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31.12.2014

Widerstand in Hainburg 1984 "kann auch heute Vorbild sein"

Österreichische Kirchenzeitungen würdigen friedlichen Bürgerprotest als "demokratie-wichtig".

Die "Schöpfungs-, Natur- und Demokratieschutzbewegung" in Hainburg 1984 hat "Großes zustande gebracht" und "kann auch heute Vorbild sein": Mit diesen Worten hat die Kooperationsredaktion österreichischer Kirchenzeitungen an die Ereignisse vor 30 Jahren in der Stopfenreuther Au erinnert, die einen von Regierung und Gewerkschaften gewünschten Kraftwerksbau in den Donauauen verhinderten. Die auch heute gültige "Lehre" daraus: "Aktiver, friedlicher Widerstand kann Erfolg haben. Er ist demokratie-wichtig."

Geistliche nahmen an der Protestbewegung teil

Die Kirchenzeitungen nennen in ihrem Rückblick auch mehrere "Kirchliche", die sich der damaligen Protestbewegung angeschlossen hätten: der damalige Pfarrer von Schwechat, Helmut Blasche, und der Wiener Augustinerpater und Hochschulseelsorger Joop Roeland, die mit den Aubesetzern Gottesdienste feierten, zwei Franziskaner-Patres, die tagelang in der Kälte ausharrten und die engagierte Katholikin und Kinderbuchautorin Käthe Recheis.

Letztere berichtete den Kirchenzeitungen von ihrer Teilnahme am Protest. Gemeinsam mit der inzwischen verstorbenen Kinderlyrik-Preisträgerin Friedl Hofbauer (1924-2014) sei Recheis mehrmals per Autobus in die Au gefahren und - von der Polizei angehalten - zu langen Fußmärschen zum Schauplatz des Widerstands gezwungen gewesen. Junge und Ältere - Recheis war damals 56 Jahre alt - hätten den Protest gemeinsam getragen, der Gedanke, dass die Schöpfung Schutz braucht, habe "eine Gasse durch die Beton-Logik gebahnt".

Die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin und Schwester des damaligen Seckauer Abtes Athanasius Recheis äußerte im Rückblick die heute ungebrochen aktuelle Einstellung, dass der Mensch im Einklang mit der Schöpfung leben müsse. "Mit unserem ausschließlichen Wirtschaftsdenken zerstören wir so viel Schönheit, dazu sind wir nicht berechtigt. Wir nehmen sie den Menschen nach uns und sägen an unserem eigenen Ast." Käthe Recheis sei es wie eine weihnachtliche Frohbotschaft erschienen, als zwei Tage vor dem Heiligen Abend 1984 von Bundeskanzler Fred Sinowatz den "Hirten in der Hainburger Au" ein Weihnachtsfriede verkündet wurde. "Und auf dieser Botschaft wuchs, was 1996 schließlich in die Einbindung der Hainburger Au in den Nationalpark Donau-Auen mündete, münden konnte, weil kein Kraftwerk gebaut wurde."