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19.01.2015

Das weite Land der Seele

Drei Pfarrer über den Lehrgang „Seele verstehen“ des Pastoralamts.

Zwei unterschiedliche Persönlichkeiten, aus der psychotherapeutischen Praxis kommend, geben Impulse, die auf ihre konkreten Erfahrungen zurückgehen, wobei der Verlauf und die Themenschwerpunkte der Kurseinheiten stark von den Teilnehmern beeinflusst werden kann“, sagt Pfarrer Richard Posch (Pfarre Mödling-St. Othmar) über den Lehrgang „Seele verstehen“ des Pastoralamts. Posch: „Ziel ist vor allem kritische Reflexion des eigenen pastoralen Handelns, wobei es notwendig sein wird, vorgefasste Meinungen, auch wenn sie mit der Lehrmeinung der Kirche konform sein sollten, zu relativieren und neu zu interpretieren. Das kann auch zu einer neuen und vertieften Sichtweise auf Jesus und seine Botschaft führen, ähnlich wie es auf einer anderen Ebene eine kritische Auseinandersetzung mit Worten der Schrift tut.“
     

Er hofft und ist in dieser Hoffnung „recht zuversichtlich, dass die in dieser Zeit des Kurses gewonnenen Erkenntnisse, die Qualität meines pastoralen Handelns verbessern werden“.
  

Als der Lehrgang „Seele verstehen“ angeboten wurde, beschloss er, „ohne zu zögern, hier zuzugreifen, da ich es aufgrund meiner eigenen pastoralen Praxiserfahrung in zunehmendem Ausmaß für notwendig halte, auf dem Gebiet der menschlichen Psyche Kenntnisse zu erwerben“. Posch: „In einer Zeit, da den Amtsträgern der Kirche, ob es begründet ist oder nicht, Kompetenzen, die ihnen noch vor Jahrzehnten ungefragt zuerkannt wurden, aberkannt werden, ist es wichtig und auch förderlich für die berufliche Identität, ein gutes Grundgerüst an psychologischem Wissen in die eigene pastorale Praxis zu integrieren.“


Kurs hat „sehr geholfen“

„Der Kurs ,Seele verstehen‘ hat mir vor allem im Umgang mit Schwierigkeiten in Gruppen und

Beziehungen viel geholfen. Die unterschiedlichen therapeutischen Ansätze der beiden Vortragenden haben mir verschieden Zugänge und Lösungswege bei Problemen gezeigt“, sagt Pfarrer Georg Fröschl (Pfarre  Breitensee, Wien 14). Fröschl: „Es tut gut, zu wissen, dass es bei Problemlösungen verschiedene Ansätze geben darf. Außerdem habe ich hilfreiche Tipps im Bereich ,Kommunikation‘ und ,Begleitung‘ bekommen.“ Um ein guter geistlicher Begleiter sein zu können, „sollte sich ein Seelsorger auf jeden Fall gut mit der Seele des Menschen auskennen“, ist Fröschl überzeugt: „Er muss seine Fähigkeiten und Grenzen kennen; er muss wissen, wann beispielsweise  auch therapeutische Hilfe unumgänglich ist.“

Größere Klarheit  gewonnen

„Schon Bekanntes und Gewusstes (christliche Fundamentaleigenschaften!) wurde erneut in Erinnerung gerufen, reflektiert geübt und dadurch vertieft“, erzählt Pfarrer Marcel Berger (Pfarre Neukagran, Dekanat Wien 22): „Ich muss mich selber wahrnehmen, akzeptieren und lieben, bevor ich das bei anderen kann – Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ Eine weitere Erfahrung waren für ihn seine Grenzen: „Wie weit und nahe lasse ich andere Menschen und ihre Probleme an mich heran, dass es gut für mich ist (Nähe – Distanz!) und wo kann ich selbst nicht weiterhelfen (aufgrund mangelnden Wissens und Vermögens!)?“ Berger: „In den Gesprächssituationen wurde mir im Laufe des Kurses mehr und mehr eine größere Klarheit wichtig, die ich dann auch nach außen hin kommunizieren muss.“