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Im September 2007 wurde Sigrid Müller als Vorständin des Instituts für Moraltheologie an der Uni Wien bestellt. In der 250-jährigen Geschichte des Instituts ist sie die erste Frau in dieser Position. "Ich bin glücklich mit meiner Tätigkeit, weil ich so viel Verschiedenes machen kann", sagt die gebürtige Salacherin (Deutschland), die seit sieben Jahren in Wien lebt. Von Wissenschaftsmanagement über Projektmanagement bis zur Lehre ist in ihrem vielfältigen Arbeitsbereich alles vorhanden. "Was die Lehre betrifft: Ich habe unheimlich gern mit Menschen zu tun. Und sie wird besser", lacht die sympathische Theologin.
Überraschende BerufungDass sie mit dem Lehrstuhl für Moraltheologie betraut worden ist, kam für Sigrid Müller überraschend: "Da sind manchmal Kräfte am Werk, wo man selber nur einen kleinen Teil beiträgt", meint die Universitätsprofessorin. Gerade für die Familie sei es aber gut, an einem Ort zu bleiben.
Zuvor war Sigrid Müller in der Nationalbibliothek in der historischen Forschung tätig; für diesen Aspekt bleibt nun nur wenig Zeit. Dennoch möchte sie die historische Forschung nicht aus den Augen verlieren. Eine Möglichkeit dafür ist, über die Betreuung von Diplomarbeiten und Dissertationen dabei zu bleiben.
Lehre muss aktuellen Bezug haben
Das Institut für Moraltheologie befindet sich in der Schenkenstraße 8-10 im ersten Wiener Gemeindebezirk.
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Für die Nachfolgerin des Moraltheologen und Medizinethikers Günter Virt ist es besonders wichtig, das aktuelle Geschehen in die Lehre miteinzubeziehen. "Was ist aktuell los? Diese Frage darf nicht außer Acht gelassen werden. Die Lehre soll zu aktuellen Themen Bezug nehmen", ist die neue Institutsvorständin überzeugt. "Denn Glaube ist etwas für die Gesellschaft Wichtiges. Religion ist nicht nur für das private Kämmerlein, sondern muss öffentlich reflektiert werden", unterstreicht die 43-Jährige Moraltheologin. Daher sei es wichtig, den Dialog mit der Wissenschaft zu suchen und im öffentlichen Raum vernünftig präsent zu sein.
In der Lehre liegt einer von Professor Müllers Schwerpunkten in der Fundamentalmoral, die sich mit der Frage nach dem sittlich Guten beschäftigt. Dabei ist es in ihren Augen wichtig, auch die subjektiven Kriterien wie beispielsweise die Gewissensfrage "Wie handle ich richtig?" ins Auge zu fassen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Ethik. Das gesamte Leben in den Blick zu nehmen und nicht "nur" den Anfang und das Ende, sei gerade in einer Umbruchsituation, wie sie heutzutage herrsche, eine Herausforderung, erläutert Müller.
Frau und Professorin für Moraltheologie - kein Widerspruch! Sigrid Müller bildet angehende Priester aus.
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"Moraltheologie gehört zu den Fächern, die auf pastorale Tätigkeiten in der Pfarre abzielen", so Müller. Doch da nicht mehr so viele Priester für eine wissenschaftliche Laufbahn freigestellt werden könnten, sei es notwendig, nach adäquaten Lösungen zu suchen. "Für inhaltliche Teile der Ausbildung im Bereich der Moraltheologie, die speziell auf priesterliche Tätigkeiten abzielen, ist es wichtig, beide Perspektiven - sowohl die wissenschaftliche als auch die praktische - abzudecken", erläutert sie im Gespräch mit "thema kirche". Dabei übernimmt die Moraltheologin den wissenschaftlichen Bereich, den Bereich der pastoralen Aufgaben deckt ein Priester ab.
Vereinbarkeit der RollenSigrid Müller ist Mutter von zwei Buben. "Die Vereinbarung von Familie und Beruf kann teilweise schon grenzwertig sein", sagt sie mit entwaffnender Offenheit. Vor dem Wechsel an die Universität Wien war die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für die berufstätige Mutter durch einen Teilzeitjob leichter. "Es stellt sich immer wieder die große Frage, wie es geht. Und private Hobbys gibt es derzeit halt nicht." Die Zeit mit der Familie genießt sich aber sehr. "Es ist schön, heim zu kommen und ein 'normales' Leben zu haben", meint sie schmunzelnd.
Energie für die Doppelbelastung gibt Sigrid Müller auch das Gebet. Außerdem ist die Beheimatung in der Pfarre für die Universitätsprofessorin sehr wichtig. Anknüpfungspunkte wie die Erstkommunionvorbereitung, die Gestaltung von Themenabenden in ihrer Funktion als Familienberaterin oder das Treffen von befreundeten Familien gibt es genug.
(ef)
05.02.2008
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