Der III. Weltkongress der Barmherzigkeit, sei für ihn durch zwei ganz konkrete Erlebnisse am Beginn und am Ende seiner Reise, keine akademische Veranstaltung gewesen, sondern vielmehr das lebendige Zeugnis von Menschen, die tun was Jesus im Evangelium gesagt hat: "Seid barmherzig wie euer himmlischer Vater barmherzig ist". "Diese Menschen leben diese Worte, sie tun einfach", so Kardinal Schönborn in seinem Resümee zur Veranstaltung, die vom 15. bis zum 19. August in Bogotá Kolumbien statt gefunden hat. "Das ist so ein erster starker Eindruck von diesem Kongress. Die Barmherzigkeit zu leben ist etwas unglaublich Erfüllendes, wenn auch sehr herausfordernd", erklärt der Wiener Erzbischof.
Am Beginn der Reise standen zwar eher organisatorische Probleme und Schwierigkeiten. "Für mich persönlich war der Kongress natürlich eine große Herausforderung. Ich bin der Präsident des zuständigen Kardinalskomitee und damit stark mitverantwortlich für das Gelingen oder Misslingen eines solchen Veranstaltung", so Schönborn. Erfreulich sei, dass trotz aller Schwierigkeiten, der Kongress ein großer Erfolg geworden ist.
Zu Beginn des Kongresses sei die österreichische Delegation auf der Straße, von einer Ordensschwester angesprochen worden, ob sie nicht ihr Haus besuchen wollten, das für alte Leute sei. "Ich bin dann mit dieser Schwester mitgegangen und habe etwas erlebt, das ich wohl nie vergessen werde: Ein Altersheim, Pflege- und Seniorenheim, dass vom Standard her mit keinem österreichischen Haus zu vergleichen ist, so einfach, so primitiv ist es dort. Aber gleichzeitig eine Liebe, eine Freude bei diesen alten Menschen, die nicht wussten, dass ich da komme. Es waren ganz alte arme Menschen, dort in diesem – bei uns hätte man früher Siechenheim gesagt –die von den Ordensschwestern betreut wurden. Ich habe dort eine Innigkeit und eine Freude und Güte und Liebe erlebt, die einfach unvergesslich ist. Ich habe von diesen alten Leuten zum Teil Worte des Glaubens, der Freude gehört, die ich mir von so armen alten Menschen nicht erwartet hätte."
"Ich habe dann zu meinen Begleitern gesagt, eigentlich war das jetzt schon der Kongress für mich, das ist die gelebte Barmherzigkeit. Dort habe ich Glauben und Evangelium wirklich in Originalform erlebt", erklärt Kardinal Schönborn.
Ein weiteres Beispiel gelebter Barmherzigkeit erlebte der Wiener Erzbischof kurz vor dem Ende des Kongresses, bevor er sein Schlusswort halten sollte. "Ich war oft umlagert von Menschen, die um einen Segen gebeten haben. So kam auch eine Frau auf mich zu und hat begonnen mir über ihr Leben, ihre Arbeit, ihr Apostolat zu erzählen. Eine gut ausgebildete Medizinerin, selber sechs Kinder, die an die 100 Straßenkinder aufgenommen hat. Wie sie das macht, neben ihrem Beruf, ihrer Familie, ist mir unfassbar. Sie hat einfach gesagt, wenn man die Liebe im Herzen hat, dann kann man nicht anders, als für andere Menschen da sein. Und wenn man die Liebe nicht im Herzen hat, dann geht gar nichts."
Statt sein Schlusswort zu halten, ließ Schönborn, dann diese Frau Zeugnis vor allen Beteiligten des Kongresses geben. "Ich hatte ein so unglaubliches Zeugnis gehört, was gelebte Barmherzigkeit ist, dass ich selber nichts mehr sagen wollte, als, dass es das ist, was diese Weltkongresse ausmacht, dass Menschen, die solche Erfahrungen haben, anderen davon Zeugnis geben und sie anstecken können, damit das Feuer der Barmherzigkeit sich verbreitet."