Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), Fuat Sanac, hat die Muslime in Österreich dazu aufgerufen, "das Gespräch mit Nachbarn, Arbeitskollegen und andersgläubigen Bekannten und Freunden zu suchen". Das beste Rezept gegen den jüngsten Pariser Terroranschlag und menschenverachtenden Extremismus ganz allgemein sei "Aufklärung und eine Bloßstellung dessen wirrer Ideologie", schreibt Sanac in einem Gastbeitrag in der "Wiener Zeitung" am Freitag, 9. Jänner 2015. Hierzu könnten alle Menschen beitragen, insbesondere wolle er aber auch die Muslime in Österreich dazu ermutigen.
Die Terroristen von Paris würden mit ihren Verbrechen nicht nur Missbrauch der Religion betreiben, sondern den Islam frontal angreifen, betont Sanac: "Sie reiben sich die Hände, wenn die Islamfeindlichkeit steigt. Polarisierung fördert ihr schmutziges Geschäft." Umso wichtiger seien die klaren Botschaften all jener, die gerade jetzt den gesellschaftlichen Zusammenhalt fordern und davor warnen, Muslime pauschal für den Terrorismus verantwortlich zu machen.
Zum einen würde die Gesellschaft von den Muslimen ein starkes Zeichen gegen Terror und Extremismus erwarten, zum anderen seien viele Muslime persönlich enttäuscht, dass man überhaupt annehmen könnte, sie würden im Stillen mit der Barbarei sympathisieren, schreibt Sanac weiter: "Hier müssen wir aufeinander zugehen. Es braucht mehr als symbolische Aktionen. Nichts kann die Propaganda der Extremisten mehr stören, als wenn sie erkennen müssten, dass die Saat ihres Hasses und ihrer Gewalt nicht aufgeht, weil die Menschen klüger sind, als sich spalten zu lassen." Nachhaltige Arbeit erfordere einen dauerhaften persönlichen Einsatz im Dialog, so der IGGiÖ-Präsident.
Das in Wien ansässige und zuletzt umstrittene "König-Abdullah-Zentrum für Interreligiösen und Interkulturellen Dialog"(KAICIID) hat sich in einer Presseaussendung am Freitag gegen jede Form der Gewalt ausgesprochen. KAICIID unterstütze vorbehaltlos die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der UNO, mit der alle seine Aktivitäten in Einklang stehen. Für KAICIID seien das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung sowie die Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit gelebte Grundsätze seiner Arbeit.
Man bekämpfe "alle Formen von Diskriminierung und Stereotypisierung aufgrund von Religion oder Glauben". Organisierte Gewalt, welche auf Zivilisten, Religionsanhänger und Andachtsstätten abzielt, sei eine Form extremer religiöser Diskriminierung, hieß es in der Aussendung.