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24.12.2014

Kritik von Papst Franziskus an Kurie ist "Beichtspiegel" für alle

Kardinal Schönborn bei "Licht ins Dunkel": Papstkritik ist Anlass zur Selbstbesinnung.

Jene kritischen Worte, mit denen sich Papst Franziskus vor wenigen Tagen - inner- und außerkirchlich vielbeachtet - an die vatikanische Kurie gewandt hat, sollten nicht nur von dieser ernst genommen werden. Das hat Kardinal Christoph Schönborn Mittwochmittag, 24. Dezember 2014 bei einem kurzen Besuch in der ORF-Sendung "Licht ins Dunkel" betont. Die Worte des Papstes seien "beeindruckend und mutig" gewesen, so der Wiener Erzbischof. Er wolle diese Rede zum Anlass nehmen, auch in der Erzdiözese Wien zu überprüfen, "wie gehen wir miteinander um, wie üben wir unseren Dienst für die Menschen aus". Er wolle das allen Betrieben oder auch den Ministerien ebenso empfehlen, sagte der Wiener Erzbischof. Wenn der Papst beispielsweise Geschwätz und üble Nachrede kritisiert, dann sei wie ein Beichtspiegel, der alle betreffe, betonte Schönborn.

Erinnerung an zwei Solidaritätsreisen

Das zweite große Thema, auf das Kardinal Schönborn bei "Licht ins Dunkel" zu sprechen kam: das weltweite Flüchtlingselend. Der Wiener Erzbischof verdeutlichte das Ausmaß des "Dramas" mit zwei Solidaritätsreisen, die er im November in den Libanon und im Dezember in die Ukraine unternommen hatte. Im Libanon müssten 4,2 Millionen Einwohner 1,5 Millionen Flüchtlinge beherbergen und in der Ukraine gelte es akut rund 500.000 Binnenflüchtlinge zu versorgen.

Es brauche in Österreich eine gemeinsame Anstrengung von Staat, Kirche und Hilfsorganisationen wie der Caritas, um Menschen auf der Flucht eine neue Heimat zu geben, so Schönborn weiter. Er sei der Regierung dankbar für die Initiative, verstärkt Syrien-Flüchtlinge aufzunehmen.

In Syrien sei man von einem Frieden weiter entfernt denn je, so der Kardinal mit Verweis auf die IS-Terrormiliz, die unglaubliche Untaten verübe. Vielleicht könne aber zumindets das Ausmaß dieser Verbrechen für Politik wie auch Hilfsorganisationen noch mehr Anstoß sein, diesem Übel Einhelt zu gebieten.