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Musik binde Verstand und Emotion gleichermaßen ein, sagt Konstantin
Reymaier. Der ganze Mensch werde unmittelbar angesprochen. Schon die
Kirchenväter hätten in der Musik den Garant für die Einheit gesehen: Man
kann gemeinsam singen und trotzdem unterschiedlicher Meinung
sein.
Virtuose an der Orgel
"Es gab in meinem Leben immer wieder Weggabelungen, wo ich vor der Entscheidung stand", sagt Konstantin Reymaier.
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Musik und Kirche begleiten Konstantin Reymaier, 1967 in der Steiermark
geboren und in Wien aufgewachsen, seit seiner Kindheit. Mit 14 machte er die
Aufnahmeprüfung an die Musikuniversität und absolvierte ein Musikstudium. Es
folgte ein Konzertdiplom im Fach Orgel, das er mit Auszeichnung bestand.
1991 ist Konstantin Reymaier Preisträger beim internationalen
Kompositionswettbewerb von Schwäbisch Hall (Deutschland). Konzertreisen
führen den jungen Organisten weit über Europa hinaus bis in die USA und in
den Nahen Osten.
Eintritt ins Priesterseminar"Du wirst dich zwischen Musik und Priestertum entschieden müssen," hatte
ihm sein Freund und Wegbegleiter, der Abt der Benediktinerabtei in
Jerusalem, einmal gesagt. "Es gab in meinem Leben immer wieder
Weggabelungen, wo ich vor der Entscheidung stand, ob ich weiter als Musiker
Karriere mache oder ob ich den Weg zum Priestertum einschlage", erinnert
sich Konstantin Reymaier im Gespräch mit "thema kirche". Lange habe er der
Musik den Vorzug gegeben.
Nach einem Forschungsaufenthalt in Cambridge wurde Reymaier Musikdirektor
am Mansfield College der Universität Oxford. Ab 2001 lehrte er als
Gastprofessor für Orgel und Improvisation an der Universität für Musik und
darstellende Kunst in Graz. "Ich hatte gehofft, in Graz endlich die Musik
und den Weg zum Priestertum verbinden zu können, habe aber bemerkt, dass ich
mich entscheiden muss." 2005 trat er in das Wiener Priesterseminar ein. 2009
wurde er zum Priester geweiht.
Das Geistliche fokussieren Als Leiter des Kirchenmusik- referates möchte Reymaier "beratend und hilfreich allen zur Seite stehen und auch seelsorglich für Kirchenmusiker da sein."
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"Es ist gut, dass ich Karriere gemacht habe. Das hat meinen Blick
geschärft für das, wofür ich im Letzten mein Leben einsetzen will", sagt
Reymaier. Er sei froh und dankbar für das, was er in der Musik machen habe
können. Aber: "Karriere zu machen birgt aus geistlicher Sicht eine ganz
große Gefahr in sich, nämlich dass ich die Kraft in die eigene Person
investiere und nicht in die Sache Jesu Christi." Er habe vieles aufgegeben,
um Priester zu werden: "Ich hoffe, dass mir das hilft, das Geistliche zu
fokussieren, und dass dieser Preis eine Art Schutzgebühr ist."
Mit Kolar in der Straßenbahn
Sein erstes Jahr als Priester hat Konstantin Reymaier sehr dicht erlebt: Er
ist als Kaplan in der Pfarre Hernals, als Seelsorger an der Musikuniversität
und als Mitarbeiter des Liturgiereferates der Erzdiözese Wien im Einsatz.
Emotional anstrengend seien die Monate Februar und März 2010 gewesen, als
das Thema "Missbrauch" am Höhepunkt war. "Da habe ich die Aggression
gespürt, wenn ich z. B. in die Straßenbahn eingestiegen bin. Aber das hat
mir in keiner Weise die Freude am Priestersein genommen."
Musik - ein Bild für das Wesen der KircheAb 1. September übernimmt Konstantin Reymaier die Leitung des
Kirchenmusikreferates und ist weiterhin Hochschulseelsorger an der Wiener
Musikuniversität.
"Die Musik ist ein Bild für das Wesen der Kirche", sagt er: "Der gemeinsame
Gesang der Gläubigen bildet eine Symphonie, einen Zusammenklang vieler
unterschiedlicher Stimmen. Diese mischen sich in einen Gesang. Die Einheit
ist immer ein Wirken des Geistes. Deswegen ist Musik aus theologischer Sicht
so wichtig."
Als Leiter des Kirchenmusikreferates möchte Reymaier "beratend und
hilfreich allen zur Seite stehen und auch seelsorglich für Kirchenmusiker da
sein. Musik sei kein Beiwerk im Gottesdienst, sondern integrativer
Bestandteil. "Musik kann ausdrücken, was die beste Predigt nicht vermitteln
kann", unterstreicht er.
(ag)
09.06.2010
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