Ich führe Alpha-Kurse im Weinviertel durch. Dort kennt kaum jemand Alpha. Es ist also sehr viel Aufklärungsarbeit notwendig. Viele Leute sind sehr skeptisch, weil sie sich nicht sicher sind, ob Alpha ,katholisch‘ ist“, erzählt Katharina Reidlinger.
Mit ihrem Team hat sie bereits vier Alpha-Kurse durchgeführt. Es kommen normalerweise 10 bis 15 Gäste. Reidlinger: „Die Leute, die schlussendlich an Alpha teilnehmen, sind sehr begeistert.“ Das zeigen die Reaktionen. Eine Frau meinte: „Endlich erlebe ich eine fröhliche Kirche“. Andere erfahren bei Alpha Heilung, Freundschaften entstehen, Glaube wächst. „Und in dieser gemütlichen Atmosphäre werden Fragen gestellt, die man sich sonst nie stellen traut“, sagt Reidlinger. Alpha sei „gastfreundlich und unkompliziert“. Man fühle sich „wie zu Hause“.
Reidlinger: „Nach dem Heilig-Geist-Wochenende (ungefähr in der Mitte des Kurses) merkt man eine Veränderung der Gäste. Sie werden von Zuschauern zu Teilnehmern; erste Schritte in einem lebendigen Glauben beginnen.“ Viele reden bei Alpha erstmals über ihren Glauben, viele beginnen dort „von Herz zu Herz zu beten“ (also zum ersten Mal nicht vorformuliert), manche erleben dort Heilungen.
Mit einem Wort: Die Gäste kommen dort mit dem lebendigen Gott in Berührung.“ Ein Alpha-Kurs sei faszinierend: „Gäste kommen, Freundschaften entstehen, Schritte im Glauben werden gemacht.“
Reidlinger: „Die Gastgeber achten darauf, dass die Gäste sich wohl fühlen. Deswegen werden der Raum schön dekoriert, ein gutes Essen gekocht, die Gäste freundlich begrüßt.“ Gerade jetzt, wo Kardinal Schönborn „immer und immer wieder von „Mission first“ spreche, „sollte das Thema Mission alle Christen etwas angehen“, ist Reidlinger überzeugt.
In der Pfarre St. Johann Nepomuk (Dekanat Wien 2) wurde zum zweiten Mal ein Alpha-Kurs abgehalten (jeweils Oktober bis Dezember 2013 und 2014). Der Ort war das Cafe „Aero“ im Neubauviertel der Pfarre Nähe Nordbahnhof/Praterstern.
„Es gab zwischen 2 und fast 20 Teilnehmer pro Abend“, berichtet Pastoralassistentin Ellen Tinland. Für sie ist das Alpha-Team am Weg und „wächst durch den Dienst an den anderen“. Denn jeder bringe seine Gaben ein, das heißt: Eine bäckt Kuchen und hört beim Vortrag zu, ein anderer kommt als Referent für einen Vortrag und genießt das gute Essen – alle nehmen am Austausch danach teil.
Tinland: „Hier geht es um persönliche Erfahrungen, um das Leben in seiner Vielseitigkeit – die Mischung aus Jung und Alt, pfarr-/kirchennah sowie kritisch-distanziert, ruhig oder redselig, praktisch oder intellektuell, macht den lebendigen Mix und den Alpha-Kurs attraktiv.“
Die Themen eines Alpha-Kurses sind vielfältig und behandeln zentrale Themen des christlichen Glaubens wie beispielsweise: „Wer ist Jesus, warum starb er? Warum und wie beten? Wie und wozu die Bibel lesen? Wer ist der Heilige Geist und wie wirkt er – auch in meinem Leben? Wie führt mich Gott im Leben? Warum und wie anderen vom Glauben erzählen? Heilt Gott heute noch? Kirche wozu?“
Ein Alpha-Kurs geht über 10 Wochen mit je einen Abend von ca. 19-21.30 Uhr, plus einem Wochenende zur Vertiefung in der Mitte des Kurses.
Warum die Menschen kommen? „Aus Interesse am christlichen Glauben generell, bei kirchlich mehr sozialisierten Menschen gibt es den Wunsch nach Vertiefung des Glaubens bzw. auch den Wunsch nach Austausch über diverse Themen“, sagt Tinland.
Als Teammitarbeiterin habe sie selbst „jeden Abend etwas empfangen“ dürfen: Eine Begegnung, ein Wort beim Vortrag, ein gutes Rezept zum Nachkochen oder eine konkrete Gebetserhörung, das Staunen und Zuhören über die kleinen Wunder des christlichen Alltags“. Tinland: „Alpha ist für mich ein Erleben, wie Glaube und Gemeinschaft jetzt und hier in unserer Stadt konkret wachsen.“