Seine "große Freude über das Wiedererstehen der griechisch-katholischen Kirche" vor 25 Jahren nach dem Ende des Kommunismus hat Kardinal Christoph Schönborn betont.
Der Wiener Erzbischof feierte am Donnerstagabend, 4. Dezember 2014, im Stephansdom einen Gottesdienst im byzantinischen Ritus mit den in Österreich tätigen Priestern und Gläubigen der griechisch-katholischen (unierten) Kirche. Der 4. Dezember, das Fest der heiligen Barbara, ist das Patroziniumsfest der Kirche St. Barbara in Wien, die zugleich Zentralkirche der griechisch-katholischen Gläubigen in Österreich ist. Erzbischof Schönborn ist als Ordinarius oberster Amtsträger für die unierten Gläubigen in Österreich.
Im Kommunismus habe die Kirche im Untergrund große Opfer bringen müssen und viele Märtyrer zu beklagen gehabt, sagte der Kardinal in seiner Predigt. Die Bischöfe, Priester und Gläubige die ihrer Kirche auch im Untergrund treu geblieben waren, hätten in dieser Zeit der Unterdrückung unvorstellbar viel Kraft gebraucht um "durchzuhalten". Diese Kraft hätten sie im heiligen Geist gefunden, so Schönborn. Vor 25 Jahren durfte die Kirche wieder "auferstehen aus den Katakomben", nachdem sie beinahe "vernichtet" worden wäre.
Um die Gläubigen in der Ukraine besonders auch in den jetzigen schwierigen Zeiten zu ermutigen und ihnen die Nähe des Heiligen Vaters zu übermitteln, habe er von Papst Franziskus den Auftrag erhalten als päpstlichen Sondergesandter in die Ukraine zu reisen, sagte Schönborn.
Papst Franziskus hat Kardinal Schönborn mit dieser Mission anlässlich der bevorstehenden Feiern zum 25. Jahrestag der offiziellen Wiedererrichtung der mit Rom verbundenen griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine betraut. Der Wiener Erzbischof wird den Papst bei den Feierlichkeiten am 10. Dezember in Kiew vertreten.
Die Zahl der unierten Gläubigen in Österreich beträgt rund 10.000. 25 Prozent davon würden regelmäßig die Gottesdienste besuchen, so der Generalvikar für die unierten Katholiken in Österreich, Yuriy Kolasa. Griechisch-Katholische Gemeinden gibt es in Wien, Graz, Klagenfurt, Linz, Salzburg und Innsbruck.
Die Zusammensetzung der Gläubigen habe sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert, erläuterte Kolasa. Waren nach dem Zweiten Weltkrieg fast ausschließlich Angehörige der ukrainischen griechisch-katholischen Gemeinden in Österreich, so seien nunmehr Katholiken aus nahezu allen osteuropäischen Ländern und damit aus fast allen byzantinischen Kirchen in Österreich. Der Grund dafür liege am Zerfall des Kommunismus und den offenen Grenzen der Europäischen Union.
Der überwiegende Großteil der unierten Gläubigen (86 Prozent) gehöre freilich auch weiterhin der ukrainischen Kirche an. Dahinter folge die rumänische griechisch-katholische Kirche (11 Prozent).
Insgesamt 21 unierte Priester und ein Diakon sind in der Seelsorge in Österreich tätig. 10 Priester und der Diakon gehören der Ukrainischen Kirche an, sechs der Rumänischen und jeweils ein Priester der ungarischen, slowakischen, serbischen, ruthenischen, und melkitischen Kirchen. Von den 22 Geistliche sind 18 verheiratet. Rund die Hälfte der Priester ist auch in römisch-katholischen Einrichtungen tätig, in erster Linie als Krankenhausseelsorger und in römisch-katholischen Pfarren.
Generalvikar Kolasa, hob die Bedeutung der unierten Kirchen für die Einheitsbemühungen zwischen katholischer und orthodoxer Kirche hervor. Die unierten Kirchen müssten eine Art Brückenfunktion ausüben, zeigte sich der Generalvikar überzeugt. Kolasa: "Unsere Kirchen nahmen ihren Anfang an der Grenze zwischen zwei Welten: der westlichen lateinischen christlichen Welt und der östlichen orthodoxen christlichen Welt." Die unierten Kirchen sollten versuchen, "dem Westen die Wahrheit über den Osten darzulegen, und umgekehrt dem Osten die Wahrheit über den Westen".
Das byzantinische Zentrum in Salzburg organisiere schon das vierte Jahr ein ökumenisches Gebet in der Sankt Markus Kirche, wo griechisch-katholische Gläubige der ukrainischen Gemeinschaft zusammen mit den Gläubigen der rumänisch-orthodoxen Gemeinschaft von Salzburg die Vesper gemeinsam beten. Kolasa: "Das war für mich eine unvergessliche Erfahrung, weil sich im gemeinsamen Gebet wahre Ökumene ereignet. Da gibt es keine Spekulationen, was Einheit sein sollte, sondern da ist das lebendige Gebet, die Einheit der Herzen und Seelen."
Gerade Österreich sei ein sehr fruchtbarer Boden für die Begegnung verschiedener Kulturen und verschiedener Traditionen. Kolasa: "Je mehr wir übereinander erfahren, desto mehr haben wir die Chance, die Tradition des anderen lieben zu lernen, und so in die Schönheit und in den Reichtum der lebendigen und universalen Kirche einzutauchen." Die östlichen Katholiken hätten den lateinischen Katholiken diesbezüglich viel anzubieten.