Kon-Tiki hieß das kleine Holzfloß, mit dem der norwegische Wissenschaftler Thor Heyerdahl 1947 von Peru über den Pazifik segelte. Er wollte beweisen, dass Polynesien von Südamerika aus besiedelt worden sein könnte.
„Sich aufmachen, einfach ausprobieren, ob es geht: Das hat gut zu uns gepasst“, meint Karin Maislinger, die unter dem Namen kontiki Taschen aus alten Fahrradschläuchen verkauft.
„Ich habe lange bei einem Fahrradbotendienst gearbeitet. Da fielen täglich Massen an Schläuchen an. Irgendwann habe ich gedacht, man könnte aus dem Material etwas machen.“
Die Designerin kaufte eine gebrauchte Industrienähmaschine und begann, Taschen zu entwerfen und zu nähen. „Meine Werkstatt war mein WG-Zimmer, in der Badewanne habe ich die Schläuche gewaschen.“
Kontiki-Taschen gibt es seit 13 Jahren, seit etwa vier Jahren sind Werkstatt und Verkaufsraum ausgelagert. Mittlerweile ist Karin Maislinger nicht mehr die Einzige, die Fahrradschlauchtaschen produziert. „Zuerst hatte ich Angst um meine Existenz. Aber ich habe die Technik nicht schützen lassen, weil ich dachte: Es ist Recycling, und wenn jemand anderer das auch tut, ist es gut.“
Nicht mit Fahrradschläuchen, sondern mit alten Stoffen näht Esther Weinberger. „Ich konnte nähen, bevor ich lesen und schreiben konnte“, sagt sie, „meine Mutter hat aus Altem Neues genäht. Das war damals aus einer Not heraus.“
Vor vier Jahren hat Esther Weinberger begonnen, Upcycling-Mode herzustellen – aus alter Kleidung neue zu machen – und als „Klamottenkunst“ zu verkaufen. Heute betreibt sie ein Nähcafé im Recycling-Kosmos Ottakringer Straße.
Jeder kann dort eine Nähmaschine benutzen und Esther Weinberger um Rat und Ideen fragen. „Es entstehen oft überraschende Dinge. Neulich kam eine Frau mit einem Kleid ihrer kurz zuvor verstorbenen Oma. Sie hat einen Rock daraus gemacht und war sehr glücklich damit.“
Auch Männer kommen ins Nähcafé, hauptsächlich um etwas zu flicken oder zu
kürzen. Für Kinder bietet die ehemalige Kindergärtnerin Workshops an. „Alte Textilien finde ich sehr inspirierend“, so Esther Weinberger, „viel mehr als neue Stoffe.“
„Alles verdient eine zweite Chance“, findet Gabriele Gottwald-Nathaniel. 2002 initiierte sie das sozialintegrative Unternehmen gabarage. Hier stellen ehemals suchtkranke Menschen aus Müll Designerstücke her.
„Es geht darum, den Menschen eine zweite Chance zu geben – und den Dingen“, erklärt Obfrau Gottwald-Nathaniel. Übertöpfe aus Fußbällen, Vasen aus Kegeln, Lampen aus Ampeln, Sitze aus Mülltonnen, Liegen aus Aktenordnern, Ringe aus Skiern – was für andere keinen Wert hat, bekommt bei gabarage ein neues Leben.
In der Buckligen Welt hat der Betrieb Hotelzimmer nach Filmmotiven gestaltet, von „Casablanca“ bis „Pippi Langstrumpf“.
Aus Schalldämpfern von Pistolen werden bei gabarage hochwertige Schmuckstücke: „In meiner Jugend war der Slogan ,Waffen zu Pflugscharen‘ populär“, erzählt Gabriele Gottwald-Nathaniel, „,Waffen zu Schmuck‘ finde ich auch nicht schlecht.“