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Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
liebe Schwestern und Brüder!
Am Pfingstmontag (24. Mai) beginnt in unserer Erzdiözese die große
Missionswoche, die eine Frucht des Vorgangs "Apostelgeschichte 2010"
darstellt. Zu Pfingsten feiern wir die "Geburtsstunde der Kirche". Umso mehr
liegt es nahe, zu Pfingsten vor den suchenden Menschen von heute darzulegen,
"wovon wir nicht schweigen können".
Die Kirche ist in den letzten Monaten durch eine notwendige, aber
schmerzvolle Läuterungsperiode gegangen. Viele, die seit Jahren unverdrossen
ihren Dienst in der Kirche leisten – Priester, Ordensleute, Laienchristen .-
fragen sich, warum sie die Last der "schwarzen Schafe" mittragen müssen. Ich
verstehe diese Frage. Aber es gibt keine andere Antwort, als dass die Kirche
"ein Leib" ist, in dem alle Glieder füreinander Verantwortung tragen.
Das Bild der Kirche in der Öffentlichkeit ist vielfach getrübt worden.
Umso mehr geht es darum, in behutsamer Weise das eigentliche Antlitz der
Kirche wieder sichtbar zu machen, dieses Antlitz, das trotz aller Falten und
Runzeln einen inneren Glanz ausstrahlt. Das ist auch der Sinn der
Missionswoche. Die Missionswoche ist nicht "von oben" durchorganisiert, es
gibt keine Vorschriften. Aber die Pfarrgemeinden, die kirchlichen
Einrichtungen, die katholischen Organisationen sind eingeladen, jeweils ein
Missionsprojekt zu verwirklichen, das ihrer besonderen Situation und den
Fragen der Menschen entspricht, mit denen sie in Kontakt sind. Es geht um
eine doppelte Bewegung: Die Kirche macht – im wörtlichen wie im übertragenen
Sinn – ihre Türen auf und lädt ein, hereinzukommen; sie geht aber auch aus
ihrem geschützten Bereich in Gotteshaus und Sakristei heraus und begibt sich
dorthin, wo die Menschen sind.
Ein Höhepunkt der Missionswoche ist die "Lange Nacht der Kirchen" am 28.
Mai. Die "Lange Nacht" hat sich in den letzten Jahren immer wieder als ein
Angebot erwiesen, das die Menschen anzieht und begeistert – vielleicht
gerade deswegen, weil die Schwelle niedrig ist, die sonst viele abhält, den
Raum der Kirche zu betreten.
Ich freue mich, dass es im Zusammenhang mit der Missionswoche und der
"Langen Nacht der Kirchen" so viele hervorragende kreative Ideen gibt, so
viel Bereitschaft zum Einsatz, so viel Begeisterung für die Verkündigung der
"Guten Nachricht". Hier ist wirklich das "Wehen des Geistes Gottes" zu
spüren.
In zwei Diözesanversammlungen haben wir uns mit dem Thema der "ecclesia
semper reformanda" (der Kirche, die sich immer wieder erneuern muss)
befasst, mit der Notwendigkeit, den Menschen von heute die authentische
Botschaft des Evangeliums in einer den Erfordernissen der Gegenwart
entsprechenden Form und Sprache anzubieten. Das Thema der beiden
Diözesanversammlungen war im Grunde nichts anderes als das "aggiornamento",
die "Verheutigung" der Botschaft. Das hat im übrigen nichts damit zu tun,
dem "Zeitgeist" nachzulaufen. Im Gegenteil, es kann bedeuten, zum
"Zeitgeist" auf Konfrontationskurs gehen zu müssen. Erneuerung aus dem
Glauben heißt, den Auftrag Jesu ganz ernst zu nehmen.
Was bedeutet das?
1. Es ist für uns Christen notwendig, neu "auskunftsfähig" zu werden. Wir
müssen über unseren Glauben auch Rechenschaft geben können. Wir müssen
lernen, unseren Glauben zu begründen – vor allem auch im Gespräch mit
Andersgläubigen und Nichtglaubenden, mit Zweifelnden und Fragenden.
2. Wir müssen offen sein für die Menschen – für ihre Sorgen und
Freuden, für ihre Fragen und ihre Sehnsucht nach Antwort.
3. Wir dürfen keine Angst vor den "Kanten" der biblischen Botschaft
haben. Wir dürfen aber auch nicht künstlich Mauern aufbauen, wo Schrift und
Tradition gar keine vorsehen.
Ich bin schon gespannt, von Ihren Erfahrungen mit der Missionswoche zu
hören. Der Austausch darüber wird ein wichtiger weiterer Schritt auf dem Weg
Apostelgeschichte 2010 sein. Denn durch unsere positiven wie negativen
Erfahrungen mit der Mission zeigt uns der Herr, wie der Weg weitergehen
soll. In der Freude und Dankbarkeit, diesen Weg gemeinsam gehen zu können
grüßt Sie alle
mit herzlichen Segenswünschen
Ihr Kardinal Christoph Schönborn.
(red)
07.05.2010
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