|
Der Sommer ist für viele Menschen eine Möglichkeit, Abstand zum
beruflichen Alltag zu bekommen und sich mehr auf sich selbst, die Familie,
private Interessensgebiete und möglicherweise auch auf Reisen zu konzentrieren.
Haben Sie sich vielleicht schon die Frage gestellt, ob Sie diese Zeit
"reinen Herzens" genießen konnten oder hat es Hilfmittel bedurft, um sich so richtig fallen zu lassen?
Nikotin, Koffein, Alkohol und Medikamente - wie setzten Sie denn diese
Substanzen oder auch Handlungen den Sommer über ein? Hand aufs
Herz:
Wars´s ein bisserl mehr?Denn Genuss, der uns erfreut, gibt uns das Gefühl der Freiheit.
Wir könnten zum Beispiel zum Essen ein alkoholisches Getränk trinken, müssen
es aber nicht tun, wenn wir kein Verlangen danach haben. Wir könnten eine
Zigarette rauchen, vielleicht aber auch nicht. So oder so, fühlen wir uns
gut.
Aussagen wie zum Beispiel "Ein Essen ohne Bier ist kein Essen."
oder "Ein Kaffee ohne Zigarette schmeckt nicht." oder "Das Wechselgeld beim
Verlassen eines Lokales in den Spielautomaten zu werfen ist doch nur ein
kleiner Spaß." deuten auf einen Missbrauch der jeweiligen Substanz oder des
jeweiligen Verhaltens hin.
"Ich brauche das halt jetzt"Falls wir den Gebrauch von Substanzen nicht mehr hinterfragen,
sondern einfach das Gefühl haben "ich brauche das halt jetzt" könnte dies ein Hinweis auf eine Gefährdung sein. Am
nächsten Morgen plagen Schuldgefühle und eine "Katerstimmung". Gute
Vorsätze, die oftmals nicht bis zum nächsten Abend oder bis zur nächsten
Gelegenheit anhalten, machen das Mass der Unfreiheit und Bindung an die
Substanz oder das Verhalten deutlich.
Von Sucht oder süchtigem Verhalten sprechen wir dann, wenn es
keine freie Wahl mehr gibt, wenn jemand einfach "muss" ohne die Folgen zu bedenken. Die Rechtfertigung "ich könnte ja
aufhören, wenn ich nur wollte, aber ich will nicht", dient vielfach nur noch
als Ausrede.
Süchtig werden kann man sowohl auf- Substanzen, wie, z.B. die legalen Suchtmittel Alkohol,
Nikotin, Medikamente (Amphetamine/ Aufputschmittel, Barbiturate/
Schlafmittel, Tranquilizer/ Beruhigungsmittel, Betäubungsmittel/
Schnüffelstoffe) oder
- illegale Suchtmittel/Drogen (Cannabisprodukte/ Haschisch, Marihuana,
Halluzinogene/ LSD, Meskalin, Psilocybin, Kokaprodukte/ Kokain, Crack,
Opiate/ Opium, Morphium, Heroin, Designerdrogen/ MDMA (Ecstasy), PCP/
Engelstaub, MPTP/ Synthetisches Heroin) oder
- auf Handlungen, wie z.B. Essen/ Nichtessen, Arbeiten,
Glücksspiel, Einkaufen, Computerspiele.
Ausreden, Halbe Wahrheiten, Lügen und Heimlichkeiten begleiten das Leben
von Menschen, die suchtkrank oder suchtgefährdet sind. Deshalb überlegen Sie
sich, ob Sie den Konsum, die Mengen verschiedenster Substanzen, die Zeit,
die Sie damit verbringen, den finanziellen Aufwand, mögliche körperliche und
seelische Beschwerden vor sich selbst zugeben wollen, oder ob Sie dies
"verniedlichen".
Sich Unterstützung holenSpätestens zu diesem Zeitpunkt sollte man sich Hilfe holen, denn aus
diesem Kreislauf auszusteigen bedarf aller Kraft die man aufbringen
kann.
Sowohl Betroffene als auch Angehörige leiden meist unter großen
Schamgefühlen, die es ihnen schwer machen sich Unterstützung zu holen. Mit
der gleichen Selbstverständlichkeit mit der man bei einem Beinbruch Hilfe
holt, ist es auch im Falle von Gefährdungen oder Suchterkrankungen notwendig
die Symptome ernst zu nehmen und professionelle Hilfe in Anspruch zu
nehmen.
Ehrlichkeit vor sich selbst, das Gespräch mit vertrauten Personen, an
einer Beratungsstelle oder mit dem Betriebsarzt können der erste Schritt in
Richtung Gesundheit und Wiedererlangung von Selbstbestimmung sein.
Angehörige sollten sich nicht scheuen für sich Unterstützung zu holen,
denn das Leben mit einem suchtkranken Partner oder einer suchtkranken
Partnerin erfordert viel Anstrengung und Kraft. Es ist meist nicht leicht,
unterscheiden zu lernen wie man seine PartnerIn als Person unterstützen kann
und nicht deren Suchtkrankheit.
Die Gelegenheit sein Leben in eine gute Richtung zu führen gibt es zu jedem
Zeitpunkt. Die günstigen Momente zu erkennen, den Mut zu fassen und alle
Kraft zusammenzunehmen um Veränderungen zu beginnen - das ist
Lebenskunst.
Monika Gumhalter-Scherf
DSA Monika Gumhalter-Scherf ist Coach,
Psychotherapeutin (Systemische Familientherapie), Supervisorin sowie
Direktorin der Lehranstalt Psychotherapeutisches Propädeutikum und der
Lehranstalt für Ehe-, Familien- und Lebensberatung.
(red)
11.09.2009
|