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Wir müssen lernen, unseren Glauben zu begründen
© Kathbild.at/RupprechtIn den Impulsen im Mai schreibt Kardinal Christoph Schönborn über die große Missionswoche nach Pfingsten als weiterem wichtigen Schritt auf dem Weg von "Apostelgeschichte 2010".

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
liebe Schwestern und Brüder!

Am Pfingstmontag (24. Mai) beginnt in unserer Erzdiözese die große Missionswoche, die eine Frucht des Vorgangs "Apostelgeschichte 2010" darstellt. Zu Pfingsten feiern wir die "Geburtsstunde der Kirche". Umso mehr liegt es nahe, zu Pfingsten vor den suchenden Menschen von heute darzulegen, "wovon wir nicht schweigen können".

Die Kirche ist in den letzten Monaten durch eine notwendige, aber schmerzvolle Läuterungsperiode gegangen. Viele, die seit Jahren unverdrossen ihren Dienst in der Kirche leisten – Priester, Ordensleute, Laienchristen .- fragen sich, warum sie die Last der "schwarzen Schafe" mittragen müssen. Ich verstehe diese Frage. Aber es gibt keine andere Antwort, als dass die Kirche "ein Leib" ist, in dem alle Glieder füreinander Verantwortung tragen.

Das Bild der Kirche in der Öffentlichkeit ist vielfach getrübt worden. Umso mehr geht es darum, in behutsamer Weise das eigentliche Antlitz der Kirche wieder sichtbar zu machen, dieses Antlitz, das trotz aller Falten und Runzeln einen inneren Glanz ausstrahlt. Das ist auch der Sinn der Missionswoche. Die Missionswoche ist nicht "von oben" durchorganisiert, es gibt keine Vorschriften. Aber die Pfarrgemeinden, die kirchlichen Einrichtungen, die katholischen Organisationen sind eingeladen, jeweils ein Missionsprojekt zu verwirklichen, das ihrer besonderen Situation und den Fragen der Menschen entspricht, mit denen sie in Kontakt sind. Es geht um eine doppelte Bewegung: Die Kirche macht – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn – ihre Türen auf und lädt ein, hereinzukommen; sie geht aber auch aus ihrem geschützten Bereich in Gotteshaus und Sakristei heraus und begibt sich dorthin, wo die Menschen sind.

Ein Höhepunkt der Missionswoche ist die "Lange Nacht der Kirchen" am 28. Mai. Die "Lange Nacht" hat sich in den letzten Jahren immer wieder als ein Angebot erwiesen, das die Menschen anzieht und begeistert – vielleicht gerade deswegen, weil die Schwelle niedrig ist, die sonst viele abhält, den Raum der Kirche zu betreten.

Ich freue mich, dass es im Zusammenhang mit der Missionswoche und der "Langen Nacht der Kirchen" so viele hervorragende kreative Ideen gibt, so viel Bereitschaft zum Einsatz, so viel Begeisterung für die Verkündigung der "Guten Nachricht". Hier ist wirklich das "Wehen des Geistes Gottes" zu spüren.

In zwei Diözesanversammlungen haben wir uns mit dem Thema der "ecclesia semper reformanda" (der Kirche, die sich immer wieder erneuern muss) befasst, mit der Notwendigkeit, den Menschen von heute die authentische Botschaft des Evangeliums in einer den Erfordernissen der Gegenwart entsprechenden Form und Sprache anzubieten. Das Thema der beiden Diözesanversammlungen war im Grunde nichts anderes als das "aggiornamento", die "Verheutigung" der Botschaft. Das hat im übrigen nichts damit zu tun, dem "Zeitgeist" nachzulaufen. Im Gegenteil, es kann bedeuten, zum "Zeitgeist" auf Konfrontationskurs gehen zu müssen. Erneuerung aus dem Glauben heißt, den Auftrag Jesu ganz ernst zu nehmen.

Was bedeutet das?

1. Es ist für uns Christen notwendig, neu "auskunftsfähig" zu werden. Wir müssen über unseren Glauben auch Rechenschaft geben können. Wir müssen lernen, unseren Glauben zu begründen – vor allem auch im Gespräch mit Andersgläubigen und Nichtglaubenden, mit Zweifelnden und Fragenden.

2. Wir  müssen offen sein für die Menschen – für ihre Sorgen und Freuden, für ihre Fragen und ihre Sehnsucht nach Antwort.

3. Wir dürfen keine Angst vor den "Kanten" der biblischen Botschaft haben. Wir dürfen aber auch nicht künstlich Mauern aufbauen, wo Schrift und Tradition gar keine vorsehen.

Ich bin schon gespannt, von Ihren Erfahrungen mit der Missionswoche zu hören. Der Austausch darüber wird ein wichtiger weiterer Schritt auf dem Weg Apostelgeschichte 2010 sein. Denn durch unsere positiven wie negativen Erfahrungen mit der Mission zeigt uns der Herr, wie der Weg weitergehen soll. In der Freude und Dankbarkeit, diesen Weg gemeinsam gehen zu können grüßt Sie alle


mit herzlichen Segenswünschen

Ihr Kardinal Christoph Schönborn.

(red)

07.05.2010


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