Der scheidende Vorstandsvorsitzende Michael Martinek und der in der Führung der mit der katholischen Kirche eng verbundenen Bank verbleibende Peter Böhler unterstrichen bei ihrer Bilanzpräsentation für das Jahr 2014 die weiter gegebene Ausrichtung als „Ethikbank“.
Bei dem Pressetermin am 31. März 2015 in Wien verwiesen sie darauf, dass die Kunden fast durchwegs mit Verständnis auf die Übernahme der Mehrheitsanteile der Superiorenkonferenz der Männerorden durch die "Grazer Wechselseitige" reagiert hätten. Das berichtete der mit April in Pension gehende Martinek. Die "Probleme für kleine, alleinstehende Banken" durch die seit der Finanzkrise drastisch verschärften Auflagen seien bekannt.
Die neuen Eigentümerverhältnisse müssen durch die Europäische Zentralbank und die Finanzmarktaufsicht, aber auch vom Vatikan noch abgesegnet werden; Peter Böhler rechnet mit Grünlicht bis Ende Mai. Im Juni werde dann bei einer außerordentlichen Hauptversammlung ein neuer Aufsichtsrat bestimmt. Bereits entschieden ist seit vergangener Woche über das neue Führungsduo von "Schelhammer & Schattera": Böhler bildet gemeinsam mit Gerd Stöcklmair aus der "GRAWE"-Bankengruppe den neuen Vorstand.
Aufsichtsratsvorsitzender Ambros Ebhart, Abt des Stiftes Kremsmünster, sieht in dieser Personalrochade "in sehr harmonischer Form auch auf der Vorstandsebene die Weichen für die neue Zukunft des Bankhauses gestellt". Dem nunmehr abgelösten Michael Martinek dankte Ebhart für seinen Beitrag dazu, "'Schelhammer & Schattera' zur Nummer 1 in Österreich im ethisch-nachhaltigen Bereich zu positionieren". Das 1832 gegründete Bankhaus bietet laut eigenen Angaben als einziges österreichisches Institut eine durchgängige Palette an Spar- und Anlageformen auf ethisch-nachhaltiger Basis. D.h. es bietet Finanzprodukte, die bewusst Investments in Unternehmen ausschließt, die in Waffenproduktion, Kinderarbeit, Glücksspiel u.ä. involviert sind.
An dieser Ausrichtung werde sich auch nach dem Einstieg der "GRAWE"-Bankengruppe nichts ändern, hieß es. Die neuen Eigentümer wollten ja ihre Präsenz in einem stark steigenden Markt verstärken, sagte Martinek: Ethisches Investment habe sich seit dem Ausbruch der Finanzkrise mehr als verzehnfacht. Studien würden bestätigen, dass es hinsichtlich der Rendite keinen Nachteil gegenüber "nicht-ethischen" Produkten gebe.
Die "GRAWE" will ihren von der Superiorenkonferenz übernommenen 54-Prozent-Anteil an "Schelhammer & Schattera" weiter erhöhen. Es gibt Angebote an andere Eigentümer, bestätigte Peter Böhler. 31 Prozent der Anteile an der Bank halten bisher weitere kirchliche Einrichtungen in Österreich.
Die Bilanz des Hauses sei trotz des schwierig gewordenen Bankenumfeldes und der Niedrigzinspolitik sehr erfreulich ausgefallen, berichtete Martinek. Gegenüber 2013 habe es eine leichte Verbesserung beim EGT (Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit) um knapp ein Prozent auf 8,36 Millionen Euro gegeben. Beim Jahresüberschuss sei eine Steigerung um fast zehn Prozent auf 5,44 Millionen Euro erzielt worden. Die veränderte Bilanzstruktur mit einer Reduzierung beim Interbankgeschäft und einem Ausbau beim Kundengeschäft zeige "eine sehr positive Wirkung", so Martinek. Die Forderungen gegenüber Kreditinstituten seien in den letzten Jahren auf zuletzt 104 Millionen Euro reduziert, jene gegenüber Kunden auf nunmehr 252 Millionen Euro stark ausgeweitet worden. Die Kundeneinlagen beliefen sich per Jahresende 2014 auf insgesamt 580 Millionen Euro (2013: 604 Mio.), dies mache einen Anteil von mehr als 82 Prozent an der Bilanzsumme aus.
Nach 43 Jahren im Bankgeschäft wechsle er nun mit etwas "Wehmut" in den Ruhestand, sagte Michael Martinek. Und er erwähnte dabei schmunzelnd, dass dabei der Zeitpunkt mit bald 66 Jahren im Freundeskreis als spät erachtet, im kirchlichen Umfeld jedoch mit der Bemerkung quittiert werde: "So jung gehen Sie schon in Pension?"