Der "Msgr. Otto Mauer Preis 2014" ist am Dienstag, 9. November 2014, an die aus der Türkei stammende, in Wien und Istanbul lebende und arbeitende Künstlerin Nilbar Güres überreicht worden.
Der Otto-Mauer-Fonds der Erzdiözese Wien - benannt nach dem 1973 verstorbenen, legendären Wiener Priester und Kunstförderer - vergab die mit 11.000 Euro dotierte wichtigste österreichische Auszeichnung für junge Kunstschaffende heuer zum 34. Mal. Prämiert wird von einer jeweils wechselnden, hochkarätig besetzten Jury das gesamte bisherige Oeuvre einer Künstlerin oder eines Künstlers unter 40 Jahren.
Der Preis wurde am Dienstagabend im Wiener Erzbischöflichen Palais nicht wie geplant von Kardinal Christoph Schönborn - er befindet sich derzeit als Gesandter des Papstes in der Ukraine - überreicht, sondern vom Wiener Generalvikar Nikolaus Krasa. Dieser würdigte das Hintergründige in der Arbeit von Nilbar Güres. Der erste Eindruck ästhetischer Schönheit werde bald von einem inhaltlichen Widerhaken "gestört", der zu einem lächeln machenden Aha-Erlebnis führe. Die Orient und Okzident verbindende Dimension im Schaffen der Preisträgerin würde er sich auch in der gesellschaftlichen Gegenwart wünschen - in einer höheren Wertschätzung für kulturelle Vielfalt, so Krasa. Dort fehlten ihm oft "lächelnde Blicke auf die bunte Welt".
Wer Wiener Jesuit und Kunsthistoriker P. Gustav Schörghofer erläuterte namens der Jury des Otto-Mauer-Fonds deren Entscheidung für Nilbar Güres. Ihre Auseinandersetzung mit weiblicher Identität sei geprägt von Sensibilität für Unterdrückung und Ausbeutung, ließen sich durch ihre Subtilität und den impliziten Humor aber nicht als unmittelbarer Protest vereinnahmen. Die Werke der von kurdischen Aleviten in der Osttürkei abstammenden Güres zeigten von Frauen geschaffene Freiräume inmitten einengender Herrschaftsverhältnisse, so Schörghofer.
In der Begründung der Jury - der u.a. auch die Leiterin des Wiener Dommuseums, Johanna Schwanberg, und der Mauer-Preisträger des Jahres 2011, Kamen Stoyanov, angehörten - hieß es über die 37-jährige Preisträgerin, besonders überzeugend sei die "selbstbewusste Arbeit einer Künstlerin mit Migrationshintergrund", der "in diesem Fall nicht negativ besetzt, sondern Luxus und Vorteil ist". Inhaltlich wie auch formal beziehe sich Nilbar Güres aus beiden Kulturkreisen, in denen sie beheimatet ist. Trennungen zwischen privater und politischer Sphäre überschreite sie dabei immer wieder - mit unterschiedlichen Medien und Materialien - Papier, Video, Skulptur und Textil, lobte die Jury die Vielseitigkeit der Künstlerin.
Nilbar Güres wurde 1977 in Istanbul geboren, sie studierte Kunst an der dortigen Marmara Universität Istanbul und danach Malerei und Grafik an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Bis 1. Februar 2015 präsentiert Güres im Wiener "JesuitenFoyer" (Bäckerstraße 18) bei freiem Eintritt ausgewählte Arbeiten.
Seit 1981 verleiht der Otto-Mauer-Fonds der Erzdiözese Wien den "Msgr. Otto Mauer Preis" für bildende Kunst. Der Fonds wurde von Kardinal Franz König und dem Erben Mauers, Prälat Karl Strobl, gegründet und dient im Gedenken an den Namensgeber dem Ziel, den Dialog zwischen Kirche, Kunst und Wissenschaft lebendig zu halten und weiterzuführen.
Unter den mit dem Mauer-Preis ausgezeichneten Künstlern finden sich u.a. Erwin Wurm (1984), Franz West (1986), Brigitte Kowanz (1989), Heimo Zobernig (1993), Florian Pumhösl (2000) und das diesjährige Jury-Mitglied Kamen Stoyanov (2011), 2013 erhielt Luisa Kasalicky die Auszeichnung. Die Jury habe bei der Ausweahl immer wieder ein "goldenes Händchen" bewiesen, sagte der Vorstandsvorsitzende des Otto-Mauer-Fonds, Georg Prantl.
Neben der jährlichen Vergabe des "Msgr. Otto Mauer Preises" fließt der weitaus größte Teil der Mittel des Otto-Mauer-Fonds in die Förderung aktueller Projekte in den Bereichen bildende Kunst, Musik, Theater, Film, Wissenschaft, Erziehung und Erwachsenenbildung.