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17.07.2014

Wohnbaustadtrat Michael Ludwig für "Ort des Glaubens" in Seestadt Aspern

"Der soziale Mix macht das Besondere in Wien aus."

Anton Gatnar: Die statistischen Zahlen zeigen eine Zunahme der Bevölkerung in Wien. Was bedeutet das für Ihr Ressort?

 

Michael Ludwig: Wien hat einen sehr starken Wachstumsschub in den letzten Jahren zu verzeichnen. Wir sind mittlerweile die zweitgrößte Stadt im deutschsprachigen Raum. Vor wenigen Monaten haben wir Hamburg in dieser Rolle überholt und wachsen weiter. Im Jahr 2035 werden wir wieder rund zwei Millionen Einwohner haben. Ich sage wieder, weil Wien schon einmal so groß war, um die Jahrhundertwende vom 19. ins 20. Jahrhundert. Wir wollen diesen Wachstumsprozess anders begleiten, als in der Vergangenheit. Mit gezielter Stadterweiterung und Stadterneuerung und auch der Herstellung der entsprechenden Infrastruktur.

 

Anton Gatnar: Woher kommen die Menschen, welche sind die größten Zuwanderergruppen?

 

Michael Ludwig: In den letzten Jahren kam die stärkste Zuwanderergruppe aus Deutschland, nun überholt von Migranten aus Ungarn. Der Zuzug nach Wien kommt primär aus dem Raum der Europäischen Union. Das ist auch ein Zeichen dafür, dass die nationalen Grenzen innerhalb der EU eine geringere Bedeutung haben.

 

Anton Gatnar: Wohnen wird wieder teurer. Die Menschen zahlen relativ hohe Mieten. Gibt es überhaupt leistbare Wohnungen und wenn ja, wie bekommt man solche?

 

Michael Ludwig: Wien ist in der glücklichen Lage, dass wir verglichen mit anderen europäischen Großstädten ein sehr stabiles Niveau am Mietmarkt haben. Das hängt vor allem damit zusammen, dass 60 Prozent aller Wienerinnen und Wiener in einer geförderten Wohnung leben. Entweder in einer der 220.000 Gemeindewohnungen, oder in einer der 200.000 geförderten Miet- oder Genossenschaftswohnungen. Damit liegen wir im internationalen Spitzenfeld.

 

Anton Gatnar: Welchen Rat geben Sie einem jungen Ehepaar, das nach Wien zuzieht und eine Wohnung sucht und keine findet, weil der freie Markt zu teuer ist?

 

Michael Ludwig: Wir haben eine zentrale Stelle, das Wohnservice Wien, wo wir alle jene Wohnungen anbieten, die wir im geförderten Bereich als Stadt Wien gemeinsam mit Bauträgern errichtet haben. Das sind im Jahr rund 7.000 Wohneinheiten, die wir dieses und nächstes Jahr auf den Wohnungsmarkt bringen wollen. Ein Drittel dieser Wohnungen wird über das Wohnservice vergeben, die anderen zwei Drittel vom jeweiligen Bauträger. Man kann sich prinzipiell bei den Bauträgern anmelden und auch beim Wohnservice Wien.

 

Anton Gatnar: Was ist in der Seestadt Aspern in Planung?

 

Michael Ludwig: Wir wollen eine funktionale Durchmischung. Das heißt nicht nur Wohnbauten, sondern immer ergänzt Arbeitsplätze mit Freizeitflächen und Grünraum. Andererseits wollen wir versuchen quantitativ qualitative Stadterneuerung vorzunehmen. Die Seestadt Aspern ist das größte Stadterweiterungsgebiet in Wien, auch europaweit, vergleichbar mit der Hafencity in Hamburg. Das besondere ist, das sie nicht nur für wirtschaftlich gut gestellte Personen ist, sondern, dass es auch dort eine soziale Durchmischung gibt. Einerseits gibt es freifinanzierte Eigentumswohnungen, gleichzeitig aber auch sondergeförderte Genossenschaftswohnungen und Sozialwohnungen. Dieser soziale Mix macht auch das besondere in Wien aus. Dass man an der Adresse nicht erkennen kann, welchen sozialen Status ein Mensch hat, sondern das man in allen Stadtteilen unterschiedliche soziale Gruppen treffen kann. Die ersten Wohnungen in der Seestadt werden Ende des Jahres übergeben. Es gibt dort eine Kombination mit einem Park, einem See und einer U-Bahn, die bereits eröffnet ist.

 

Anton Gatnar: Was alle Menschen benötigen und im Besonderen die ältere Generation, ist ärztliche Versorgung. Wie sieht es damit aus?

 

Michael Ludwig: Da gibt es einen sehr guten Kontakt zur Wiener Ärztekammer und der Gebietskrankenkasse. In der Aufgabenverteilung mit den Spitälern sollen auch die Ärzte primäre Anlaufstelle sein. Derzeit wird in Wien ein großes Spitalskonzept umgesetzt, das der Entwicklung der Bevölkerung Rechnung trägt. In Floridsdorf entsteht derzeit eines der größten und modernsten Spitäler Europas mit insgesamt 800 Betten und der Möglichkeit, dass nicht nur der 21. Bezirk, sondern der gesamte nördliche Bereich der Stadt, spitalsmäßig gut versorgt wird. Man darf nicht vergessen, dass alleine die beiden Bezirke auf dieser Seite der Donau mehr Bewohner haben, als die zweitgrößte Stadt in Österreich, Graz.

 

Anton Gatnar: In der Seestadt Aspern soll ein ökumenisches Begegnungszentrum entstehen. Offensichtlich denkt man auch an die geistige Nahrung für die Menschen?

 

Michael Ludwig: Hier gibt es vielfältige Pläne. Es wird jetzt sondiert, in welcher Form diese Stätte erstellt werden kann. Es gibt einen sehr innovativen Zugang, unterschiedliche Religionsgemeinschaften mit einzubeziehen. Ich halte das für eine sehr gute Idee und ich bin mir sicher, dass aufgrund der Bevölkerungsentwicklung, es notwendig und richtig sein wird, auch dort einen Ort des Glaubens zu errichten.