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29.10.2014

Allerseelen: Duell auf Leben und Tod

Richard Tatzreiter, der Regens des Wiener Priesterseminars über Allerseelen.

Wenn alles gut läuft, denken wir nicht, dass es auch anders sein könnte. Wir stehen in der Früh auf, gehen zur Schule oder zur Arbeit, treffen Freunde, feiern Feste, kaufen ein, schreiben E-Mails ...

 

Plötzlich können tägliche Abläufe, ja der Lauf des Lebens selbst, aus der Selbstverständlichkeit gerissen werden: Eine schwere Krankheit, ein Unfall, eine Naturkatastrophe, der Tod eines lieben Menschen oder das Zerbrechen einer Beziehung – solche und andere Ereignisse stellen das Leben auf den Kopf: Wir sind mitten im Leben zum Sterben bestimmt. Mitten ins Leben bricht der Tod ein und macht dem Leben zu schaffen. Im Duell zwischen Leben und Tod bleibt dieser Erfahrung nach die Großmacht des Todes der Sieger. Es scheint, als habe nicht das Leben, sondern der Tod das letzte Wort.

 

Allerseelen ändert die Blickrichtung

Ostern dreht die Blickrichtung um: "Wir sind mitten im Sterben zum Leben bestimmt." Es gibt einen, der sich in seinem Sterben mit dem Tod angelegt und tatsächlich gewonnen hat. Der Sieger, der den Lauf des Lebens zum Ziel gebracht hat, bestimmt uns trotz des Todes zum Leben. Seit der  Auferstehung Jesu von den Toten ist diese Richtung unumkehrbar. Nun hat für immer das Leben das letzte Wort.

 

Allerseelen steht in dieser österlichen Blickrichtung: Die Verbundenheit mit den Verstorbenen macht uns die eigene Sterblichkeit bewusst. Der Besuch auf dem Friedhof konfrontiert uns mit der Großmacht des Todes, die scheinbar Sieger bleibt. Ein Grab ist leer, es schenkt uns die Gewissheit: "Wir sind mitten im Sterben zum Leben be stimmt. ER gibt, wenn er nimmt."