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Angelika Matzka

19.10.11

Ein paar Gedanken nach der Lektüre des Beitrags von Pfarrer Gump in der September-Ausgabe von Thema Kirche

Dankbar habe ich gelesen, dass am 12. Oktober ein weiteres Gespräch zwischen dem Herrn Kardinal und Vertretern der Diözesanleitung und Vertretern der Pfarrer-Initiative stattgefunden hat „in konstruktiver Atmosphäre“. Die Diskussion habe vor allem „der gemeinsamen Sorge um lebendige Gemeinden vor Ort - einem der Kernpunkte des diözesanen Reformprozesses“ gegolten.
Das Gespräch wird weitergehen, deshalb in gebotener Kürze ein paar Gedanken zu einigen der aufgelisteten Punkte (mir kommt eine solche „To-do-Liste“ übrigens nicht besonders hilfreich vor für ein Gespräch über die aktuellen Nöte. Denn in der Tiefe hängen diese Punkte sehr stark zusammen):
Anregungen zum diözesanen Prozess der Erneuerung:
Liegt da nicht ein Missverständnis des Hirtenbriefes von Kardinal Schönborn vor in der Beschreibung „… an Hand der (zu wenig) geeigneten Priester wird die Anzahl der Kirchengemeinden festgelegt.“ Gemeint ist doch, wenn ich es richtig verstehe, gerade nicht, dass „Gemeinde“leiter und Pfarrer identisch sein müssten und auch nicht, dass „Gemeinde“ und „Pfarre“ identisch sein müssen. Das Anliegen des Hirtenbriefes ist ja, dass es innerhalb einer größeren Pfarre kleine, von Laien geleitete Gemeinden gibt. Ein mir gut bekannter Priester aus Deutschland erzählte mir: „Ich selbst habe ein solches Modell während meiner zweijährigen Tätigkeit in Tansania als segensreiche Struktur erfahren. Wenn, wie ich es erfahren habe, in einer Pfarre mit zwanzig Kilometer Radius hundert Laien als Verantwortliche für 20 Gemeinden reale Verantwortung für den Glauben ihrer Gemeindemitglieder übernehmen, dann ist es für den Pfarrer nicht mehr eine Überforderung, sondern eine Ermöglichung der Arbeit, eine Realisierung des Wortes vom leichten Joch.“
Greift man also den obigen Gedanken aus dem Hirtenbrief auf, dann müsste der Satz „… ein deutliches Bekenntnis zu überschaubaren Pfarren samt Ausstattung mit geeigneten Leitungen“ heißen: „Es geht um überschaubare Gemeinden, die von Personen vor Ort geleitet werden.“
Ich meine, wir sollten dem zum Wachsen Zeit geben und zuerst einmal die Früchte sehen und prüfen.
Zölibat:
Der greise Simeon sagt über Jesus, er werde ein Zeichen sein, dem widersprochen wird (Lk 2,34). Wir dürfen wohl davon ausgehen, dass dabei vor allem der Widerspruch in den Reihen Israels vor Augen stand.
Die Kirche sieht den Priester in der Liturgie, vor allem in der Eucharistiefeier, „in persona Christi“. Unter Berufung auf Schrift und Tradition hält sie deshalb daran fest, dass Priester aus der Reihe der Zölibatären und der Männer berufen werden.
Was bedeutet es, wenn heute dem Zeichen des zölibatär lebenden Priesters innerhalb der Kirche widersprochen wird? Kann es damit zusammenhängen, dass wir nicht daran erinnert werden wollen, dass man sich wirklich ganz und ausschließlich an Christus und die Kirche binden kann, ohne dabei etwas vom sogenannten Lebensglück zu verlieren?
Was bedeutet es, wenn heute dem Zeichen des männlichen Priesters innerhalb der Kirche widersprochen wird? Kann es damit zusammenhängen, dass viele Katholiken – gegen die Bibel – bereits ein Gender-Menschenbild haben?
Sonntagsgottesdienst und Liturgie:
Wo die Freude über die Möglichkeit der Eucharistiefeier am Sonntag fehlt, wird auch die festliche Wort-Gottes-Feier in der Ortsgemeinde „der Grundidee des Sonntags“ kaum entsprechen können. Im Hebräerbrief heißt es, dass Jesus den Tod auf sich nahm „angesichts der vor ihm liegenden Freude“ (12,2) – ist nicht jede Eucharistiefeier eine Einladung, in diese Freude Jesu einzutreten? (A. Stötzel).
„Eine „Zentral-Eucharistie“, zu der aus aller Umgebung hingefahren wird, als Normalfall: das zerstört Kirche.“, heißt es im Text von Pfr. Gump.
Aus der Not in vielen Gegenden der Welt eine Tugend zu machen und ziemlich abfällig von „Zentral-Eucharistie“ zu sprechen, tut mir weh. Der oben schon zitierte Priester sagte mir zudem: „Ich habe selbst erfahren, dass sowohl in Diasporagebieten Deutschlands, wo ich aufgewachsen bin, als auch in Tansania, wo es nur in einer zentralen Pfarrkirche eine wöchentliche Eucharistiefeier gibt und weite Wege dorthin zurückzulegen sind, das Glaubensleben intensiver ist als in ‚flächendeckend versorgten‘ Gebieten.“
Jede Messfeier ist die Möglichkeit, das Leben der Menschen aus ihrem sicher oft wenig erbaulichen Alltag emporzuheben auf die Ebene der Freude des Ostertages. Sie ist ein Fest, ein Punkt im Leben des Menschen, wo sich Himmel und Erde berühren. Das geht nicht ohne weiteres mit der Schnoddrigkeit der Alltagssprache.
An tiefen Symbolen ist die Messe überreich – es wäre vielleicht nur nötig, ihren Sinn wieder aufzuspüren, damit sie nicht als „künstliches Getue oder lebensferne Worthülsen“ erlebt werden.
Zum Schluss:
Ich würde mir so sehr wünschen, dass wir alle einen neuen Blick auf die Not der Kirche finden, wo das Gespräch nicht mit Forderungen beginnen müsste, auch nicht mit Vorwürfen, sondern mit dem gemeinsamen Anschauen der Realität und der Suche nach den Ursprüngen der Fehlentwicklungen, damit daraus gemeinsam gangbare Wege gefunden werden können. Denn wir sind doch als Glieder der Kirche nicht für uns selbst da, sondern sollen dazu beitragen, dass ihr So-Sein andere zum Glauben reizt. Da wir das wohl alle wollen und doch auch gemeinsam an die pfingstliche Einmütigkeit als Gabe Gottes glauben, sollten wir einen Boden suchen, der der Sprache der Vorwürfe und der gegenseitigen Forderungen nicht bedarf ich meine, gerade das wäre ein spezifisches Kennzeichen des Bodens der Kirche.
Angelika Matzka

2

Ulrike Prlic

01.10.11

Herr Pfarrer Gump - herzlichen Dank für Ihr ausgezeichnetes Statement zum Aufruf zum Ungehorsam und für den Mut der Pfarrerinitiative,endlich die heißen Eisen in der Kirche klar anzusprechen. Sie drücken aus, was sicherlich 80% der engagierten Pfarrmitarbeiter empfinden!

3

Brigitte Harrer

22.09.11

Gedanken zum Aufruf

Ich möchte in der aktuellen Debatte über den Aufruf der Priester auf die Aussage von Karidnal Franz König, zitiert aus der Seite der Erfüllten Zeit, hinweisen:

Der große Kardinal Franz König hat mit Überzeugung gesagt: "Ich glaube nicht daran, dass die Kirche dadurch besser wird, dass man alle 'Fernstehenden' aus ihr vertreibt. Denn das wäre gegen die Absicht Christi. Er selbst hat nämlich gerade jene gesucht, die sich im religiösen Leben nicht mehr selber helfen können. Er hat von sich selber gesagt, dass er nicht gekommen ist, die Gerechten zu berufen, sondern die Sünder."

Mit freundlichen Grüßen

Brigitte Harrer

4

Friedrich Griess

22.09.11

Sehr geehrte Damen und Herren,

beim Lesen von thema kirche stößt man naturgemäß immer wieder auf das Wort Berufung . Ich finde es allerdings seltsam, dass dabei ausschließlich die Berufung zum priesterlichen Dienst in der lateinischen Kirche gemeint ist, die ja bekanntlich mit wenigen Ausnahmen den Zölibat voraussetzt. Ich als verheirater Familienvater habe also die Möglichkeit verspielt, berufen zu werden, außer ich hätte das Glück , dass meine geliebte Ehefrau vor mir stirbt. Das war schon vor und auch kurz nach dem Konzil noch ganz anders. Ich leitete damals einige Jahre lang die religiöse Erziehung der Niederösterreichischen Pfadfinder, half gemeinsam mit meiner Frau, Ehevorbereitungskurse zu gestalten, war Kommunionspender (so hieß es damals ursprünglich, wurde aber später zu Kommunionhelfer und dann noch zu außerordentlicher Kommunionhelfer heruntergestuft), Kantor und Firmhelfer. Bei den Ehevorbereitungskursen waren wir bald nicht mehr erwünscht, ebenso ich nicht mehr als Kommunionspender und Kantor, und die Mitarbeit bei der Firmvorbereitung wurde mir schließlich mit der Begründung verboten, ich sei dazu zu alt - ich war 63 -, während man 90-jährige Pfarrer, die noch mühsam ihren Dienst tun, als Helden feiert. An den Veranstaltungen der APG2010 wollte ich teilnehmen und da sagte man mir in der Pfarre, man könne ohnehin hinein , und ich stand dann einige Stunden hinter dem Gitter im Dom, obwohl in den hinteren Reihen noch viele Plätze frei waren. Längst habe ich mich außerhalb der Kirche engagiert und leitete 4 Jahre lang eine europäische Vereinigung.

Heißt es bei Paulus nicht ganz anders? Da gibt es vielfältige Berufungen, die nicht an den Zölibat gebunden sind, z.B. bei

1Kor 12,28 So hat Gott in der Kirche die einen als Apostel eingesetzt, die andern als Propheten, die dritten als Lehrer ferner verlieh er die Kraft, Wunder zu tun, sodann die Gaben, Krankheiten zu heilen, zu helfen, zu leiten, endlich die verschiedenen Arten von Zungenrede. 1Kor 12,29 Sind etwa alle Apostel, alle Propheten, alle Lehrer? Haben alle die Kraft, Wunder zu tun?
Eph 4,11 Und er gab den einen das Apostelamt, andere setzte er als Propheten ein, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer,

Ich forderer Sie daher auf, in Ihren Publikationen das Wort Berufung nicht auf das zölibatäre Priestertum einzuengen. Dann wird es wahrscheinlich unter der misera plebs der Laien wieder mehr Begeisterung für den Dienst in der Kirche geben.

Mit freundlichen Grüßen
Dipl. Ing. Friedrich Griess

5

Christian Denkmair

16.08.11

Was muss ich mir denken, wenn ich Mitarbeiter/innen Magazin lese ?
Dass der unseelige Feminismus auch die Katholische Kirche erreicht hat...da kann man ja froh sein, dass Frauen noch keine Würdenträger sind...:

MfG, Christian Denkmair

6

Alois Bachinger osfs

05.07.11

Das Thema des gemeinsamen Priestertums ist neu entdeckt das ist erfreulich. Es scheint mir, dass die Suche nach pastoralen Wegen in den Pfarreien sich diese Glaubenswirklichkeit anbietet. Wie Frau Prüller- Jagenteufel in ihrem Beitrag fesstellt, wurde das gemeinsame Priestertum zugunsten des Weihepriestertums abgewertet. Die Überbetonung des Weihepriesterums hat viele Ursachen im Laufe der Geschichte und mit einem belasteten Wort bezeichnen wir das heute mit Klerikalismus. Ich kann mich in meinem Leben als Priester (Weihe 1958) gut erinnern, dass es nach dem Konzil ein Buch gegeben hat Abschied von Hochwürden . Wir haben diese Entwicklung damals begrüßt. Es scheint mir bedauerlicherweise aber heute so, dass die jungen Priester eher wieder zurück zu Hochwürden drängen. Das ist zur Bewußtmachung des gemeinsamen Priestertums gegenläufig. Ich fürchte nur, dass in den engagierten Christen und Christinnen das Bewußtsein vom gemeinsamen Priestertum wächst, aber die jungen Priester wieder die Würde und Autorität des Amtspriesters betonen. Es könnte sein, dass manche Engagierte in den Pfarreien vor den Kopf gestoßwen werden und resignieren. Die Neu-Aktivierung des Gemeinsamen Priestertums braucht ein Selbstverständnis der Amtspriester als Dienende, nicht als Herren des Glaubens, sondern Diener der Freude. Ich fürchte auch, dass die Kurie in Rom diese Entwicklung eher mit Argwohn begleitet. Möge der Heilige Geist sich im Trend von Wien durchsetzen.

7

Dipl. Ing. Diakon Josef Ruffer

21.10.10

Wenn demnächst eine Pastoraltagung zum Ehrenamt veranstaltet wird und jetzt ein Programm Kirchenlatein startet, denke ich gleich an Jägerlatein , das ja auch nicht ernst zu nehmen ist.
Ich bin freiwillig (wie die Feuerwehrleute) und unentgeltlich als Diakon tätig. Daher lehne ich die Aussage, ich wäre ehrenamtlich tätig , ab. Diese Aussage ist sowieso ein Widerspruch in sich. Denn ein Ehrenamt, das diese Bezeichnung verdient, ist zum Unterschied zu einem anderen Amt eine Bezeichnung, die nicht mit der Auflage, eine konkrete Arbeit auszuführen, verbunden ist. Schon die Erzämter beim Römisch-Deutschen Kaiser waren Ehrenämter, da der gewöhnliche Dienst durch Hofbeamte versehen wurde. Auch jetzt gibt es gerade bei uns in der r. k. Kirche Ehrenämter, nämlich die neben den wirklich mit Aufgaben betrauten Prälaten die Ehrenprälaten (Monsignori) z. B. Hausprälaten seiner Heiligkeit, Ehrenkämmerer, Ehrenkapläne, usw. Wenn einer sagt, mein Diakonat wäre ein Ehrenamt, werde ich böse, denn der Diakonat ist immer mit einem konkreten Tätigkeitsauftrag verbunden, dem wir freudig und gerne nachkommen, und eben kein Titel ohne Aufgabenbereich.
Wenn in der Kirche vom Ehrenamt gesprochen wird, hat das natürlich mit Kirchen-"Latein" nichts zu tun, sondern eher mit etwas Falschem, so wie eben Jägerlatein.
Vielleicht läßt sich bei uns eine exaktere Bezeichnungsweise einführen.

8

Regina Nonnis

09.03.10

Die Schlagzeilen der letzten Tage machen mich zutiefst traurig und betroffen. Als Religionslehrerin bin ich für Viele Ansprechpartnerin und muss mich für etwas verteidigen, an dem ich schuldlos bin.
Ja, es gibt sexuellen Missbrauch auch in vielen anderen Bereichen - aber der Unterschied ist, dass diese Menschen auch nicht über Moral und Verhalten predigen und so tun, als wüssten sie, wie man leben soll!!!
Außerdem gibt es in anderen Berufen Berufsverbot, wenn man sich etwas zu Schulden kommen lässt, warum nicht auch in diesem Fall bei Priestern?
Das Thema Sexualität ist ein so heikles und sensibles Thema. Einerseits hat die Kirche hier hohe Moralvorstellungen (vorehelicher Verkeht, Verhütung, Umgang mit Wiederverheirateten Geschiedenen) und andererseits gibt es gerade in diesem Bereich so viel Tränen und Leid verursacht durch Missbrauch durch Priester an Frauen, Männer und Kinder! Was würde Jesus dazu sagen?
Regina Nonnis

9

Emil Sacklinger

08.03.10

Die letzten Tage bedeuteten für die Lirche in Österreich und Deutschland eine schwere Prüfung.

Trotzdem möchte ich zu bedenken geben, daß die Kirche aufgrund Ihrer Größe und Strukturen sehr leicht angreifbar ist und sich durchaus einsichtig verhalten hat.

Die Taten Einzelner werden der Institution angelastet und diese wird dafür zur Verantwortung gezogen.

Dieser Tage ist in einer Schule des Bundesheeres in Wr. Neustadt ei Fall länger andauernder Mißhandlung und sexueller Erniedrigung bekannt geworden. Aber die Schulleitung bzw. das Bundesheerr wurden dafür nicht verantwortlich gemacht.

Es finden nach wie vor rd. 90 %& der sexuellen Übergriffe an Minderjährigen im familiären Umfeld statt. Trotzdem wird die Instritution der Familie doch wohl von niemandem in Frage gestellt und niemand muß die Familien verantworten und sich entschuldigen.

Ein bekannter Schwimmlehrer, der auch prominente Schwimmer ausgebildet hat, wurde sexueller Übergriffe enntarnt. Er wird zur Verantwortung gezogen, aber niemand hat seitens der Medien den Sportminister angegriffen oder den Schwimmsport als Ursache derartiger Vergehen beschuldigt.

Die nun bekannt gewordenen Fälle müssen schonungslos untersucht werden, aber die Institution Kirche ist nicht mit den Tätern gleichzusetzen.

Die Kirche hat in der heutigen Zeit jene Macht und Größe, die sie noch vor Jahrzehnten hat, weitgehend verloren. Umso leichter fällt es, sie zu kritisieren. Und man legt dabei Maßstäbe an, die man anderswo keineswegs gelten läßt.

10

Dr. Herbert Ipser

30.01.08

Betrifft: Editorial von Herrn Kardinal Dr. Schönborn unter dem Titel Beten für das Geschenk der Einheit

Sehr geehrter Herr Kardinal!

Ich beziehe mich auf Ihr Editorial in der letzten Online Ausgabe von „Thema Kirche“ mit dem Titel „Beten für das Geschenk der Einheit“. Sie schreiben unter anderem: „Der ökumenische Dialog muss auf drei Ebenen stattfinden: auf der Ebene der Theologen, auf der Ebene der Kirchenleitungen, vor allem aber auf der Ebene der Gemeinden.“ Sie erläutern weiters, dass auf der Ebene der Theologen vieles geklärt worden ist, und dass auch auf der Ebene der Kirchenleitungen einiges davon angenommen worden ist. „Aber all das muss auch in den Alltag der Gemeinden übersetzt werden, in eine neue Geschwisterlichkeit der Christen, die durch die gemeinsame Taufe bereits zutiefst verbunden sind.“

Als unmittelbar Betroffener, d.h. in einer konfessionsverschiedenen (oder konfessionsverbindenden) Ehe Lebender, erlebe ich die Situation allerdings etwas anders. Es sind die gerade Gemeinden, in denen Ökumene zum Teil sehr erfolgreich gelebt wird. Es sind Gruppen an der Basis, d.h. Menschen, die im täglichen Alltag unmittelbar betroffen sind, die an der Ökumene arbeiten die zusammenkommen, miteinander reden, miteinander beten und miteinander Gottesdienst feiern. Und es ist auf der anderen Seite sehr oft die Kirchenleitung, speziell die Leitung meiner Kirche, der katholischen Kirche, die durch verletzende Aussagen den Geist der Ökumene schwer beeinträchtigt: wenn schon nicht „ökumenische Eiszeit“, wie Sie schreiben, dann orte ich zumindest häufig „ökumenische Stagnation“.

All das in einer Zeit, wo den Kirchen, auch und ganz besonders der katholischen Kirche, in Europa eine ganze Generation von Menschen verloren zu gehen scheint, wo der Nachwuchs in den Pfarrgemeinden fehlt. Wie sollen wir den Menschen die „feinen Unterschiede“ zwischen den verschiedenen Konfessionen erklären, wenn ihnen die Grundbegriffe des christlichen Glaubens abhanden zu kommen drohen? Wie sollen wir diese feinen Unterschiede den Andersgläubigen erklären?

Nochmals: Ich bin überzeugt, dass es keiner „Übersetzung in den Alltag der Gemeinden“ bedarf, sondern dass eher einige mutige Schritte der Leitung der katholischen Kirche von Nöten sind. Aber wir alle, die wir so unmittelbar betroffen sind, wir werden nicht aufhören, auch darum zu beten.

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Herbert Ipser

(Pfarre Wohnpark Alterlaa
1230 Wien)


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