Die Sorge um die Eucharistiefeier muss laut dem Wiener Pastoraltheologen Johann Pock im Zentrum der Reformüberlegungen in der Kirche stehen. Die Zahl der vorhandenen Priester bestimme die Anzahl von Eucharistiefeiern und derzeit werde bei allen Reformansätzen vor allem versucht, innerhalb der gegebenen Rahmenbedingungen damit umzugehen, so Pock in einem Interview in der aktuellen Ausgabe der Kirchenzeitung der Diözese Linz.
Es gäbe aber auch die Möglichkeit, "in eine andere Richtung zu denken, nämlich über die Zulassung verheirateter Männer zum Priestertum zu diskutieren", so Pock. Das werde von den Bischöfen kaum verfolgt, "obwohl es Papst Franziskus durchaus angeregt hat."
Er betrachte es sehr kritisch, so der Theologe, "wenn man trotz der hohen Bedeutung der Eucharistiefeier nicht mehr dafür tut, dass mehr Personen der Eucharistiefeier vorstehen können". Es sei prinzipiell gut, so Pock, dass Österreichs Diözesen bei ihren Reformschritten vorsichtig vorgehen und versuchten, möglichst viele Menschen in den Planungsprozess einzubinden. Trotzdem: Irgendwann müssten Entscheidungen fallen. Er höre häufig von Unsicherheiten an der Basis, so der Pastoraltheologe: "Was wird letztlich entschieden? Wie lange halten diese Pläne dann? Ich denke, da braucht es mehr Planungssicherheit für die Gemeinden vor Ort." Diözesen mit großen Städten, vor allem Wien, stünden freilich vor ganz anderen Situationen als eher ländlich strukturierte Diözesen. Ein weiterer Faktor sei zum Beispiel der diözesan unterschiedliche Einsatz von Orden in der Pfarrseelsorge.
Es gelte, besonders behutsam zu sehen, wo Menschen einen Identifikationspunkt zu verlieren drohen, meist wenn es um Reformen von Pfarrgemeinden geht. Allerdings, so Pock, sei der Begriff "Pfarrgemeinde" noch relativ neu und erst in den 1970er Jahren entstanden, als der Kirchenbesuch nachließ und man versuchte, die rechtliche Institution Pfarre spirituell zu füllen: Pfarre als Gemeinde. Pock: "Das wird heute zum Teil auch zu Recht etwas relativiert, weil es auch schon bisher in manchen Pfarren mehrere Gemeinden gab." Und für viele Christen sei eine konkrete Gemeinschaft oder Gemeinde die religiöse Heimat und nicht die Struktur Pfarre, auch wenn das umgangssprachlich zusammenfalle. "Aber natürlich nimmt man aktiven Pfarrmitgliedern etwas weg, wenn man sagt: Ihr seid nicht mehr Pfarre", warnte Pock.
Zur Übertragung von Verantwortung auf Laien meinte der Theologe, dass dies im Blick auf die Weltkirche nichts Neues sei: "Wenn wir auf die Weltkirche schauen, dann sehen wir, dass in einem Großteil der Länder die Seelsorge vorrangig von Laien getragen wird. Das ist weniger priesterzentriert, als wir es gewohnt sind." Die gemeinsame Verantwortung von Priestern und Laien habe das Zweite Vatikanische Konzil betont. Aber Laien seien nicht einfach Ersatz-Priester, und gerade bei ehrenamtlichen Laien müsse man darauf achten, sie vor allem zeitlich nicht zu überfordern. Pock: "Wir haben zwar oft theologisch gut ausgebildete Laien, aber viele stehen im Beruf, haben Familie. Sie können nicht nebenberuflich und unentgeltlich das bisherige System pastoraler Versorgung aufrechterhalten."