Den "immer neuen Versuch, Wort und Wahrheit in Übereinstimmung zu bringen und zu halten", hat der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari Medienschaffenden als nicht nur religiös, sondern auch allgemein humanistisch begründbaren "Dauerauftrag" ans Herz gelegt. Bei der Segnung neuer Räumlichkeiten des Verbandes Österreichischer Zeitungsherausgeber (VÖZ) am Mittwoch, 19. November 2014 in Wien, wies er auf die Verantwortung von Journalisten hin. Bischof Kapellari erinnerte seine Gastgeber an einen Appell, den Papst Johannes Paul II. 1983 in der Wiener Hofburg u.a. an Medienvertreter gerichtet hatte: "Übersehen und überhören Sie ihn nie: den hoffenden, liebenden, angsterfüllten, leidenden und blutenden Menschen. Seien Sie sein Anwalt, hüten Sie seine Welt: diese schöne, gefährdete Erde." Dieses Wort könne auch heute ein Licht sein, das Medienschaffenden in ihren Arbeitsalltag hineinleuchtet, so der in der Bischofskonferenz für Medienfragen zuständige Bischof.
Im Blick auf den bei der Segnungsfeier verlesenen Prolog des Johannesevangeliums stellte Kapellari zwei Zitate gegenüber: Der heilige Augustinus habe über das in die Welt gekommene Wort Gottes lapidar gesagt: "Wenn das Wort wächst, dann verblassen die Wörter"; gemeint sei damit das Wort Gottes in Bezug auf menschliche Worte und Wörter. Und der verstorbene Schriftsteller Manes Sperber habe einmal über die gegenwärtige Epoche gesagt, sie sei "die redseligste von allen, äußert sich unablässig und bringt sich dennoch nicht zu Wort". Das sei - so Bischof Kapellari - eine Übertreibung, aber zugleich "ein nützliches Korrektiv für das Alltagsgeschäft von Medien in ihrem Umgang mit Wort und Bild".
Kapellari - er ist in der Bischofskonferenz auch für Europathemen zuständig - kam in seiner Ansprache auch auf die verstärkte Suchbewegung auf dem Alten Kontinent betreffend seinen weiteren Weg zu sprechen. Diese Herausforderung gelte für Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Religionen, besonders auch für das Christentum. "Europa dürfte sich in diesem globalen Kontext nicht aufgeben, und auch die katholische Kirche darf und wird sich in Europa nicht aufgeben", sagte Kapellari wörtlich. Er plädierte für verstärkte Allianzen von Menschen und Gemeinschaften, die "einem idealistischen Realismus verpflichtet" seien.
Auch Agnostiker mit einem nüchternen Blick auf die Gesellschaft im Ganzen sollten kein Interesse daran haben, Religionen aus der Öffentlichkeit ins Private zu verdrängen, erklärte Kapellari. Das gelte erst recht, wenn diese Religionen - wie auch besonders das Christentum in Europa - "soziale Gerechtigkeit und Empathie fördern, ohne Freiheit auf eine irrationale Weise einzudämmen". Die katholische Kirche trage trotz Fehler und Schwächen viel dazu bei, "um die Zivilgesellschaft mitzutragen und zu beseelen", so der Grazer Bischof. Er nannte dabei "den tausendfachen, oft verborgenen Dienst der Fußwaschung als Konsequenz von Empathie und Sehnsucht nach mehr sozialer Gerechtigkeit".