Impulse Thema Panorama Menschen Newsletter Kontakt

 RSS, ATOM
 Druckansicht
Die Kirche ist das "Volk Gottes"
© Kathbild.at/RupprechtIn den Impulsen im Juli schreibt Kardinal Christoph Schönborn ein Wort des Dankes und der Sorge.  Und er erinnert an das Leitbild der Erzdiözese, in dem es heißt, dass wir "einander von Gott anvertraut sind".

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
liebe Schwestern und Brüder!

Am Beginn der Ferienzeit möchte ich mich mit einem Wort des Dankes, der Sorge und der Verbundenheit bei Ihnen melden. Das abgelaufene Arbeitsjahr war schwer, vor allem in der zweiten Hälfte. Was weltkirchlich ein Jahr der Besinnung auf den priesterlichen Dienst, seine Größe und Schönheit, und diözesan ein Jahr des missionarischen Aufbruchs ("Apostelgeschichte 2010") werden sollte, wurde zu einem Jahr der Beschämung durch die Missbrauchsfälle.

Die Pauschalverdächtigungen gegen die Kirche schmerzen. Ich möchte aber auch Ihnen sagen, was ich den Priestern unserer Erzdiözese am Fest der Apostel Petrus und Paulus geschrieben habe: "Mehr aber soll es uns schmerzen, dass Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen von Priestern, die Christus darstellen sollen, Schlimmes und oft lebenslang Belastendes zugefügt worden ist. Versuchen wir immer neu, mit Jesu Augen das Leid der Opfer zu sehen. Dann wird er ihnen Heilung und uns Läuterung und einen guten Neubeginn schenken. Diese Hoffnung trage ich im Herzen".

Ein Wort des Dankes gilt den vielen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unserer Erzdiözese, die in den schwierigen Monaten die Last der Beschämung mutig mitgetragen haben. Ich bin überzeugt, dass gerade auch in den schwierigen Momenten die Gemeinschaft, das Miteinander gewachsen ist. Es war eine schmerzliche Prüfung, aus der wir aber mit dem festen Willen hervorgehen, die Wahrheit aufzudecken, den Opfern zu helfen und alles zu tun, damit es nicht mehr zu solchen abscheulichen Verirrungen kommen kann.  

Viele sehnen sich nach Reformen in der Kirche. Reform ist eine ständige Aufgabe für die Gemeinschaft der an Christus Glaubenden. Aber um welche Reform geht es? Was ist der Wille und die Wegweisung des Herrn? Das Zweite Vatikanische Konzil hat die Kirche in einem wunderbaren Bild als das "Volk Gottes" gezeichnet, das durch die Zeiten pilgert. Entsprechen wir diesem Bild? Sind wir ein Volk, das trotz aller Auffassungsunterschiede gemeinsam unterwegs ist? Gerade auch dann, wenn es auf dem Pilgerweg steinige und beschwerliche Abschnitte gibt? Wir werden im neuen Arbeitsjahr - vor allem beim Gemeindetag am 18. September und bei der dritten Diözesanversammlung von 14. bis 16. Oktober - Gelegenheit haben, gemeinsam über diese Fragen nachzudenken.

Es ist menschlich verständlich, wenn wir uns eine eindrucksvolle und hochgeachtete Kirche wünschen, die ihren Dienst an den Menschen und am Gemeinwohl in allgemeiner Hochschätzung leisten darf. Aber zugleich müssen wir uns darauf besinnen, wie Jesus seinen Weg gegangen ist, Er, der sich selbst entäußert und "Knechtsgestalt" angenommen hat. In großen christlichen Gestalten der jüngeren Geschichte wie der selig gesprochenen Mutter Teresa von Kalkutta oder des heilig gesprochenen Lepra-Apostels Damian de Veuster wird dieser Weg Jesu sichtbar: Sie sind buchstäblich "hinunter gestiegen", zu den Kleinen, den Armen, den Verachteten, den Ausgegrenzten.

Im "Leitbild für die Erzdiözese Wien" wird daran erinnert, dass wir "einander von Gott anvertraut sind". Das sagt etwas darüber aus, wie wir in der Kirche miteinander umgehen müssen, aber auch darüber, wie wir den Menschen begegnen sollen, auf die wir zugehen wollen.

Ich wünsche Ihnen von Herzen erholsame Sommertage und neue Glaubenserfahrungen, damit wir unseren gemeinsamen Pilgerweg im kommenden Arbeitsjahr neu gestärkt weitergehen können …

Ihr
Kardinal Christoph Schönborn

(red)

02.07.2010


 Druckansicht

Zurück
 
Aktuelle Informationen
Die Vikariatsräte stellen sich vor
Mit einer neuen Broschüre über den pastoralen Vikariatsrat präsentiert sich das Vikariat Wien Stadt. Nach der konstituierenden Sitzung der Vikariatsräte, wurde die neue Broschüre gemacht und konnte nun ausgegeben werden.  Mehr ...
Brief von Generalvikar Schuster an die Diözese
Mit einem offenen Brief wendet sich Generalvikar Franz Schuster, an alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Erzdiözese. "Ich ersuche Sie, konkrete Verdachtsfälle sexuellen Missbrauchs unbedingt an die Ombudsstelle weiterzuleiten!", betont Schuster.  Mehr ...
Missionsmappe mit vielen Projekten
Ob "Offene Kirche", "Stunde der Barmherzigkeit" oder Straßenaktionen: Eine Mappe stellt von Pfarren bereits erprobte Missionsprojekte vor. Nachahmung ist erwünscht.  Mehr ...
"thema kirche" lesen - aber wie?
Das Online-Portal der Mitarbeiter/innenzeitung der Erzdiözese hat bereits mehr als 8.100 Empfänger. Ohne eigenen PC kann man es nicht bekommen, oder etwa doch?  Mehr ...
 
  Meinung


















 
Impulse - Thema - Panorama - Menschen - Newsletter - Service - Über thema kirche
themakirche, Mitarbeitermagazin, Erzdiözese, Wien, Kardinal, katholische Kirche, Menschen, Pfarrgemeinde, Pfarre, Dekanat