Die österreichische Staatsspitze setzt ein deutliches Zeichen gegen Terror und Gewalt und für Dialog und Toleranz: Mit einer öffentlichen Gedenkstunde am Sonntag, 11. Jänner 2015, am Wiener Ballhausplatz auf Initiative von Bundeskanzler Werner Faymann und einem Gespräch am Dienstag, 13. Jänner in der Hofburg auf Einladung von Bundespräsident Heinz Fischer mit Vertretern von Christentum, Judentum und Islam soll die gemeinsame Verantwortung von Politik, Kirchen und Religionen für ein friedliches Zusammenleben gestärkt werden. Kardinal Christoph Schönborn wird an beiden Veranstaltungen teilnehmen, wie am Samstag gegenüber "Kathpress" bestätigt wurde.
An der Gedenkveranstaltung "Gemeinsam gegen Terror" am Sonntag ab 16 Uhr am Ballhausplatz werden Bundeskanzler Faymann und Bundespräsident Fischer die Nationalratspräsidentin Doris Bures, Vizekanzler Reinhold Mitterlehner die Spitzenvertreter der großen Glaubensgemeinschaften in Österreich teilnehmen. Die Gedenkveranstaltung wird öffentlich zugänglich sein und im Fernsehen auf "ORF 2" live übertragen. Bundeskanzler Faymann erklärte dazu am Freitag gegenüber Medien, dass man mit dieser Initiative gegen den Terror und für den Frieden eintreten wolle.
Auf die Frage, ob sich die Gegensätze zwischen den Glaubensgemeinschaften durch die für 2. Februar angekündigte erste Pegida-Demonstration in Wien aufschaukeln könnten, sagte der SPÖ-Chef laut "APA": "Ich habe immer die Befürchtung, dass Extreme versuchen, die Ängste von Menschen zu nutzen, um sie umzuwandeln in Hass." Gewalttaten wie jene in Paris seien zu verurteilen. Es ergebe aber keinen Sinn, Menschen oder Religionen pauschal zu verurteilen, fügte er hinzu.
Zur Gedenkveranstaltung "Gemeinsam gegen Terror" laden nicht nicht nur Bundeskanzler Werner Faymann, sondern auch Vizekanzler Reinhold Mitterlehner, die gesamte Bundesregierung und alle Kirchen und Religionsgemeinschaften gemeinsam ein. Das hat Samstag mittags das Bundeskanzleramt in einer Presseaussendung bekannt gegeben. "Die Attentate in Paris richten sich gegen die Werte der westlichen, aufgeklärten Welt. Sie richten sich gegen Meinungs- und Redefreiheit, gegen Religionsfreiheit und Pluralismus und Weltoffenheit. Dagegen wollen wir ein klares Zeichen setzen: für Solidarität mit den Familien der Opfer und mit der französischen Bevölkerung. Unsere Werte sind stärker als die Gewalt der Terroristen", so Bundeskanzler Werner Faymann und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner.
Im Zentrum der Veranstaltung stehen eine Proklamation der Bundesregierung und eine Schweigeminute im Gedenken an die Opfer der Pariser Attentate. Die Kundgebung am Ballhausplatz ist öffentlich frei zugänglich und wird von zahlreichen Künstlern mitgestaltet werden. Ensemble-Mitglieder des Burgtheaters wie Dorothee Hartinger, Michael Heltau, Peter Matic, Elisabeth Orth, Caroline Peters und Cornelius Obonya werden Texte von Bertold Brecht, David Grossmann, Peter Handke, Navid Kermani, György Konrad und Gotthold Ephraim Lessing lesen. Für den musikalischen Rahmen sorgt der Chor der Wiener Staatsoper.
Neben Kardinal Christoph Schönborn und Bischof Michael Bünker von der katholischen und evangelischen Kirche, haben der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Oskar Deutsch, der
Präsident der islamischen Glaubensgemeinschaften in Österreich Fuat Sanac, sowie Vertreterinnen und Vertreter der altkatholischen Kirche, der Freikirchen, der griechisch-orientalischen Kirchen, der islamisch alevitischen Glaubensgemeinschaft und der syrisch orthodoxen Kirche ihre Teilnahme zugesagt. Neben Spitzenrepräsentanten aus der Bundes- und Landespolitik werden auch die Sozialpartner sowie zahlreiche Institutionen der Zivilgesellschaft anwesend sein.
Im Zeichen des Gesprächs steht die Begegung zwischen Politik, Kirchen und Religionen am Dienstagvormittag in den Amtsräumen des Bundespräsidenten. Neben Kardinal Schönborn sind dazu auch der griechisch orthodoxe Metropolit Arsenios Kardamakis, der evangelische Bischof Michael Bünker, der Präsident der islamischen Glaubensgemeinschaft Fuat Sanac, Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg sowie der Vorsitzende des Ökumenischen Rats der Kirchen in Österreich, Lothar Pöll, und Caritas-Präsident Michael Landau eingeladen. Von politischer Seite werden Aussen- und Intergrationsminister Sebastian Kurz sowie Kanzleramts- und Kultusminister Josef Ostermayer zum Gespräch erwartet.
Initiativen wie diese sind Ausdruck der gemeinsamen Verantwortung von Politik, Kirchen und Religionen in Österreich. So gab es bereits nach den Anschlägen am 11. September 2001 auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Thomas Klestil (1932-2004) eine Gedenkveranstaltung mit Vertretern von Christentum, Muslime und Judentum in der Hofburg.