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03.10.2014

50 Jahre Pro Oriente: Ökumene-Gipfeltreffen in Wien

Jubiläumsprogramm im November.

Die 1964 von Kardinal Franz König begründete Stiftung Pro Oriente feiert ihr 50-Jahr-Jubiläum. Die zentrale Aufgabe von Pro Oriente ist der Dialog zwischen katholischer Kirche und den orthodoxen bzw. den orientalisch-orthodoxen Kirchen. Zu den Jubiläumsfeierlichkeiten Anfang November haben sich u.a. der vatikanische Ökumene-Minister Kardinal Kurt Koch, der ökumenische Patriarch Bartholoamaios I. und der koptische Papst-Patriarch Tawadros II. angekündigt. Auch der chaldäische Patriarch Louis Raphael Sako I. hat seinen Wunsch nach einer Teilnahme bekundet, muss dies aber noch von der aktuellen Lage im Irak abhängig machen.

 

Feiern im November

Das Jubiläum nimmt mit einem wissenschaftlichen Kolloquium von 5. bis 7. November im Wiener Kardinal König-Haus seinen Anfang. Am Samstag, 8. November, lädt die Stiftung um 10 Uhr zu einem Festgottesdienst in die Wiener Schottenkirche. Beim anschließenden Festakt werden u.a. Kardinal Koch, Patriarch Bartholomaios und Papst-Patriarch Tawadros das Wort ergreifen. Kardinal Christoph Schönborn, Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung, wird Kardinal Koch und Patriarch Sako zu Ehrenprotektoren der Stiftung ernennen.

 

Anlässlich des Jubiläums sind auch die Publikation "Denkwerkstatt Pro Oriente. Erfolgsgeschichte eines Ost-West-Dialogs" sowie ein Dokumentarfilm über die Stiftung erschienen.

 

Ökumene im Umbruch

Die Ökumene befinde sich derzeit in einer Umbruchssituation, so Pro Oriente-Präsident Johann Marte am Freitag, 3. Oktober 2014, im Rahmen eines Pressegesprächs in Wien. "Auch wenn der Motor der Ökumene stockt, auf die Arbeit von Pro Oriente hat das wenig Auswirkung", so Marte wörtlich. Pro Oriente habe im inoffiziellen Dialog zwischen katholischer unds orthodoxer Seite viele bahnbrechende Ergebnisse erzielt, die vielfach aber noch einer Rezeption bzw. Weiterentwicklung von Seiten der Kirchenleitungen harren würden. Vieles, was theologisch längst möglich sei, werde in der Praxis sowohl von der West- wie der Ostkirche nicht umgesetzt, sagte Marte.

 

Trotzdem sei in den vergangenen 50 Jahren viel Positives passiert. Hätten sich die katholische und orthodoxe Seite vor 50 Jahren sogar noch gegenseitig der Häresie bezichtigt, so spreche man heute vielfach von Freundschaft. Pro Oriente habe durch seinen vielfachen Kontakte und Initiativen wertvolle Beiträge geleistet, so Marte. Für die Stiftung gelte der Grundsatz, "dass das Christentum nur dann eine Zukunft als Weltreligion hat, wenn es die konfessionellen Spaltungen überwindet".

 

Initiative Kardinal Königs

Wenige Tage, bevor die Bischöfe auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil 1964 das Ökumenismusdekret "Unitatis Redintegratio" verabschiedeten, gründete der Wiener Erzbischof Kardinal Franz König die Stiftung "Pro Oriente", die sich von Beginn an der Überwindung der Ost-West-Grenzen, vor allem im kirchlichen, aber auch im außerkirchlichen Bereich, verschrieben hat. Wien galt als Brücke zum Osten, dies wusste Kardinal König zu nutzen und konnte so bereits zu Zeiten des Kalten Krieges ein weitreichendes Netzwerk aufbauen, das sich bis heute als tragfähig erwiesen hat.

 

Erste bahnbrechende Marksteine der Aktivitäten der Stiftung waren die Wiener Christologische Formel (1971), mit der ein 1.500 Jahre andauerndes Zerwürfnis zwischen den Kirchen syrischer Tradition und der katholischen Kirchen überwunden werden konnte, sowie das "Erste Ekklesiologische Kolloquium - Koinonia" (1974). Die bahnbrechenden Ergebnisse dieses Kolloquiums sollen bei der wissenschaftlichen Tagung im kommenden November in Erinnerung gerufen und auf ihre Aktualität hin überprüft werden.