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Ein Kongress und das Hören auf den Geist
© Georg Radlmair550 Delegierte kamen vom 13. bis 15. Mai zur Wallfahrt und zum PGR-Kongress nach Mariazell. Für Spannung war gesorgt. Ein Stimmungsbericht vom Vorsitzenden des PGR-Ausschusses im Vikariat Wien-Stadt, Heinz Weinrad.

Alle Bischöfe, Priester, Haupt- und Ehrenamtlichen aus Österreich - aus Stadt und Land - diskutierten, beteten, aßen und tranken gemeinsam beim PGR-Kongress in Mariazell. Wie schon bei den Diözesanversammlungen in Wien kamen die zwei inhaltlichen Richtungen, die unsere Kirche derzeit beschäftigen, zur Sprache: Wie kann Kirche missionarisch sein? Und: Welche Strukturänderungen sind notwendig?

Apostelgeschichte auf Österreichisch

© Georg Radlmair
Auf dem Weg zur Versammlung unter dem Schirm der Magna Mater Austriae.

Die Kirche will wieder missionarisch sein, im guten Wortsinn. Die Kirche möchte den Menschen vor Ort eine Hilfe sein. In den Pfarrgemeinden kann das konkret, kann Gott sichtbar werden. Der Grazer Pastoraltheologe Rainer Bucher sprach von "Transformationsstress". Die Kirche würde auf dem Markt eine von vielen Sinn-Anbieterinnen. Die Gemeinden könnten Zukunftswerkstätten werden. Ähnlich sah es die Pastoraltheologin Monika Udeani: Gemeinden wären Weggemeinschaften, Gruppen von Glaubenden, die Auskunft über die Liebe Gottes geben könnten.

Neben diesen "Kirchen-Visionen" stand die Kritik an herrschenden Zuständen. In vielen Wortmeldungen wurden altbekannte Themen offen angesprochen: Der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen, Fragen der Sexualität und Beziehungsgestaltung, die Sorge um die Gemeinden, die Frage nach geänderten Zugangsbedingungen für Priester und neuen Leitungsmodellen für Gemeinden, nach Leitungs-Verantwortung für Laien. Kritische Aktionen und Wortmeldungen der Jugend wurden lautstark akklamiert. Geäußert wurde der Wunsch, Machtstrukturen aufzubrechen und einen falschen Neo-Klerikalismus zurückzudrängen.

Zwanglose Plauderei …

© Georg Radlmair
"Mariazell ist ein weiterer 'Kilometerstein' am gemeinsamen Weg", sagt Heinz Weinrad.

Nichts Neues, könnte man jetzt meinen. Die einen fordern, die anderen hören zu. Alle sind ein bisschen ratlos wie Petrus damals in Joppe. Nicht zu übersehen war für mich ein spannender Umgang miteinander. Am Beginn steht das Gespräch: Kennenlernen, Eröffnungsstatements, Gottesdienst, Abendessen, dann wieder die Möglichkeit zum Ins-Gespräch-kommen. Kirche als Erzählgemeinschaft. Man erfährt, wie es anderswo in Österreich zugeht, dass Kirche vielfältiger ist als die eigenen Alltagssorgen.

Die Präsentationen der Diözesen zu aktuellen Themenfeldern, das erste Offene Mikro werden zum eindringlichen Forderungskatalog an die Kirchenleitung. "Es ist der Herr, der seine Kirche baut. Man muss ihn nur lassen", formuliert ein Vorarlberger PGR.

Trotz aller Emotionalität und Schärfe in der Diskussion wird die Versammlung mehr und mehr zum Gespräch. Bischöfe (manche!!) mischen sich unter die Gesprächsgruppen. In der zweiten Offenen-Mikro-Runde ist weniger Frust zu bemerken, Solidarität untereinander wird spürbar. Diözesane Arbeitsgruppen versuchen, konkrete weitere Schritte zu formulieren. Dazwischen wird nie auf das gemeinsame Gebet vergessen.

… oder Verpflichtung zum Dialog

© Georg Radlmair
Michael Richter aus Weinhaus brachte die Wallfahrerkerze der Wiener nach Mariazell.

Der Dialog "auf Augenhöhe" rund um die beiden Gesprächslinien muss weitergehen:

Was brauchen Gemeinden, wenn sie "Missionsstationen im 21. Jahrhundert" (© Helmut Schüller) sein wollen? Welche Aufgaben müssen sie erfüllen können, um nahe bei den Menschen zu sein, welche Struktur dürfen und sollen sie haben? Welche Ressourcen müssen zur Verfügung stehen? Was sind Aufgaben, die jede und jeder Einzelne übernehmen soll?

Alte Denkstrukturen, die der "guten alten Zeit" wehleidig nachweinen, müssen weg. Die Spannung zwischen der unendlichen Liebe Gottes und den endlichen Grenzen des Kirchenrechtes in vielen pastoralen Fragen muss immer wieder Thema sein. Wie kann der Dialog mit der Gesellschaft darüber funktionieren?

So gesehen war der Kongress ein weiterer "Kilometerstein" am gemeinsamen Weg, vielleicht ein Wendepunkt im Umgang miteinander. Mein Lieblingszitat in diesen drei Tagen: "Fürchtet Euch nicht!"

(Heinz Weinrad)

09.06.2010


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