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16.10.2014

Paul VI. wird am Sonntag seliggesprochen

Seligsprechung des Konzils- und Reform-Papstes.

Papst Franziskus spricht am Sonntag in einer feierlichen Messe auf dem Petersplatz seinen vor 36 Jahren verstorbenen Vorgänger Paul VI. (Giovanni Battista Montini) selig. Der Gottesdienst, der um 10.30 Uhr beginnt, wird ab 9.45 Uhr in ORF III live übertragen. Erwartet wird, dass auch der emeritierte Papst Benedikt XVI. teilnimmt.

 

"Paul VI.  ist für mich der Papst des Konzils. Er hat es von Johannes XXIII. übernommen und zu Ende geführt. Und er ist für mich ein prophetischer Papst. Mit seiner so angefeindeten Enzyklika Humanae Vitae hat er zu Recht davor gewarnt, Liebe und Leben voneinander zu trennen, weil sonst beides zu kurz kommt", so Kardinal Schönborn.

 

Mit der Seligsprechung des Konzils- und Reform-Papstes endet auch die zweiwöchige Weltbischofssynode zu Ehe und Familien. Alle Synodenväter - 60 Kardinäle und 130 Bischöfe - werden bei der Seligsprechungsmesse konzelebrieren. Paul VI., der vierte Papst des 20. Jahrhunderts, der zur Ehre der Altäre erhoben wird, hatte 1965 die Bischofssynode als feste Einrichtung der katholischen Kirche installiert.

 

Mit der Anwesenheit des Weltepiskopats ehrt Franziskus einen Kirchenmann, der von Zeitgenossen vielfach geschmäht und als "Pillenpapst" abgekanzelt wurde. Dabei treten seine Größe und sein prophetischer Weitblick gerade im derzeitigen Pontifikat wieder deutlicher zutage.

 

Biografische Notizen zur Paul VI.

Giovanni Battista Montini Paul VI. wurde am 26. September 1897 im norditalienischen Brescia geboren. Nach kurzer Pfarrseelsorge war er über drei Jahrzehnte im Staatssekretariat tätig, ab 1937 als Substitut (Innenminister) und enger Vertrauter von Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli, des späteren Papstes Pius XII. In dieser Funktion sorgte Montini während des Zweiten Weltkriegs und unter der deutschen Besatzung maßgeblich dafür, dass in kirchlichen Gebäuden Roms und des Vatikan jüdische Flüchtlinge versteckt wurden.

 

1954 ernannte Pius XII. Montini zum Erzbischof von Mailand. In der größten Diözese Europas konnte er pastorale Erfahrung sammeln. Beim Konklave nach dem Tod von Johannes XXIII. war Montini Favorit und wurde am 21. Juni 1963 im fünften Wahlgang gewählt.

 

Als Papst setzte Paul VI. das Konzil fort. Als erstes Kirchenoberhaupt der Moderne unternahm er im Jänner 1964 eine Auslandsreise. Sie führte ins Heilige Land. Sein Treffen mit Patriarch Athenagoras in Jerusalem legte den Grundstein für eine neue Ökumene.

 

Als "Jahrhundert-Rede" galt ein Jahr später seine Ansprache vor der UNO in New York mit dem leidenschaftlichen Appell: "Nie wieder Krieg!"

 

Nach dem Konzil passte Montini die vatikanische Kurie den neuen Aufgaben an. Er errichtete Behörden für eine sich der Welt öffnende Kirche: für die Ökumene, für Gerechtigkeit und Frieden, für interreligiösen Dialog und für die Medien. Außerdem begann er eine Neufassung des Kirchenrechts, die 1983 abgeschlossen wurde.

 

Im Schatten seines Vorgängers und Nachfolgers

Paul VI. steht zweifach im Schatten: zum einen seines populären Vorgängers Johannes XXIII. (1958-1963), und zum anderen seines charismatischen Nachfolgers Johannes Paul II. (1978-2005). Freilich leitete er die Kirche in einer besonders schwierigen Zeit. Sein Bemühen, die Umbrüche des Konzils behutsam umzusetzen, ging Reformern nicht weit genug; er galt ihnen als zu zögerlich.

 

Die von Pauls Außenminister Agostino Casaroli gestaltete "vatikanische Ostpolitik", die mit kleinen Schritten einen Modus vivendi für die Kirchen im Sozialismus suchte, irritierte konservative Politiker. Sein polnischer Nachfolger zog die Pläne zur Gründung einer DDR-Bischofskonferenz sofort zurück. Er schaltete auf eine härtere Linie gegenüber den Kommunisten.

 

Breite Beachtung fand Paul VI. durch seine Friedens- und Sozialenzykliken. Durch sie zählt er zu den großen Päpsten des 20. Jahrhunderts.

 

Prägend blieb etwa das Zitat seines Dritte-Welt-Schreibens "Populorum progressio", wonach "der neue Name für Friede Entwicklung heißt". Nicht weniger bedeutsam ist des Dokument "Evangelii nuntiandi" von 1975. Darin analysierte Paul VI. die Schwierigkeiten der Kirche mit der Glaubensverkündigung in der modernen Welt und fordert neue Ansätze zur Überwindung des Grabens zwischen Kirche und zeitgenössischer Kultur.

 

Konflikt um "Humanae vitae"

Auf Kritik und Häme stieß Paul VI. mit seinem Schreiben "Humanae vitae" (1968), in dem er die Trennung von Sexualität und Fortpflanzung als schwerwiegendes Problem bezeichnete und künstliche Mittel zur Empfängnisverhütung für Katholiken verbot. Die derzeitige Familiensynode im Vatikan versucht die umfassende Sicht dieses Schreibens für die personale Würde des Menschen herauszustreichen.

 

Während seines Sommerurlaubs in Castel Gandolfo im Juli 1978 erlitt Paul VI. einen Herzinfarkt. An dessen Folgen starb er am 6. August 1978. Paul VI. wurde in den vatikanischen Grotten bestattet.

 

Seligsprechungsverfahren

Johannes Paul II. eröffnete am 11. Mai 1993 das Seligsprechungsverfahren. Postulator wurde der italienische Redemptorist P. Antonio Marrazzo. Im Dezember 2012 stellte Papst Benedikt XVI. den heroischen Tugendgrad fest und erhob Paul VI. zum Diener Gottes.

 

Mitte Februar dieses Jahres erkannte die Heiligsprechungskommission die Heilung eines ungeborenen Kindes im Jahre 2001 im US-Bundesstaat Florida als Wunder an. Am 10. Mai gab der Vatikan bekannt, dass Paul VI. am 19. Oktober seliggesprochen wird; am 26. September wurde offiziell bekanntgegeben, dass die Seligsprechungsfeier auf dem Petersplatz sein wird und vom Papst höchstpersönlich geleitet wird.