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03.12.2014

Tagung in Wien - Schmerzpatienten brauchen mehr Zuwendung

Interdisziplinäres Symposium in Wien zum Thema "Die Sprache des Schmerzes verstehen.

Der chronische Schmerz mit seinen enorm hohen Kosten für die Betroffenen wie auch für den Staat ist Thema einer interdisziplinären Tagung, die das Institut für medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE) am Freitag, 5. Dezember 2014 in Wien veranstaltet.

"Die Sprache des Schmerzes verstehen" lautet das Motto des halbtägigen Symposiums - in Anlehnung daran, dass sich Schmerzpatienten heute von der Gesellschaft und auch von Ärzten oft nicht ernst genommen fühlen. Statt auf Handeln oder Leistung müsse sich die Medizin mehr auf Zuwendung konzentrieren, so das kirchliche Bioethik-Institut vorab, würden davon doch die Patienten, ihre Umgebung wie auch das gesamte Gesundheitswesen profitieren.

 

33 Prozent der chronischen Schmerzpatienten Österreichs schlittern bis in die Berufsunfähigkeit, 21 Prozent werden in die Frühpension entlassen, so das in Wien ansässige IMABE-Institut, wobei gesamtwirtschaftliche Kosten von geschätzten 1,4 bis 1,8 Milliarden Euro entstehen. Betroffene haben oft eine jahrelange Odyssee zu verschiedenen Arztpraxen hinter sich, hoffen vergeblich auf eine Art "Wundermittel" und leiden daran, dass oft keine klare körperliche Ursache dingfest gemacht werden kann.

 

Schmerzbehandlung, Entmedikalisierung, Demenz

Optimale Schmerzbehandlung erfordere multiprofessionelles und multimodales Vorgehen, betonte das Institut in der Tagungsankündigung. Sie gelinge dort, wo der leidende Schmerzpatient als Mensch verstanden werde - mit seiner Not, seinen Lebensbezügen, Ängsten und Möglichkeiten. Dass eine gute Therapie stets eine exakte vorhergehende Schmerzabklärung benötigt, wird die Wiener Anästhesistin Astrid Chiari auf der Tagung darlegen. Michael Bach von pro mente Reha Salzburg zeigt auf, wie Schmerzbehandlung von der Rücksicht auf psychosoziale Faktoren profitiert und durch sie etwa auch emotional geprägten Schmerzerfahrungen bewältigen kann.

 

Der Heidelberger Schmerzmediziner Marcus Schiltenwolf spricht über die nötige Entmedikalisierung des Schmerzes, zumal Ärzte die gebotene Zurückhaltung mit Medikamenten selbst bei günstigen Spontanverläufen oft missachten würden. Statt "technischer Erlösungssehnsüchte" sei ein geringerer Anspruch an grenzenlose Machbarkeit angebracht, so das Plädoyer des Experten.

 

Weitere Themen der Tagung sind Schmerzen bei Demenz, die heikle Frage nach Sinn und heilsamer Dimension der Krankheit und die "Utopie einer schmerzfreien Gesellschaft". Letzterem wird sich der Salzburger Sozialethiker Clemens Sedmak philosophisch annähern: "Menschen, die keinen Schmerz empfinden können, leben gefährlich - und sind gefährlich", heißt es in seinem Referatskurztext.

 

Das interdisziplinäre IMABE-Symposium findet am 5. Dezember 2014 von 9 bis 13 Uhr in den Räumlichkeiten der Wiener Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt statt. Mitveranstalter sind zudem die Österreichische Ärztekammer und der Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger.