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Wie oft hört Gott seine Mailbox ab?
© PrivatSr. Melanie Wolfers leitet in Wien das Projekt "IMpulsLEBEN" für junge Erwachsene Für diese gibt es in den Pfarren oft wenig Angebote. "thema kirche" besuchte die Ordenfrau.

"Gott für Quereinsteiger", "Filmosophie" und "Mit Gott in Bewegung": Mit Angeboten wie diesen laden Sr. Melanie Wolfers SDS und ihre Mitschwestern von den Salvatorianerinnen jeden Dienstag-Abend junge Leute zwischen 18 und 35 Jahren ins Zentrum "Alte Burse" in der Wiener Sonnenfelsgasse. "Es gibt viele spirituell suchende Menschen", sagt Melanie Wolfers im Gespräch mit "thema kirche". Die Wege zum Glauben führten aber immer seltener über Pfarre und Familie. "Unser Orden hat sich gefragt: Wo bekommen junge Erwachsene etwas für sich? Teilweise sind junge Leute in Pfarren oder der KJ sehr engagiert, doch wo gibt es Angebote für sie?"

Von Gott reden - "außerhalb einer kirchlichen Binnensprache"

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Sr. Melanie Wolfers bei einem Arbeitseinsatz. Als Ordensfrau möchte sie nicht in einer "religiösen Sonderwelt" leben.

"IMpulsLEBEN" startete im Oktober 2008. Hierher können die jungen Leute kommen, ohne etwas geben zu müssen: "Wir laden sie zu einem Abendgebt ein, das an Taizé orientiert ist mit Liedern und Gebet, einem Bibeltext, einem Impuls und Stille." Im Anschluss gibt es einen Bar-Abend, der Begegnung und Austausch ermöglicht, oder ein inhaltliches Programm. Hier wird über Kernthemen des Glaubens "außerhalb einer kirchlichen Binnensprache" gesprochen: "Unsere kirchliche Sprache verwendet Worte und Bilder aus einer anderen Zeit, die heute nicht mehr verstanden werden. Wie aber können wir heute von unserem Glauben reden, die Spur Gottes in unserem Leben sichtbar machen? Das ist eine große Herausforderung", unterstreicht die Ordensfrau. Bei IMpulsLEBEN gibt es keine unerlaubten Fragen und kein Verbot, "heilige Pakete" aufzuschnüren. Themen des Glaubens können von allen Seiten angegangen werden: "Bringt Gott seinen Sohn um? Und was sagt der dazu?" ist eine Abend der Reihe "Gott für Quereinsteiger" überschrieben, ein anderer fragt: "Wie oft hört Gott seine Mailbox ab? Und wie antwortet er?"

Als Kind "einzige Katholikin"

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Melanie Wolfers: "Ich habe meinen Glauben als Geschenk erlebt und mich gefragt: Wie kann ich davon reden?"

Sr. Melanie Wolfers ist Seelsorgerin und promovierte Theologin. Sie stammt aus Flensburg in Deutschland, nahe der dänischen Grenze. "In der Schule war ich in meinem Jahrgang die einzige Katholikin. Die Mehrheit bildeten nicht die Protestanten, sondern Menschen ohne Bekenntnis", erzählt sie. Ein Milieu-gestütztes Christsein, das von der Tradition und der Gesellschaft mitgetragen wird, wie es das hier in Österreich teilweise noch gibt, habe sie als Kind und Jugendliche nicht erlebt. Melanie Wolfers war früh vor die Frage gestellt: "Was meint Glaube eigentlich? Ich habe meinen Glauben als Geschenk erlebt und mich gefragt: Wie kann ich davon reden?"
Sie studierte Theologie und Philosophie in Freiburg und München und war u. a. Referentin am Priesterseminar Freiburg sowie in der Studierendenseelsorge in München tätig. Mehrere Jahre war sie auf der Suche nach einer Ordensgemeinschaft und stieß dann "durch Zufall" auf die Salvatorianerinnen aus Österreich.

"Glaube, der nach Freiheit schmeckt"

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"Ich wusste: Ich kann es nur im konkreten Leben erfahren, ob Salvatorianerin zu sein mein Weg ist.", sagt Wolfers.

2004 trat sie mit 33 Jahren in den Orden ein im Bewusstsein, "dass das auch einen Verzicht bedeutet - auf eine tolle Arbeit, eine schöne Wohnung, einen wunderbaren Freundeskreis. Aber ich wusste: Ich kann es nur im konkreten Leben erfahren, ob Salvatorianerin zu sein mein Weg ist." 2006 legte sie ihre erste Profess ab und ist jetzt neben IMpulsLEBEN auch in der Bildungsarbeit tätig. Vor kurzem hat sie gemeinsam mit Andreas Knapp das Buch "Glaube, der nach Freiheit schmeckt. Eine Einladung an Zweifler und Skeptiker" (Pattloch, 17,50 Euro) veröffentlicht. Das Buch verbindet den Glauben an Gott mit einem modernen Weltbild und verdeutlicht die Entfaltung der Freiheit als Mitte des christlichen Glaubens.

Dem Glauben ist nichts Menschliches fremd

Als Salvatorianerin steht für Melanie Wolfers die Menschwerdung Gottes im Mittelpunkt: "Gott ist der, der die Initiative ergreift. Er hat unsagbares Interesse am Menschen. Das ist das Fundament meines Glaubens". Dem Glauben sei nichts Menschliches fremd, alles habe Platz. Melanie Wolfers: "Wichtig ist, dass wir keine religiöse Sonderwelt installieren, und zugleich im Bewusstsein leben, dass die Erde nicht unsere Heimat ist. Von Irenäus von Lyon stammt der von mir leicht umformulierte Satz: Die Freude Gottes ist der lebendige Mensch. Und die tiefste Freude des Menschen ist das Leben in Freundschaft mit Gott." Man könnte Melanie Wolfers stundenlang zuhören. Aber nicht nur ihr Reden vom Glauben, auch die Freude und innere Gewissheit der Liebe Gottes, die sie ausstrahlt, machen sie zu einer Zeugin, die neugierig auf diesen Gott macht.

(ag)

08.04.2010


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