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In der Leopoldstadt, dem zweiten Bezirk in Wien, lag der Anteil der
jüdischen Bevölkerung vor 1938 bei rund 40 Prozent, heute sind es ca. drei
Prozent - das entspricht etwas weniger als 3.000 Personen. Die Pfarre St.
Johann Nepomuk liegt mitten in der Leopoldstadt an der Praterstraße, einer
ehemaligen jüdischen Künstlermeile, deren blühendes Leben durch den
Nationalsozialismus versiegte.

Die Beteiligung der Kirche am Gedenken ist wichtig, betont Spiegelfeld.
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Die Ereignisse vom 9. November 1938 waren besonders dramatisch. Im
gesamten damaligen Deutschen Reich brannten die Synagogen, auch in der St.
Johann Nepomuk nahegelegenen Tempelgasse. Es war der erste Höhepunkt der
Vernichtung eines vielfältigen jüdischen Lebens in Mitteleuropa. "Aus
heutiger Sicht ist es unfassbar, was damals passiert ist", sagt Konstantin
Spiegelfeld, Pfarrer von St. Johann Nepomuk an der Praterstraße, im Gespräch
mit "thema kirche". 70 Jahre danach wollen die Pfarren des zweiten Bezirks
ein Zeichen der Erinnerung und der Mahnung setzen. Pfarrer Spiegelfeld: "Es
ist wichtig, dass sich die katholische Kirche offiziell an
Gedenkveranstaltungen beteiligt." Schon im Mai hat die Pfarre St. Johann
Nepomuk vor ihrer Kirche zwei Steine der Erinnerung gesetzt. Die Tafeln
erinnern an zur Zeit des Nationalsozialismus vertriebene jüdische
Mitbürgerinnen und Mitbürger und wurden gemeinsam mit dem Verein "Steine der
Erinnerung" gestaltet.
Direkt ins Gespräch kommen Der Leopoldstädter Tempel brannte in der Reichskristallnacht 1938 nieder.
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Die Pfarre St. Johann Nepomuk pflegt mehrere Verbindungen zur jüdischen
Bevölkerung in der Leopoldstadt, etwa zum jüdischen Institut für
Erwachsenenbildung, zur jüdischen Reformgemeinde Or Chadasch und zur
jüdischen Gemeinde in der Tempelgasse mit dem psychosozialen Zentrum ESRA.
Zu zwei Rabbinern hat Pfarrer Konstantin Spiegelfeld persönliche Kontakte.
"Viele Pfarrmitglieder leben Tür an Tür mit Juden", weiß der Priester. Die
Versöhnung mit den Juden sei ein bedeutender Schlüssel für die weitere
Entwicklung der Kirche, sagt Spiegelfeld: "Ein besseres Verständnis der
Vergangenheit kann es nur geben, wenn ein Jude selbst zur Sprache kommt.
Direkte Kontakte, Gespräche und Freundschaften sind hier wichtig."
Am 19. November, 19.30 Uhr, hält die jüdische Historikerin Shoshana
Duizend-Jensen im Nepomuksaal der Pfarre St. Johann Nepomuk den Vortrag "Als
Tempel und Synagogen brannten". Duizend-Jensen thematisiert darin das
jüdische Leben in der Leopoldstadt bis 1942 und die Novemberpogrome vor 70
Jahren. Im Laufe des Abends wird es auch ein Gespräch mit der Zeitzeugin
Maria Verber geben. "Es ist schön, dass Frau Duizend-Jensen als Jüdin zu uns
in die Pfarre kommt. Sie wohnt in unserem Pfarrgebiet", sagt Pfarrer
Konstantin Spiegelfeld.
Gedenkstunde und "Mechaye Hametim"
Mit dem Schweigegang zum Mahnmal auf dem Judenplatz wird bei "Mechaye Hametim" gedacht.
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Am 9. November, 17 Uhr, gibt es eine Gedenkstunde, zu der die Pfarre Am
Tabor gemeinsam mit dem Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische
Zusammenarbeit, der evangelischen Pfarre Am Tabor und allen Pfarren aus den
Dekanaten 2 und 20, die teilnehmen möchten, einlädt. Dechant Ferenc Simon
von der Pfarre Am Tabor zu "thema kirche": "Wir treffen uns in der
Castellezgasse 35. Dort gab es früher eine jüdische Schule, die dann eine
Sammelstelle für KZ-Deportationen wurde. Von dort ziehen wir schweigend mit
Kerzen zum Gymnasium in der Sperlgasse, wo sich ebenfalls eine Sammelstelle
befand. Unsere Chöre werden einige Lieder singen, und wir werden Mahnwache
halten. Als Christen wollen wir der schrecklichen Tage von damals
gedenken."
Im Rahmen der Bedenkwoche "Mechaye Hametim. Der die Toten auferweckt" zum
Gedenken an die Novemberpogrome 1938 gibt es ebenfalls am Sonntag, 9.
November, 17 Uhr, in der Gemeinde St. Ruprecht in Wien 1 einen Ökumenischen
Gedenkgottesdienst mit Kardinal Christoph Schönborn, dem evangelischen
Bischof Michael Bünker und dem griechisch-orthodoxen Metropoliten Michael
Staikos. Anschließend erfolgt der Schweigegang zum Mahnmal auf dem
Judenplatz.
Weitere Informationen zu Gedenkveranstaltungen an die Novemberpogrome von
1938 in Pfarren und Institutionen unter:
www.christenundjuden.org
www.amtabor.at
www.jud-institut-wien.at
www.theologischekurse.at
(red)
21.10.2008
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