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22.10.2014

Ethische Geldanlagen: Was heißt hier ethisch?

Wirtschaftsethiker Klaus Gabriel über ethische Wertanlagen.

Was ist ethisches Investment?

Klaus Gabriel: Wann kann eine Kapitalanlage ethisch oder nachhaltig genannt werden?
Grundsätzlich versteht man darunter das Nachdenken über eine Geldanlage. Ethisches Investment deshalb, weil Ethik auch das Reflektieren von Werthaltungen bedeutet. Von daher überlegt man auch: Welche Auswirkungen hat es, wenn ich mein Geld so oder so anlege? Und welche Möglichkeiten habe ich durch meine Geldanlage auch das Positive zu bewirken? Das Problem ist, dass es natürlich nicht die eine Ethik gibt. Es hat jeder Mensch andere Wertvorstellungen und Werturteile, das kann in der Gesellschaft unterschiedlich ausschauen: Was ist eine moralische gerechtfertigte Geldanlage oder was nicht? Von daher ist es schwierig zu sagen: Das ist eine ethische Wertanlage. Das kann nur jeder für sich entscheiden, was für ihn moralisch, sozial, ökologisch verantwortungsvoll ist.

Was können Investoren bewirken, wenn sie neben finanziellen Kriterien auch soziale und ökologische berücksichtigen?


Klaus Gabriel: Wir unterscheiden zwischen direkter und indirekter Wirkung. Direkte Wirkung heißt zum Beispiel, dass ich auf die Kapitalkosten von Unternehmen Einfluss nehmen kann. Wenn viele Investoren sagen, von diesem Unternehmen kaufen wir keine Anleihen oder Aktien, dann könnte dies die Refinanzierung von diesem Unternehmen verteuern. Das wäre eine Art Boykott. Die Einflussnahme kann negativ sein, aber auch positiv. Viele soziale Projekte sind nur möglich, wenn Investoren ganz bewusst sagen: Ich investiere jetzt in dieses Projekt, weil ich über eine finanzielle Rendite hinaus auch etwas Vernünftiges machen möchte.  Daneben gibt es noch die indirekte Wirkung. Wenn Investoren sagen, wir investieren nicht in XY, weil grobe Menschenrechtsverletzungen oder eine massive Schädigung der Umwelt festgestellt worden ist, dann hat das Auswirkungen auf das Image des Unternehmens. Das stört diese am meisten, wenn sie zum Beispiel auf einer Blacklist von Investoren sind. Die Kraft des ethischen Investments liegt darin, dass man Unternehmen auch überzeugen oder motivieren kann, sich im Bezug auf soziale und ökologische Belange zu ändern.

Geht das ethische Investment auf Kosten der Rendite?

Klaus Gabriel: Ethisch und nachhaltig orientierte Investoren haben ohnehin einen längeren Horizont. Von daher auch kein Interesse für eine kurzfristige Gewinnmaximierung, weil es auch mit entsprechendem Risiko verbunden ist. Grundsätzlich bedeutet ethisches Investment keinen Renditenachteil. Es kann aber Situationen geben, wo man ganz  bewusst sagt: Ich verzichte auf eine Renditemöglichkeit, weil es sich mit meinen moralischen Vorstellungen nicht verträgt. Eine bewusste Entscheidung eines Investors.