"Es bezieht sich vor allem auf die Themenbereiche: Nähe und Distanz, Macht und Sexualität", schildert die Leiterin der Stabsstelle für Missbrauch und Gewaltprävention Kinder und Jugendschutz der Erzdiözese Wien.
Mit "Red ma drüber" möchte man ein Angebot bieten, wo Männer darüber nachdenken können: Ist ihr reden, ihr handeln, ist ihre Haltung Grenzen beachtend und wertschätzend. Martina Greiner-Lebenbauer nennt als Beispiel, wann ein Wunsch nach Beratung oder Betreuung auftreten kann, den Bereich der Sexualität: "Fühlt man sich zu Kindern oder Jugendlichen sexuell hingezogen, oder hat man auch sexuelle Phantasien? Es kann auch sein, dass ich selber darüber unklar bin, über meine Sexualität, über meine Orientierung und hier in einem geschützten Rahmen reden möchte."
Aber auch Bereiche wie Macht, Machtausübung im Zusammenhang mit dem Leitungsstil können Beratung und Unterstützung erfordern, wie auch der Umgang mit Konflikten. "Da kann es durchaus sein, dass man Rückmeldungen erhält, das jemand sagt: 'Du fährst über die Leute drüber, oder 'Du willst immer Recht haben, mit Dir kann man nicht diskutieren oder streiten", nennt Greiner-Lebenbauer Beispiele, wo ein Beratungsgespräch Hilfe leisten kann.
Zielgruppe des Beratungsangebotes sind alle Männer, die haupt- oder ehrenamtlich in der katholischen Kirche der Erzdiözese Wien tätig sind. Das Angebot umfasst bis zu fünf Beratungsgespräche, die kostenfrei und auch anonym in Anspruch genommen werden können. "Wer so ein Einzelberatungsgespräch in Anspruch nehmen möchte, ruft bei der Männerberatung in Wien an, nennt das Kennwort: "Angebot der Erzdiözese Wien" und macht ein erstes Gespräch aus, um abzuklären, worum geht es, warum möchte ich Unterstützung und was ist das Ziel von diesen Gesprächen", schildert Martina Greiner-Lebenbauer. 50 Minuten dauert ein Gespräch.
"Mehr Sicherheit und Gestaltungsmöglichkeiten im Umgang miteinander", nennt Greiner-Lebenbauer zu den Zielen von "Red ma drüber!" Ganz wesentlich dabei sei es gewaltfreie Kommunikations-, Beziehungs- und Arbeitsstile einzuüben.
Die Bezahlung der Beratung erfolgt über die Stabsstelle für Missbrauch und Gewaltprävention Kinder und Jugendschutz der Erzdiözese Wien. "Wir erhalten auch eine Rechnung gestellt, ohne dass ein Name, desjenigen, der die Beratung in Anspruch genommen hat, aufscheint" erläutert Greiner-Lebenbauer.