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Telefonseelsorger im Dienst am Hl. Abend
© kathbild.at/Rupprecht

Anrufer/innen in unterschiedlichsten Lebenslangen suchen am 24. Dezember das Gespräch und ein offenens Ohr bei der Telefonseelsorge. Diese wird von evangelischer und katholischer Kirche getragen.

Der Heilige Abend ist eine besondere Zeit für die meisten Menschen. Einsamkeit und Verlust werden für Betroffene stärker spürbar. Im Vergleich zu anderen Nächten ist der Heilige Abend neben Silvester der intensivste Dienst des ganzen Jahres in der Telefonseelsorge. Schwierige Lebenssituationen und Krisen werden in dieser Zeit noch einmal anders und schwerwiegender erlebt.
Die Mitarbeiter/innen der Telefonseelsorge tun am Heiligen Abend einen ganz besonderen Dienst. "thema kirche" befragte drei Telefonseelsorger/innen, die anomym bleiben wollen.

Freude am sozialen Engagement

© Telefonseelsorge
Die Telefonseelsorge ist Tag und Nacht unter der Notrufnummer 142 erreichbar.

In der Telefonsseelsorge der Erzdiözese Wien arbeiten 150 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Mitarbeiter/innen kommen aus verschiedensten Berufsgruppen. Freude am sozialen Engagement, die Möglichkeit sich neben Beruf und Familie sinnvoll zu beschäftigen sowie die persönliche Herausforderung sind ihre Hauptmotivation. Nach einer speziellen Ausbildung machen sie ca. 12–15 Stunden pro Monat Dienst und nehmen begleitend dazu an einer Gruppensupervision teil.

Ein evangelischer Pfarrer hat in den letzten zehn Jahren sechs Mal Nachtdienst am 24. Dezember gemacht. Er hatte vermehrt Kontakt mit alten Menschen, die ihre Einsamkeit am Heiligen Abend besonders schwer ertragen können und in ein tiefes Loch fallen - ebenso mit Frauen, die viel auf sich genommen haben, um ein harmonisches Weihnachtsfest in der Familie zu gestalten, bei dem es dann aber zu einer Eskalation kam. "In der Adventzeit werden die Erwartungen der Menschen durch die Werbung und andere Mechanismen so hoch geschraubt, so dass es zu Enttäuschungen kommen muss", meint der Pfarrer.

Einsamkeitsgefühle und Fragen

© kathbild.at/Rupprecht
Voraussetzung für die Seelsorge am Telefon ist eine spezielle Ausbildung und "sehr viel Einfühlungsvermögen", sagt Marlies Matejka.

Eine andere Mitarbeiterin ortet eine "eigene Stimmung": Für sie ist es ein spezieller Dienst in der Heiligen Nacht. "Es rufen hauptsächlich Personen wegen Einsamkeitsgefühlen an, aber auch Menschen, die sich für eine frühere Hilfe durch die Telefonseelsorge bedanken wollen", erzählt sie. Aus den Gesprächen bekomme sie "an diesem Abend viel zurück."

Eine Ordensfrau ist seit 2006 am 24.Dezember am Telefon seelsorglich im Einsatz. Sie erlebt es als "besonderen Dienst" und versucht, sich gut auf die Anrufer einzustellen. "Eine Reihe von Anrufern möchte eine Information betreffend Weihnachten: Wird eine Mette im Fernsehen übertragen? Was wird eigentlich gefeiert?" Wenn sie frage, wie die Menschen den Hl. Abend verbringen, kommen die "eigentlichen Themen" zur Sprache. So stellte sich im Gespräch mit einer alte Dame heraus, dass sie drei Kinder hat und von diesen nicht eingeladen oder angerufen wurde. Auch lang zurück liegende Ereignisse kommen hoch, wie Erinnerungen an Weihnachten 1943 in Russland oder an die Diagnose einer schweren Krankheit vor einigen Jahren.

"Stille Nacht" am Telefon gesungen

Für andere Menschen ist das erste Weihnachten nach einem Todesfall oder nach einer Trennung sehr belastend. Besonders erinnere sie sich an eine Anruferin, die durch Krankheit das Haus nicht mehr verlassen konnte und dann gemeinsam mit ihr "Stille Nacht" am Telefon gesungen habe, sagt die Ordensschwester. Dann kann sie erleben, dass "Freude immer abrufbar ist und das Gefühl, das Leben könne auch gut sein." Die letzuten Jahre komme versteckt auch immer wieder das Thema "Armut" zur Sprache, wie die Äußerung: "Heuer kann ich mir keinen Weihnachtsbaum oder ein besonderes Essen mehr leisten".

"Sehnsucht nach Heil und dem Ganz-Sein"

© privat
Marlies Matejka, die Leiterin der Telefonseelsorge: "Ein Gespräch hat immer etwas Lösendes".

Marlies Matejka, die Leiterin der Telefonseelsorge, ist überzeugt, dass das Zuhören und das Gespräch immer "etwas Lösendes hat" und helfen kann, die Dinge von einer anderen Seite zu sehen. "Bei manchen Menschen zerbrechen Beziehungen oder es geht der Arbeitsplatz verloren. Wenn so jemand langsam zu der Einsicht kommt, dass nicht alles zu Ende ist, sondern auch eine Chance zum Neuanfang in sich birgt, ist ein großer Schritt getan. Dazu bedarf es aber sehr viel Einfühlungsvermögen", betont sie. In letzter Zeit komme auch das Thema "Mobbing am Arbeitsplatz" zur Sprache.

Auch Angst ist vor und nach Weihnachten besonders in den Gesprächen spürbar, körperliche Erkrankungen bei sich oder dem Partner, Beziehungsprobleme oder allgemeine Lebensmüdigkeit: "Ich kann und will nicht mehr" sind herausfordernde Gesprächsthemen für die Mitarbeiter/innen der Telefonseelsorge. Besonders ortet Matejka in der Zeit um Weinachten "Sehnsucht nach Heil und dem Ganz-Sein" bei den Anrufern. Ein Satz, der die Mitarbeiter/innen der Telefonseelsorge immer wieder in ihrem Dienst bestätigt lautet schlicht: "Danke, dass Sie mir zugehört haben."

Kardinal Schönborn steht am 21. Dezember von 18.30 bis 20.30 Uhr in der Telefonseelsorge unter der kostenlosen Kurznummer 142 (ohne Vorwahl) für ein seelsorgliches Gespräch zur Verfügung.

Weitere Infos unter www.telefonseelsorge.at/wien

(cm)

19.12.2011


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