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26.11.2014

Was "sagt" Pius Parsch?

Ein Augustiner-Chorherr prägte die Liturgie-Reform.

Mit der Grundsteinlegung der Stiftskirche 1114 in Klosterneuburg, von Markgraf Leopold III. als geistliches und pastorales Zentrum des Landes geplant, war zugleich der Grundstein für ein überregionales Liturgiezentrum gelegt“, sagt der Klosterneuburger Chorherr Univ.-Prof. Andreas Redtenbacher im Gespräch mit dem „Sonntag“. Hierher rief Leopold nicht Mönche, sondern „Chorherren, die sich als Priestergemeinschaft für den Dienst am Volk Gottes verstehen und bald eine Reihe von Pfarren übernahmen“.

 

Neben der grundlegenden Bedeutung der Liturgie „als Quelle und Höhepunkt“ für das Leben der Chorherren selbst (Chorgebet und Eucharistie) war – so Redtenbacher – „die Sorge um den Gottesdienst in den Pfarren in der weitgehend evangelisierten Gesellschaft des Mittelalters das wichtigste Feld pastoraler Arbeit. So wurde die Stiftkirche ein über ihre Grenzen ausstrahlendes liturgisches Zentrum“. 

 

Ratzinger-Lob für Pius Parsch

Die „Volksliturgische Bewegung“ von Pius Parsch (1884-1954) war „wohl der Höhepunkt der 900jährigen Stiftsgeschichte und mündete in die Liturgie-reform des II. Vatikanischen Konzils, deren Anliegen normativ für alle Gemeinden sind“, sagt Redtenbacher und erinnert an ein Wort Joseph Ratzingers, der noch als Kardinal 2004 schrieb: „Man macht sich heute keine Vorstellung mehr von der Bedeutung, die die Werke von Pius Parsch in den 20er bis 40er Jahren hatten. Sie hatten entscheidend das liturgische Bewusstsein der ganzen Kirche geformt.“ Redtenbacher: „Parsch ist auch heute eine wichtige Quelle und Sinnreserve für das liturgische Bewusstsein und das immer tiefere Verstehen der Liturgie.“

 

Was Parsch gefallen würde

Pius Parsch würde heute  „ganz einfach loben, wo Liturgie gottvoll und erlebnisstark und unter aktiver Teilnahme der ganzen Gemeinde als Fest des Glaubens erfahren wird“. Redtenbacher: „Vor allem auch dort, wo die Gemeinde in ihrer Feier ganz die ureigene Sache der Liturgie betreibt und nicht an Gott vorbei feiert. Wo also Außen und Innen zusammenstimmen und die aktive Teilnahme der äußeren Gestalt mit dem Lebensaustausch zwischen Gott und Mensch zusammenklingt und ihn auszudrücken vermag.“

 

Konzils-Gedenken am 4. Dezember

Klosterneuburg gedenkt am 4. Dezember um 18 Uhr in der Kirche St. Gertrud bei einem Festgottesdienst mit dem Linzer Alt-Bischof Maximilian Aichern OSB der am 4. Dezember 1963 verabschiedeten Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils. Durch sie wurden die gottesdienstlichen Reformen des Chorherrens Pius Parsch, die in der Kirche St. Gertrud  (Leopoldstraße 31) als „Wiege der Volksliturgischen Bewegung“ ihren Ausgang nahmen, für die Weltkirche verbindlich.