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09.01.2015

Schockenhoff: "Gott kann mit Karikaturen nicht beleidigt werden"

Provozierte Gläubige sollten sich "spöttisch distanziert, souverän" verhalten, so der Freiburger Moraltheologe.

Spott über religiöse Symbole fällt nach Meinung des Freiburger katholischen Moraltheologen Eberhard Schockenhoff unter die Kunst- und Meinungsfreiheit. Dies gelte auch dann, wenn die Satire oder Karikatur für die Adressaten "manchmal schwer zu ertragen ist", sagte der Freiburger Priester und Hochschullehrer der "Badischen Zeitung" am Freitag, 9. Jänner 2015.

 

Der 61-Jährige, der sich vor dem Hintergrund des Pariser Attentats äußerte, empfahl Gläubigen, die sich von Satire verletzt fühlen, ein "spöttisch distanziertes, souveränes Verhalten" gegenüber der Provokation. Religiöse Satire kann nach Darstellung Schockenhoffs sogar "ein humaner Protest im Namen der Freiheit sein, also ein achtenswertes Anliegen".

 

Ein gezeichneter Prophet Mohammed etwa, der sich im Himmel über einen großen Nachschub an Märtyrern lustig macht, ist für den Theologen "ein harter, aber sinnvoller satirischer Protest". Er richte sich gegen eine "semantische Verdrehung des Märtyrerbegriffs als Ehrentitel für Selbstmordattentäter". "Das sind keine Märtyrer", sagte Schockenhoff, denn Märtyrer seien Opfer von Gewalt, nicht Täter.

 

Islam hat Gewaltproblem

Unterdessen forderte die Islamwissenschaftlerin Christine Schirrmacher eine drastische Reform der islamischen Theologie. "So lange die Kampfaufrufe Mohammeds und der Kalifen nicht für alle Zeiten für ungültig erklärt werden, wird der Islam sein Gewaltproblem nicht loswerden", sagte die Protestantin der Rheinischen Post" in der Freitagsausgabe.

 

Der politische Islam berufe sich auf die wesentlichen Quellen des Islams, die kein grundsätzliches Verbot von Kriegsführung und Gewalt zur Verteidigung des Islam formulieren, sagte Schirrmacher. "Auch das Vorbild des Propheten Mohammed als Kriegsherrn und das grundsätzliche Gebot, ihn in allem nachzuahmen, ist von der Theologie nie grundsätzlich relativiert worden", sagte sie.

 

Schirrmacher lehrt Islamwissenschaften an den Universitäten Bonn und Leuven. Als Leiterin des "International Institute of Islamic Studies" (IIIS) der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) ist sie auf nationaler wie internationaler Ebene an Dialoginitiativen mit muslimischen Theologen beteiligt.