Für seinen "unermüdlichen und oft atemberaubenden Einsatz" in Österreich und weltweit im Dienst der Kirche wie der gesamten Zivilgesellschaft hat der steirische Bischof Egon Kapellari Kardinal Christoph Schönborn gedankt. Kapellari hielt am Freitagabend, 23. Dezember 2015 im Wiener Stephansdom im Rahmen eines Benefizkonzertes zum 70. Geburtstag von Schönborn die Laudatio auf den Jubilar.
Zum 70. Geburtstag wolle er eine "Zwischenbilanz der Lebensernte von Christoph Schönborn, die in guten aber auch in schwierigen Tagen und Jahren herangereift ist", ziehen, so Kapellari. Ein "trompetenhafter Erntedank" sei angesichts der generellen Situation von Kirche und Gesellschaft in Österreich, in ganz Europa und weltweit nicht angebracht, "aber zu danken gibt es viel", betonte der Bischof.
Bischof Kapellari: "Ungemein viele Facetten verbanden und verbinden sich in der Persönlichkeit und in der bisherigen Lebens- und Glaubensgeschichte des Wiener Erzbischofs zu einer oft spannungsreichen, aber im Ganzen immer wieder auch harmonischen Synthese inmitten der Weltstadt Wien und inmitten unseres mondial unverwechselbaren Landes Österreich." Polyglotte Weltläufigkeit, intellektuelle Brillanz, materielle Anspruchslosigkeit und ein fast kindhaftes Vertrauen auf Gott, inspiriert auch durch die kleine heilige Therese von Lisieux, würden in der Persönlichkeit Schönborns zusammentreffen.
Bischof Kapellari erinnerte an das biblische Leitwort des Kardinals. Dieses laute "Vos autem dixi amicos" - "Euch aber habe ich Freunde genannt". Es sei ein Wort Jesu an die Jünger. "Dieses Leitwort verweist auf Gott als Liebe, die in Jesus Christus Mensch geworden ist", so Kapellari: "Der Kardinal verwirklicht viel von dieser Liebe als Menschenfreundlichkeit, als Solidarität und als Empathie in seinem Dienst an den Menschen, besonders an den Armen in allen Gestalten von Armut." Arroganz und Eitelkeit seien Schönborn fremd.
Bischof Kapellari: "Er begegnet ebenso einfühlsam einer Weinviertler Bäuerin wie einem ausländischen Staatsmann, einem Kind, einem Jugendlichen und einem intellektuellen Zweifler." In all dem habe Schönborn bei aller Unverwechselbarkeit beider Bischöfe nicht wenig gemeinsam mit seinem zweiten Amtsvorgänger als Wiener Erzbischof, dem unvergessenen Kardinal Franz König.
Der Wiener Generalvikar Nikolaus Krasa bezeichnete es im Rahmen des Geburtstagskonzertes im Stephansdom als Lebensaufgabe Kardinal Schönborns, "Himmel und Erde zu verbinden", dazwischen Berührungspunkte zu finden und andere Menschen auf den Weg zu Christus zu führen. Immer wieder gelinge es dem Wiener Erzbischof in seinem Arbeitsalltag, in wichtigen Entscheidungen eine andere Perspektive einzubringen und den Blick auf Unvorhersehbares - die "Realität Gottes" - zu lenken.
Kardinal Schönborn machte in seinen Dankesworten darauf aufmerksam, "dass wir, oft ohne daran zu denken, in einem gesegneten Land leben". Trotz Differenzen gebe es in Österreich Eintracht und Lebendigkeit zugleich und "so viel Schönheit", was ein Privileg sei. "Entscheidend ist es, die Dankbarkeit auch in Verantwortung für unser Land umzusetzen", betonte der Kardinal.
Explizit dankte Kardinal Schönborn zum Abschluss des "geistlichen Benefizkonzertes" außer der Dommusik auch seinen Geschwistern, seiner Mutter und den Freunden "aus allen Bereichen des Lebens - der Kunst, jedoch auch in der Politik", wie der Erzbischof hervorhob. Dazu würden die Weggefährten aus der Kirche kommen, die für ihn "schon sehr früh Heimat geworden und geblieben" sei.
Gekommen waren zu dem Konzert im Stephansdom über 1.000 Gratulanten, darunter fast alle Bischöfe Österreichs, zahlreiche Diplomaten mit ihrem Doyen Nuntius Peter Stephan Zurbriggen an der Spitze, sowie von Seiten der Politik Vizekanzler Reinhold Mitterlehner, Kanzleramts- und Kultusminister Josef Ostermayer, Niederösterreichs Landshauptmann Erwin Pröll sowie als Vertreter der Bundeshauptstadt der Wiener Stadtrat Michael Ludwig.
Auch viele Vertreter der Ökumene - darunter der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis) - waren anwesend, als ein "Zeichen des in der Erzdiözese Wien und auch in der Kirche von Österreich beispielhaften ökumenischen Kontaktes", wie Domdekan Karl Rühringer in seinen Begrüßungsworten hervorhob.
Der Wiener Domchor und das Domorchester boten bei dem Geburtstagskonzert unter dem Titel "Magnificat. Meine Seele preist den Herrn!" Musik zu Ehren der Gottesmutter bzw. "Marienlob im Spiegel der Jahrhunderte". Das musikalische Programm umfasste Werke von Schubert, Cherubini, Mozart, Britten, Pärt u.a. Gesangssolisten waren Cornelia Horak (Sopran), Katrin Auzinger (Alt), Gernot Heinrich (Tenor) und Markus Volpert (Bass), Ausführende waren Siegfried Schenner (Klarinette), der Wiener Domchor und das Wiener Domorchester unter der Leitung von Domkapellmeister Markus Landerer.
Der Erlös des Benefizkonzerts kommt dem Projekt "Lebensmittel und Orientierung" (Le+O) der Caritas Wien und dem Krisen- und Tageszentrum "Petrushka" für Kinder in Moldawien zugute. Eingeladen zu dem Konzert hatten Generalvikar Nikolaus Krasa und Domdekan Karl Rühringer von der Erzdiözese Wien und Bischofskonferenz-Generalsekretär Peter Schipka.