schritt der Evangelisierung".
Ich lade Sie dazu ein, das zu versuchen und grüße Sie herzlich
Ihr
Kardinal Christoph Schönborn
(red)
10.02.2010
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