Kardinal Christoph Schönborn hält einen Rücktritt von Papst Franziskus nach dem Beispiel von Benedikt XVI. für "denkbar". Der Papst habe sich ähnlich wie bei seiner jüngsten Aussage, sein Pontifikat werde nur kurz dauern, schon früher geäußert, so der Wiener Erzbischof in einem vorab veröffentlichten Interview mit der Zeitung "Österreich" (Sonntagausgabe), 29. März 2015.
Es sei typisch für den Stil von Franziskus, dass er dieses Empfinden habe und auch formuliere. Schönborn: "Er sagt, was er denkt." Die Kirche könne getrost froh sein, das "große Geschenk" des Papstes aus Argentinien zu haben und ihm ein möglichst langes Bleiben wünschen, betonte der Kardinal. "Aber wir sollen auch Verständnis haben, sollte er eines Tages sagen: Ich habe nicht mehr die Kräfte." Schönborn verwies darauf, dass der Papst bereits im 79. Lebensjahr stehe, nur einen Lungenflügel besitze und seine Kräfte nicht schone. "Er gibt sich voll und ganz hin für seinen Dienst."
Franziskus lässt in den Augen des Erzbischofs Vergleiche mit dem Konzils-Papst Johannes XXIII. zu: "Es ist erfrischend, wie einfach, direkt, lebensnahe er ist. Er ist unkompliziert, unzeremoniös. Er lebt eine ganz entscheidende Hinwendung zu den Armen und Notleidenden, beispielsweise zu Flüchtlingen." Seiner Empfindung nach habe der Papst aus Argentinien "so etwas Ähnliches gebracht" wie vor 50 Jahren der Roncalli-Papst, der vor 50 Jahren ein "Fenster öffnen, frische Luft hereinlassen" verordnet hatte, so Schönborn.
Zum Profil der drei in Österreich anstehenden Bischofsernennungen erklärte der Wiener Erzbischof, es sollten Menschen sein "im Sinne dessen, was Papst Franziskus vorlebt". Wichtig seien dabei besonders ein "Gespür für Menschen und ein glaubwürdiges Gespür für Gott", hob Schönborn hervor, und weiter: "Die Kirche braucht Mut, kein Jammern".