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Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
liebe Schwestern und Brüder!
Im "Leitbild für die Erzdiözese Wien" heißt es, dass " Gott für jeden von
uns, für uns in Gemeinschaft wie auch für Seine Schöpfung nicht weniger als
die Fülle des Lebens will. Gerade im Antlitz einer dienenden Kirche soll die
Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes, wie sie uns in Jesus Christus
erschienen ist, sichtbar werden."
Unter diesem Blickwinkel soll auch das große diözesane Missionsprojekt
"Apostelgeschichte 2010" gesehen werden. Es geht darum, den suchenden
Menschen von heute die Liebe Gottes, seine Güte und Menschenfreundlichkeit
nahe zu bringen. Getaufte und gefirmte Christen gehen mit dieser Botschaft
zu den Menschen, wie es dem Missionsauftrag Jesu entspricht. Hoffnungsvoll
und zuversichtlich haben wir mit "Apostelgeschichte 2010" begonnen. Diesen
Weg wollen wir von 11. bis 13. März bei der zweiten Diözesanversammlung
konsequent weitergehen. Die Frage "Wie verkündigen wir? Wem verkündigen
wir?" wird im Mittelpunkt stehen. Das ist zugleich Vorbereitung auf die
große Missionswoche in der Erzdiözese Wien ab Pfingstmontag, 24. Mai. Jede
Pfarre, jede Gemeinschaft, jede kirchliche Institution ist eingeladen, in
dieser Woche ein selbst entwickeltes Missionsprojekt zu verwirklichen. Im
Rückblick auf die erste Diözesanversammlung bleibe ich dabei, dass sie ein
"Wendepunkt der Hoffnung" war.
Umso schmerzlicher waren die Missbrauchs-Berichte in den letzten
Februar-Tagen. Wieder ist die Kirche mit dem Thema des Missbrauchs von
Kindern und Jugendlichen in ihrem eigenen Bereich konfrontiert. In meiner
Aschermittwoch-Predigt habe ich im Stephansdom gesagt, dass Schande weh tut.
Solche Taten sind unentschuldbar, es gibt nur die Reue und die Bitte, dass
so etwas nicht wieder geschehe. Es gibt in der Erzdiözese Wien seit 1996
eine gut arbeitende "Ombudsstelle", an die sich Opfer von Missbrauchsfällen
wenden können, es gibt seit 2006 einen Maßnahmenkatalog zur "Verhinderung
sexuellen Missbrauchs", der genaue Anweisungen gibt. Bei dem schmerzlichen
jüngsten Fall im Vikariat Unter dem Wienerwald ist seitens der kirchlichen
Verantwortlichen umgehend und zielbewusst gehandelt worden.
Trotzdem bleibt tiefe Betroffenheit. Wenn wir das "Leitbild für die
Erzdiözese Wien", den Prozess "Apostelgeschichte 2010" und vor allem das
Evangelium ernst nehmen, dann müssen wir zum Schluss kommen, dass es solche
Vorfälle nicht geben darf. Wie sonst können wir die "Güte und
Menschenfreundlichkeit Gottes, wie sie uns in Jesus Christus erschienen ist,
sichtbar werden" lassen?
Ich bin mit unserem Heiligen Vater Papst Benedikt XVI. überzeugt, dass
volle Offenheit, Transparenz, Sorge um die Opfer und die große
Entschuldigungs- und Versöhnungsbitte an sie, aber auch viel Anstrengung in
Richtung Vorbeugung notwendig sind, um wenigstens ansatzweise die Schande
des Missbrauchs in der Kirche zu tilgen. Möge es uns gelingen, gemeinsam
dafür einzutreten: Die Wahrheit wird uns frei machen!
Dann nehmen wir "Apostelgeschichte 2010" ernst, dann handeln wir nach dem
Evangelium und dann können wir auf das Vertrauen der Menschen hoffen. Es
gibt nur diesen Weg.
Ihr
Kardinal Christoph Schönborn
(red)
08.03.2010
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