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25.02.2015

„Passionswege": „Im Schmerz ist auch schon die Hoffnung"

Barbara Pachl-Eberhart über die Wahrnehmungen des Verlustes ihrer geliebten Menschen.

Insgesamt haben mir meine Kinder vier Tage geschenkt, die ich bei ihnen sein und mit ihnen gemeinsam diesen Weg gehen durfte – ‚nach drüben‘ oder in dieses neue Leben“, erinnert sich Barbara Pachl-Eberhart an die Zeit des Bangens und Betens, bis ihre Kinder an den Unfallfolgen verstarben.

 

„Die Erinnerung macht Dinge, glaube ich, nicht leichter“, sagt sie sieben Jahre danach, aber „sie bettet Dinge ein, in einen immer größeren Zusammenhang, man kann immer mehr Sinn erkennen“, so die 40-Jährige. Ein plötzliches Gefühl genau in der Verzweiflung, von „Getragensein, von einer Hand, die sich um meine Schultern legt“, habe sie in dieser Zeit wahrgenommen.

 


Man sei nicht ganz alleine, wenn man sich „furchtbar alleine fühlt, sondern es gibt immer etwas, ein Gegenüber“ beschreibt Pachl-Eberhart die Summe ihrer Erinnerungen und Erfahrungen. Dies habe ihr Leben „angstfreier und vertrauensvoller gemacht“.

Trauer ist ein Gegenüber, das Fragen stellt

„Im Schmerz ist auch schon die Hoffnung“, unterstreicht Barbara Pachl-Eberhart. Und: „Die Gnade ist das Du, dem ich vertrauen darf, und wie ich es nennen will: ob Gott, Hoffnung, oder das Vertrauen in einen anderen Menschen“.

 

In ihrem neuen Buch „Warum gerade Du“ gibt Pachl-Eberhart persönliche Antworten auf die großen Fragen der Trauer. „Es sind sehr dringliche Fragen, Fragen, die sich nicht leicht beantworten lassen“, sagt die Autorin. Darunter große Lebensfragen, jene nach dem Jenseits, wer man eigentlich ist, was man mit dem Leben möchte, das einem bleibt, aber auch jene nach Liebe und Glück.

In Erinnerung bleiben die Konturen

Barbara Pachl-Eberhart hat sich in den Jahren nach dem Verlust ihres Mannes und der Kinder viel mit Erinnerungsarbeit beschäftigt und macht derzeit auch eine Ausbildung zur Poesie- und Bibliotherapeutin: „Zuhören und schreiben“, sei dabei besonders wichtig: „In Trauergruppen gibt es oft diesen Satz: Erinnern löst erinnern aus, bei einem selbst, wenn man sich an eine Geschichte erinnert, dann kommen oft zehn weitere. Aber auch wenn man anderen Menschen zuhört, die erzählen, das war bei mir auch so.“

 

Es sei nicht leicht, ein Leben „in einen gemeinsamen Nenner zu bringen“, aber „die Konturen, was war dieser Mensch eigentlich“, bleiben über. Sie habe das selbst in ihrer Erinnerung festgestellt, so Barbara Pachl-Eberhart: „Es ist schön zu merken: Wir Menschen verschwimmen, glaube ich, nicht nach unserem Tod in ein undifferenziertes waberndes Ganzes. Sondern ich glaube schon, dass wir ein ganz eigenes Wesen haben, das auch weiterwirkt. Meine Familie wirkt in mir weiter, und da wirken drei, da wirkt nicht nur ein Etwas“.

Will keine „Berufstrauernde" sein

Über Trauer und ihre Bewältigung wird Barbara Pachl-Eberhart kein Buch mehr schreiben, sie „möchte nicht mehr Berufstrauernde sein“. Aber das „Wesen des Clowns“ reizt sie niederzuschreiben, war sie doch selbst „Clown-Doctorin“. „Auf das viel Tiefere, das sich da im Clown auch zeigt, „möchte ich hinschauen, weiterschreiben und weiterreden“, kündigt sie ihr nächstes Buchprojekt an.