Die Votivkirche in Wien begeht am Christkönigssonntag, 23. November, bei einem Festgottesdienst mit Weihbischof Helmut Krätzl gleich mehrere Jubiläen: den 135. Jahrestag der Weihe, den 150. Jahrestag der Krönung ihres Initiators und Bauherrn Erzherzog Maximilian zum Kaiser von Mexiko, den 40. Jahrestag der Priesterweihe von Pfarrer Joseph Farrugia und den 25. Jahrestag seiner Ernennung zum Propstpfarrer am neugotischen "Ringstraßendom". Den Festgottesdienst am 23. November, 10, Uhr, begleiten zwei Chöre: Coro-Siamo aus Wien und Hard-Chor aus Linz. Gesungen wird die Messe in e-Moll von Anton Bruckner.
Die Votivkirche ist nach dem Stephandom und der Karlskirche die drittmeistbesuchte Kirche Wiens. Architekt der Votivkirche war Heinrich von Ferstel. Ein Attentat auf Kaiser Franz Joseph am 18. Februar 1853 - durch den ungarischen Schneidergesellen Janos Libenyi - hatte den Anstoß für den Bau gegeben. Dem Geist der Zeit entsprechend, rief der Bruder des Kaisers, Erzherzog Maximilian (der spätere Kaiser von Mexiko), zum Dank für die Errettung des Monarchen und zur "geistlichen Sühne des Verbrechens" zum Bau einer "Votivkirche" auf. 300.000 Bürger folgten dem Spendenaufruf. Im neuen "Dom der Völker" hätten alle Nationen der Donaumonarchie ihre geistige und politische "Heimat" finden sollen.
Die Weihe des "Ringstraßendoms" fand dann 1879 statt, zur Silberhochzeit von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth. In den 23 Jahren zwischen Grundsteinlegung 1856 und der Weihe hatte sich die Donaumonarchie in politischer, vor allem aber in geistig-ideologischer Hinsicht so gründlich verändert, dass ein "Dom der Völker" nur mehr ein Anachronismus gewesen wäre. Die überdimensionierte Kirche im französischen Kathedralstil wurde deshalb Regiments- und später Pfarrkirche.
1856 hatte der neoabsolutistische "Reichsgedanke" auf der Grundlage des dominierenden katholischen Glaubens in allen Kronländern starken Anklang gefunden, 1879 stand bereits im Zeichen des Deutschnationalismus und des eskalierenden Nationalitätenstreits.
Heute ist die Votivkirche Gottesdienstort für die Pfarrgemeinde und die Internationale Gemeinde (Vienna International Religious Centre/VIRC) der Tourismusseelsorge der Erzdiözese Wien. Beide Gemeinden werden von Joseph Farrugia, einem gebürtigen Malteser, geleitet. Farrugia ist auch Wiener Flughafenpfarrer. Als Propstpfarrer hat er besondere Privilegien in Bezug auf den Gebrauch der Pontifikalien - mit der Ausnahme des Bischofsstabes - bei den Gottesdiensten; in der Erzdiözese Wien gibt es nur drei Propsteipfarren.