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16.12.2014

Caritas: Gesicherte Hospizversorgung gesetzlich verankern

Bodmann bei Parlamentarischer Enquete-Kommission zu "Würde am Ende des Lebens".

Das Fehlen einer gesicherten Hospiz- und Palliativversorgung in Österreich hat Alex Bodmann, Generalsekretär der Caritas Wien, am Dienstag 16. Dezember 2014 bei der dritten Sitzung der Parlamentarischen Enquete-Kommission zu "Würde am Ende des Lebens" kritisiert. "Wir müssen klare Zuständigkeiten schaffen", so Bodmann. Momentan seien sowohl Zuständigkeit als auch Finanzierung stark segmentiert, in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche geregelt und somit nicht abgesichert. "Es braucht eine Klärung, wer für welchen Bereich Verantwortung trägt und dann die nötigen Mittel auftreibt, um diese Dienste auf solide finanzielle Beine zu stellen."

 

Verankerung einer professionellen Versorgung

Oberste Priorität habe die Verankerung einer professionellen und stationären Hospiz- und Palliativversorgung für versicherte Personen mit einer nicht heilbaren, fortschreitenden oder fortgeschrittenen Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung im Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz (ASVG). Die Aufnahme des Hospizbereichs in den Pflegefonds wertete Bodmann zwar als positiv, "bisher scheint allerdings nicht viel angekommen zu sein".

 

Die Finanzierungsfrage müsse daher systematisch und flächendeckend geklärt und ausschließlich für den Hospizbereich bestimmte Mittel aufgebracht werden; denn "jeder und jede, egal in welchem Bundesland er oder sie beheimatet ist, muss am Ende des Lebens auf gleichwertige und zuverlässige Hospizangebote zurückgreifen können".

 

Auf längere Sicht, so der Caritas-Generalsekretär, sei die Integration des gesamten Bereichs der Hospiz- und Palliativcare in die medizinische, pflegerische, psychosoziale und therapeutische Grundversorgung sowie auch in die entsprechend Ausbildungssysteme das Ziel. Die Koordination soll über eine neu eingerichtete Bundes-sowie die Landeszielsteuerungskommission laufen.

 

„Fleckerlteppich mit zahlreichen Löchern“

Als "Fleckerlteppich mit zahlreichen Löchern" hat Johann Baumgartner, Vizepräsident des Dachverbands Hospiz Österreich, das bestehende Angebot der Hospiz- und Palliativversorgung in Österreich in seinem Statement bezeichnet. Er forderte einen Stufenplan, der bis 2020 zum Ziel einer österreichweit gleichwertigen Versorgung für alle, die es brauchen, führen solle. Finanzierungsprobleme ortete Baumgartner nicht: Ein ausgebautes flächendeckendes Angebot für Kinder und Erwachsene koste jährlich rund 210 Millionen Euro und mache rund ein Prozent der Gesundheitsausgaben von etwa 22 Milliarden Euro pro Jahr aus. Die Finanzierung des Ausbaus könne etwa über eine Wiedereinführung der Erbschaftssteuer geleistet werden.

 

Da ein Gutteil der Gesundheitskosten in den letzten Lebensjahren anfallen, würde ein ausgebautes Palliativ- und Hospizangebot durch reduzierte Spitalsaufenthalte auch Kosten einsparen. Baumgartner plädierte auch für eine Koordinierungsstelle auf Bundesebene, die über entsprechende Kompetenzen verfügen müsse, um den Ausbau zu koordinieren, zu fördern und die entsprechenden Finanzmittel zuzuweisen.

 

„Vielfach fehlen kindgerechte Palliativ- und Hospizangebote“

Die Situation von Kindern und Jugendlichen, die an lebensverkürzenden und lebensbedrohenden Krankheiten leiden, hat Martina Kronberger-Vollnhofer, Leiterin des von Caritas, Caritas Socialis und der mobilen Kinderkrankenpflege "MOKI"-Wien gegründete mobile Kinderhospiz "MOMO", in den Blick genommen. Kronberger-Vollnhofer schätzt, dass in Österreich rund 1.000 Familien betroffen sind. Vielfach fehlten individuelle, umfassende, kindgerechte Palliativ- und Hospizangebote, die in enger Kooperation mit medizinischen und sozialpädagogischen Einrichtungen organisiert sein müssten.

 

Besonders im mobilen Hospizbereich gebe es Aufholbedarf. Nur in Niederösterreich und der Steiermark seien die Angebote öffentlich finanziert. In den restlichen Bundesländern, so es überhaupt Angebote gebe, laufe die Finanzierung größtenteils über Spenden. Bis 2020 sollen 40 Betten für betroffene Kinder österreichweit zur Verfügung gestellt werden.