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14.03.2015

Theologe Figl: Kardinal König gab "Nostra Aetate" universalen Blick

Wiener Religionswissenschaftler Johann Figl bei "Kardinal König Lectures": Konzil ermöglichte erstmals positive Sichtweise von anderen Religionen.

Das bahnbrechende Konzilsdekret über die Beziehung der Kirche zu den nicht-christlichen Religionen verdankt sich dem maßgeblichen Einfluss von Kardinal Franz König. Das unterstrich der emeritierte Wiener Religionswissenschaftler Johann Figl bei den "Kardinal König Lectures" zum 11. Todestag des früheren Wiener Erzbischofs am Donnerstag, 12. März 2015 in Wien.

 

Ermöglichte Ausweg aus Pattsitutation

Es sei das Verdienst von Kardinal König gewesen, aus der Pattsituation zwischen Befürwortern und Gegnern einer "Judenerklärung" einen Ausweg zu eröffnen. Der universale Blick von "Nostra Aetate", der schlussendlich das Verhältnis der Kirche zu allen Religionen und nicht nur das Judentum in den Blick nimmt, sei dem Kardinal zu verdanken, so Johann Figl.

Kardinal Königs Plädoyer für einen Ausweitung des Dokuments auf alle nicht-christlichen Religionen habe schließlich eine "Erklärung mit relativ großem Konsens" ermöglicht. Zu kurz geraten sei dabei allerdings die Stellungnahme der Kirche zum Judentum, die vor dem Hintergrund der Jahrhunderte langen Beteiligung der Kirche am Antisemitismus laut Figl nötig gewesen wäre.

 

Kardinal König habe öfter in den Plenarversammlungen des Konzils gesprochen, als es heute allgemein bewusst sei, führte der Religionswissenschaftler weiter aus. Mit seinem Einfluss auf "Nostra Aetate" sei der Kardinal Teil einer zuvor noch nie dagewesenen Umwälzung der Sichtweise der Kirche auf die nicht-christlichen Religionen geworden. Denn bis zum Zweiten Vatikanum habe es kein einziges positives Wort über die nichtchristlichen Religionen gegeben.

 

„In allen Religionen Erfahrungen des Göttlichen“

Die Frage des Verhältnis der Kirche zu den nicht-christlichen Religionen habe König bis zum Ende interessiert, betonte Figl. In seinem religionswissenschaftlichen Ansatz sei der Kardinal davon ausgegangen, dass in allen Religionen "Erfahrungen des Göttlichen" zu finden sind. Die Erfahrung des Göttlichen habe für König als anthropologisches Faktum zum Menschen dazugehört und sei nichts gewesen, das erst durch Offenbarung hervorgerufen worden wäre. Kardinal König habe wiederholt bis ins hohe Alter gesagt, dass dieses Dokument das wichtigste Dokument des Zweiten Vatikanischen Konzils sei.

 

Laut Johann Figl sei das Thema des Konzilsdokument aktueller denn je: "Nostra Aetate" besage, dass Begegnungen mit Menschen gleich welcher Religion in einer globalisierten Welt stattfinden und der interreligiöse Dialog von daher notwendig sei. "Die römisch-katholische Kirche als universale und globale Organisation hat vielleicht als erste begriffen, was Globalisierung in geistiger, religiöser und spiritueller Hinsicht bedeutet."

 

Die Leiterin des Kardinal König-Archives, Annemarie Fenzl, unter deren Ehrenschutz die "Lectures" stehen, erinnerte daran, dass es eine Anregung von Kardinal Christoph Schönborn gewesen sei, im erzbischöflichen Palais einen Raum für den Nachlass von Kardinal König einzurichten. Ihr sei es wichtig gewesen, in diesem Raum eine Möglichkeit zum Dialog zu schaffen, so Fenzl. Das sei in Zeiten wie heute, wo das "miteinander Auskommen" gefährdet sei, besonders wichtig.