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13.10.2014

Wiener Dommuseum zeigt Exponate auf Baustelle

Kunstprojekt "Nah am Text" von Johanna Kandl.

Mit dem Kunstprojekt "Nah am Text" will das Wiener Dommuseum trotz der derzeit laufenden Umbauarbeiten und der damit bedingten Schließung öffentlich präsent bleiben. Am Donnerstagabend wurde an der Baustelle des Museums im Zwettlerhof in der Wiener City die Installation der Wiener Künstlerin Johanna Kandl feierlich eröffnet, die für ihr Werk den zweieinhalb Meter hohen und 20 Meter langen Bauverschlag aus Grobspanplatten und eine Lünette im Eingangsbereich des Museums nutzte.

 

Kandl bezieht sich mit ihren beiden malerischen Arbeiten auf zwei der bedeutendsten kunsthistorischen Exponate aus dem Domschatz, die ab der Wiedereröffnung 2015 wieder im Dommuseum zu sehen sein werden: auf das erste eigenständige Porträt des Abendlandes, ein Bildnis Rudolfs IV., und auf das aus dem heutigen Iran stammende muslimische Grabtuch des 1365 verstorbenen innovativen Habsburgerherrschers und "Stifters".

 

Kunst, Kirche und Gesellschaft treten in Dialog

Sie könne zwar während der zweijährigen Schließphase keine wertvollen mittelalterlichen Madonnen und Altäre ausstellen, sie wolle aber jede Gelegenheit nutzen, um das Dommuseum als Ort zu positionieren, "an dem Kunst, Kirche und Gesellschaft in der Tradition Otto Mauers miteinander in einen Dialog treten", so Museumsdirektorin Johanna Schwanberg in ihrer Ansprache.

 

Bei einem Museum handle es sich nicht nur um Räumlichkeiten, in denen wertvolle historische Kunst ausgestellt wird, "sondern auch um eine Haltung und eine Positionierung innerhalb des aktuellen gesellschaftlichen, künstlerischen, religiösen und politischen Geschehens".

 

Schwanberg zeigte sich überzeugt, dass es der Künstlerin mit dieser Arbeit gelingen sei, "einen Brückenschlag zwischen Geschichte und Gegenwart herzustellen, indem sie auf zwei der bedeutendsten Exponate des früheren und auch künftigen Museums Bezug nimmt und zugleich einen äußerst mutigen interkulturellen und interreligiösen Kommentar im Stadtraum erzeugt".

 

Das Dommuseum sei nicht nur Aufbewahrungs- und Präsentationsstätte sakraler Kunst vergangener Jahrhunderte, sondern eine Begegnungsplattform von Kirche und Welt, so Domdekan Karl Rühringer. Es wolle "ein Anstoß an Menschen sein, sich mit Religion, Glaube und Spiritualität auseinander zu setzen in einer zeitgemäßen Präsentation von vergangener und zeitgenössischer religiöser, sakraler Kunst".

 

Krasa: "Kunst verändert den Menschen"

Generalvikar Nikolaus Krasa zeigte sich gespannt, "welche Gedanken, vielleicht auch Reaktionen, das Spruchband aus dem Grabtuch Erzherzog Rudolphs bei den Menschen, die durch den Zwettlerhof gehen, auslösen. "Kunst verändert den Menschen - möge dieser Satz Otto Mauers vielfach Wirklichkeit werden", so Krasa wörtlich.

 

Zu Wort kamen bei der Ausstellungseröffnung auch die Leiterin des Kardinal-König-Archivs, Annemarie Fenzl, sowie der Professor für islamische Kunstgeschichte an der Universität Wien, Markus Ritter, dessen maßstabgetreue Zeichnung des Grabtuchs von Rudolf IV. Johanna Kandl als Vorlage diente.

 

Das Wiener Dom- und Diözesanmuseum wird derzeit von dem Architekten Boris Podrecca umgebaut und unter der Leitung von Johanna Schwanberg neu ausgerichtet. Das Museum will mit seinen vielschichtigen Beständen aus dem kostbaren Domschatz und der Sammlung Otto Mauer "ein unverwechselbares Programm im Spannungsfeld von Kunst, Kirche und Gesellschaft bieten".