3.793 Ordensfrauen leben und wirken mit Stichtag 31. Dezember 2014 in Österreich. Das haben die heimischen Ordensgemeinschaften in einer Pressekonferenz am Montag, 23. März 2015 bekanntgegeben. Die Ordensfrauen verteilen sich auf 105 Gemeinschaften mit insgesamt 530 Niederlassungen.
Sr. Beatrix Mayrhofer, Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs (VFÖ), räumte bei der Pressekonferenz ein, dass die Zahlen konstant und dramatisch zurückgingen: Pro Jahr sank die Zahl der Ordensfrauen in den letzten zehn Jahren um rund 100 pro Jahr. Nichtsdestotrotz würden die Frauenorden für die heimische Kirche wie Gesellschaft eine wichtige Rolle spielen, so Mayrhofer: "Ordensleben wird es auch in Zukunft geben. Die Frage ist nur, in welcher Form".
Ein zentrales Problem sei bei den meisten Gemeinschaften die Überalterung: 53,2 Prozent der heimischen Ordensfrauen (in absoluten Zahlen 2.018) sind bereits über 75 Jahre alt. 24,9 Prozent (945) sind zwischen 66 und 75; 18,3 Prozent (694) sind zwischen 41 und und 65. Nur 3,6 Prozent (136) sind unter 41. 153 Ordensfrauen sind im vergangenen Jahr gestorben, was angesichts der Altersstruktur sehr wenig ist. Wie Sr. Mayrhofer sagte, hätten Ordensfrauen eine überdurchschnittlich hohe Lebenserwartung, was sie durchaus mit dem Ordensleben als einem erfüllenden und sinnstiftenden Leben in Verbindung bringen wolle. Nachsatz: "Wenn Sie gerne alt werden wollen, gehen Sie ins Kloster."
Die Überalterung stelle für die Frauenorden eine große Herausforderung dar, räumte die VFÖ-Präsidentin ein. Die Versorgung der älteren Schwestern sei in vielen Ordensgemeinschaften ein großes Problem. Vor allem Schwestern in kontemplativen Orden hätten oftmals weder Pension noch Versicherungen. Für Notfälle wurde deshalb von Seiten der Vereinigung der Frauenorden ein Solidaritätsfonds ins Leben gerufen.
Inzwischen seien die großen Ordenswerke wie Schulen, Krankenhäuser oder Heime von den Orden meist an andere Träger übergeben worden, da die immer kleiner werden Gemeinschaften weder personell noch finanziell in der Lagen seien, die Werke selbst weiterzuführen. Die große Herausforderung bestehe nun darin, das Ordenscharisma auch unter neuer Trägerschaft weiterzugeben, so Mayrhofer.
Die Zukunft sah Mayrhofer zum einen in der stärkeren Zusammenarbeit zwischen den Frauenorden wie auch in der zunehmenden Internationalität. Letztere zeige sich etwa ganz deutlich bei den jungen Schwestern. So kam von den Novizinnen im Jahr 2014 nur mehr ein Drittel aus Österreich und zwei Drittel aus ausländischen Diözesen. Andererseits gebe es auch österreichische Novizinnen, die im Ausland ihre ersten Jahre in Ordensgemeinschaften absolvieren, erläuterte Mayrhofer.
Auf die ordensübergreifende Zusammenarbeit angesprochen nannte Mayrhofer das Hilfsprojekt "Solwodi", indem sich mehrere Frauenorden gemeinsam - personell und finanziell - für Zwangsprostituierte und andere Frauen, die Opfer von Menschenhandel wurden, einsetzen.
Die Vereinigung der Frauenorden Österreichs wurde 1966 gegründet. Im Vorfeld des 50-Jahr-Jubiläums im kommenden Jahr haben die Frauenorden das Projekt "Erfahrungskraft Ordensfrauen" gestartet: Junge und ältere Ordensfrauen verschiedenster Orden erzählen ihre Lebensgeschichte, die Interviews führen die Soziologin Marlies Zuccato-Doutlik und die Theologin Monika Slouk. "Die Methode Oral History wurde deshalb gewählt, weil der einzelne Mensch entscheidender ist als statistische Zahlen", erläuterte Sr. Mayrhofer. Die Gespräche sollen in einem "Erinnerungsband" zusammenfließen. Das VFÖ-Jubiläumsjahr soll von 28. bis 30. April 2016 in Innsbruck im Haus Marillac einen festlichen Höhepunkt finden.