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25.03.2015

Das Wort zur Schrift: Orientierungslos & Zerrissen (Mk 15, 33-39)

Sr. Lic. Gudrun Schellner SS: Evangeliumsauslegung zum Palmsonntag (29.3.2015)

Wenn ich die Texte des heutigen Sonntags betrachte, dann hab ich ein Durcheinander von Gefühlen in mir, das sich kaum vereinbaren lässt.


Einerseits der Jubelruf „Hosanna“, das Betrachten von Menschen, die sich freuen, dass sich ihre lang gehegte Hoffnung endlich erfüllt und sie politische Freiheit und Zukunft erleben können.

 

Und andererseits der klare nüchterne Bericht, der eindeutig auf eine ausweglose Situation hindeutet, die den umjubelten, auf einem Esel reitenden König erwartet.

 

Freilich sind nicht alle in gleichem Maße Handlanger und es gibt einige wenige, die Rückgrat zeigen.

 

Aber die Frage, die mich bewegt, ist: Wo bzw. auf welcher Seite stehe ich? Und wie erkenne ich, welche die richtige Seite ist?

  • Bin ich die Frau, die Jesus die Füße salbt?
  • Bin ich der verzweifelte Judas, der all seine Hoffnungen zerrinnen sieht?
  • Bin ich Petrus, der sich seiner so sicher ist, dann aber auch den Mut hat, über seine Fehler zu weinen?
  • Bin ich einer der Hohenpriester, der versucht, Jesus eine Falle zu stellen, um so sein Tun rechtfertigen zu können?
  • Bin ich Pilatus, der aus Angst um seine Position zum Spielball des Volkes wird?
  • Bin ich zumindest für eine Zeit Simon von Zyrene?
  • Bin ich einer der Soldaten, die gelernt haben, mitleidslos Befehle auszuführen?
  • Bin ich der Hauptmann, der in dieser geschundenen Kreatur den Sohn Gottes erkennt?
  • Bin ich eine der weinenden, aber ausharrenden Personen unter dem Kreuz?
  • Bin ich bei denen, die im Nachhinein zumindest pietätsvolle Zeichen setzen?  

 

Ich bin innerlich zerrissen. So viele Rollen passen für mich und sie wechseln auch oft.

 

Eine Positionen möchte ich nie verlieren: In der geschundenen Kreatur will ich den Sohn Gottes erkennen – auch heute. Dann war sein Leiden nicht vergeblich.