Am 4. Februar 1995 wurde die südburgenländische Stadt Oberwart zum Tatort des schwersten politisch motivierten Anschlags in der Geschichte der Zweiten Republik. Eine Rohrbombe tötete damals vier Bewohner der Roma-Siedlung. Josef Simon, Peter Sarközi sowie Karl Horvath und sein Bruder Erwin Horvath starben durch die Sprengfalle, die kurz vor Mitternacht detonierte. Die Bombe war mit einer Tafel getarnt, die die Aufschrift "Roma zurück nach Indien" trug. Als Urheber der Tat wurde der 1997 festgenommene Briefbomber Franz Fuchs verurteilt.
"1995 hatte ich schon Verbindung mit der Volksgruppe der Roma", erinnert sich Monika Scheweck, hauptamtliche Mitarbeiterin der Roma-Pastoral im Burgenland. Sie war damals noch nicht bei der Diözese Eisenstadt angestellt und das Referat Roma-Pastoral gab es auch nicht, es wurde erst ein Jahr nach dem Attentat vom damaligen Eisenstädter Bischof Paul Iby eingerichtet. "Ich hatte mit einzelnen Roma Kontakt. Die vier, die ums Leben gekommen sind, habe ich flüchtig gekannt." Die Zeit nach dem Attentat wird Monika Schweweck immer in Erinnerung bleiben: "Sie war sehr geprägt von Einzelgesprächen mit jungen Menschen, mit Menschen aus der Roma-Siedlung in Oberwart. Sie hatten sehr viel Angst, waren verunsichert und äußerten die Bitte um Solidarität. Diese haben wir gezeigt, indem wir da waren, als wir gebraucht wurden, indem wir beispielweise bei Gedenkveranstaltungen mithalfen." Unter den Roma sei die Angst groß gewesen vor dem Alleinsein, wenn der große Rummel einmal vorbei wäre: "Dann kümmert sich wieder keiner um uns. Wir sind wieder allen egal", so die Befürchtung.
Die Menschen kommen heute mit verschiedenen Problemen zur Roma-Pastoral, die Ansprechspartnerin in Notsituationen oder bei der Sakramentenspendung wie Taufe oder Firmung ist. "Der Kontakt zwischen der Volksgruppe und den Pfarren wurde jedoch in den letzten Jahren nicht intensiver. Vereinzelt haben Roma im Pfarrgemeinderat in den Pfarren mitgearbeitet und versucht, ihre Anliegen einzubringen. Man muss dabei die lange Geschichte der Ausgrenzung bedenken. Sie waren in der Kirche in der Vergangenheit nicht wirklich willkommen", so Schweweck. "Heute ist den Roma die Wallfahrt nach Mariazell wichtig, da fühlen sie sich schon beheimatet. Einmal im Jahr machen wir einen Kinderkreuzweg, zu dem viele kommen. Mit einzelnen Roma und Sinti diskutiere ich über theologische Dinge", erzählt Monika Scheweck vom Referat für ethnische Gruppen der Diözese Eisenstadt.
Im Zeichen des Gedenkens zum 20. Jahrestag des Anschlags steht am Mittwoch, 4 Februar, zunächst die Ausstellung "Zeichnen gegen das Vergessen" im Offenen Haus Oberwart. Der Künstler Manfred Bockelmann, Bruder des verstorbenen Udo Jürgens und bekannt für seine großformatigen Porträts nach Aufnahmen von in den Konzentrationslagern des NS-Regimes ermordeten Kindern, hat auch die Bombenopfer mit Kohle auf Leinwand zeichnerisch verewigt. Im Anschluss an die Eröffnung macht sich ein Lichterzug auf den Weg vom Rathaus zur Roma-Gedenkstätte, wo die vom Referat für ethnische Gruppen der Diözese Eisenstadt und Roma-Vereinen veranstaltete Gedenkfeier stattfindet.
"Dieses Gedenken ist gerade in einer Zeit bedeutsam, in der es in Europa Staaten wie Ungarn gibt, die gegen Roma mobilisieren und wo kaum eine Solidarität gegenüber den Roma zu spüren ist. Es ist wichtig, ein Zeichen zu setzen: Wir stehen auf der Seite der Roma!", so Monika Scheweck, die immer wieder Alltagsrassismus gegenüber der Volksgruppe wahrnimmt: "Es gibt kleine Übergriffe oder Vorurteile, wenn z.B. Lehrer sagen: 'Typisch, Zigeunerkinder!' Rassistische Beschimpfungen kommen öfters vor. Auch manche Ärzte äußern sich abfällig, wenn von der Roma-Siedlung jemand in der Nacht anruft."