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Alle Bischöfe, Priester, Haupt- und Ehrenamtlichen aus Österreich - aus
Stadt und Land - diskutierten, beteten, aßen und tranken gemeinsam beim
PGR-Kongress in Mariazell. Wie schon bei den Diözesanversammlungen in Wien
kamen die zwei inhaltlichen Richtungen, die unsere Kirche derzeit
beschäftigen, zur Sprache: Wie kann Kirche missionarisch sein? Und: Welche
Strukturänderungen sind notwendig?
Apostelgeschichte auf Österreichisch
Auf dem Weg zur Versammlung unter dem Schirm der Magna Mater Austriae.
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Die Kirche will wieder missionarisch sein, im guten Wortsinn. Die Kirche
möchte den Menschen vor Ort eine Hilfe sein. In den Pfarrgemeinden kann das
konkret, kann Gott sichtbar werden. Der Grazer Pastoraltheologe Rainer
Bucher sprach von "Transformationsstress". Die Kirche würde auf dem Markt
eine von vielen Sinn-Anbieterinnen. Die Gemeinden könnten
Zukunftswerkstätten werden. Ähnlich sah es die Pastoraltheologin Monika
Udeani: Gemeinden wären Weggemeinschaften, Gruppen von Glaubenden, die
Auskunft über die Liebe Gottes geben könnten.
Neben diesen "Kirchen-Visionen" stand die Kritik an herrschenden
Zuständen. In vielen Wortmeldungen wurden altbekannte Themen offen
angesprochen: Der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen, Fragen der
Sexualität und Beziehungsgestaltung, die Sorge um die Gemeinden, die Frage
nach geänderten Zugangsbedingungen für Priester und neuen Leitungsmodellen
für Gemeinden, nach Leitungs-Verantwortung für Laien. Kritische Aktionen und
Wortmeldungen der Jugend wurden lautstark akklamiert. Geäußert wurde der
Wunsch, Machtstrukturen aufzubrechen und einen falschen Neo-Klerikalismus
zurückzudrängen.
Zwanglose Plauderei … "Mariazell ist ein weiterer 'Kilometerstein' am gemeinsamen Weg", sagt Heinz Weinrad.
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Nichts Neues, könnte man jetzt meinen. Die einen fordern, die anderen hören
zu. Alle sind ein bisschen ratlos wie Petrus damals in Joppe. Nicht zu
übersehen war für mich ein spannender Umgang miteinander. Am Beginn steht
das Gespräch: Kennenlernen, Eröffnungsstatements, Gottesdienst, Abendessen,
dann wieder die Möglichkeit zum Ins-Gespräch-kommen. Kirche als
Erzählgemeinschaft. Man erfährt, wie es anderswo in Österreich zugeht, dass
Kirche vielfältiger ist als die eigenen Alltagssorgen.
Die Präsentationen der Diözesen zu aktuellen Themenfeldern, das erste
Offene Mikro werden zum eindringlichen Forderungskatalog an die
Kirchenleitung. "Es ist der Herr, der seine Kirche baut. Man muss ihn nur
lassen", formuliert ein Vorarlberger PGR.
Trotz aller Emotionalität und Schärfe in der Diskussion wird die
Versammlung mehr und mehr zum Gespräch. Bischöfe (manche!!) mischen sich
unter die Gesprächsgruppen. In der zweiten Offenen-Mikro-Runde ist weniger
Frust zu bemerken, Solidarität untereinander wird spürbar. Diözesane
Arbeitsgruppen versuchen, konkrete weitere Schritte zu formulieren.
Dazwischen wird nie auf das gemeinsame Gebet vergessen.
… oder Verpflichtung zum Dialog
Michael Richter aus Weinhaus brachte die Wallfahrerkerze der Wiener nach Mariazell.
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Der Dialog "auf Augenhöhe" rund um die beiden Gesprächslinien muss
weitergehen:
Was brauchen Gemeinden, wenn sie "Missionsstationen im 21. Jahrhundert"
(© Helmut Schüller) sein wollen? Welche Aufgaben müssen sie erfüllen können,
um nahe bei den Menschen zu sein, welche Struktur dürfen und sollen sie
haben? Welche Ressourcen müssen zur Verfügung stehen? Was sind Aufgaben, die
jede und jeder Einzelne übernehmen soll?
Alte Denkstrukturen, die der "guten alten Zeit" wehleidig nachweinen,
müssen weg. Die Spannung zwischen der unendlichen Liebe Gottes und den
endlichen Grenzen des Kirchenrechtes in vielen pastoralen Fragen muss immer
wieder Thema sein. Wie kann der Dialog mit der Gesellschaft darüber
funktionieren?
So gesehen war der Kongress ein weiterer "Kilometerstein" am gemeinsamen
Weg, vielleicht ein Wendepunkt im Umgang miteinander. Mein Lieblingszitat in
diesen drei Tagen: "Fürchtet Euch nicht!"
(Heinz Weinrad)
09.06.2010
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