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07.04.2015

Wien: Katholische Ostkirchen trauern um Ostheim-Dzerowycz

Wiener Ukrainer-Seelsorger führte 1989 Geheimverhandlungen über Wiederzulassung der griechisch-katholischen Kirche.

Der frühere Generalvikar für die Katholiken des byzantinischen Ritus in Österreich, Prälat Alexander Ostheim-Dzerowycz, ist zu Ostern in Wien gestorben. Das teilte die Stiftung "Pro Oriente" am Dienstag, 7. April 2015 mit.

 

Der langjährige Zentralpfarrer der Wiener ukrainischen St.-Barbara-Kirche war Ende der 1980er-Jahre eine Schlüsselfigur für die offizielle Wiederzulassung der 1946 auf Geheiß Stalins aufgelösten bzw. mit der Orthodoxie zwangsvereinigten griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine.

 

Langjähriger Generalvikar für Katholiken des byzantinischen Ritus 

Alexander Ostheim-Dzerowycz wurde 1934 in der damals polnischen Westukraine, dem ehemaligen Ostgalizien, geboren. Aufgewachsen in Wien, wurde er nach Studien in Rom am 25. Dezember 1960 zum Priester geweiht. Nach Jahren pastoraler Tätigkeit in Kanada - wo es eine starke ukrainische Emigration gibt - übernahm Ostheim-Dzerowycz 1969 die Leitung der Wiener griechisch-katholischen Zentralpfarre St. Barbara, die in der Zeit der kommunistischen Unterdrückung als östlichster Vorposten einer ukrainisch-katholischen Kirche in Freiheit besondere Bedeutung hatte. 1996 wurde er von Kardinal Christoph Schönborn zum Generalvikar für die Katholiken des byzantinischen Ritus in ganz Österreich ernannt. Diese Funktion hatte er bis 2011 inne.

 

Eine wesentliche Rolle spielte Prälat Ostheim-Dzerowycz im Zusammenhang mit der "Wende" des Jahres 1989 bei den Verhandlungen, die zur offiziellen Wiederzulassung der unierten griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine nach Jahrzehnten der Verfolgung und des Martyriums führten. Der griechisch-katholische Priester verhandelte damals im Auftrag höchster kirchlicher Stellen mit dem offiziellen Repräsentanten der ukrainischen Sowjetrepublik bei der UNO in Wien. Die Erklärung über die Wiederzulassung vom 24. November 1989 trägt die Unterschrift des Vorsitzenden des damaligen ukrainischen Rates für religiöse Angelegenheiten, Aleksander Kolesnik.

 

Zuvor hatte Johannes Paul II., dessen Mutter aus der Ukraine stammte und der selbst der ukrainischen Sprache mächtig war, die Wiederzulassung der ukrainischen Kirche zur Chefsache gemacht. Wären die Wiener Geheimverhandlungen mit wechselnden sowjetischen Gesprächspartnern gescheitert, hätte der Papst den sowjetischen Präsidenten Gorbatschow mit großer Sicherheit nicht kurz vor Weihnachten 1989 im Vatikan empfangen.

 

Ostheim-Dzerowycz war zudem mit der ökumenischen Stiftung "Pro Oriente" sehr verbunden. "Pro Oriente"-Präsident Johann Marte würdigte zuletzt zum 80. Geburtstags von Ostheim-Dzerowycz die Mitarbeit des sach- und sprachkundigen Prälaten - der ein gefragter Kirchenrechtler und Liturgie-Experte war - bei den Dialog-Initiativen der Stiftung und seinen unermüdlichen Einsatz für die unierte Kirche, die in der Heimat ab 1946 nur in den Katakomben weiterexistieren konnte.

 

Requiem am 14. Mai

Das Requiem für Prälat Alexander Ostheim-Dzerowycz, findet am 14. Mai in Wien statt.. Hauptzelebrant des Gottesdienstes um 18 Uhr in der Kirche der griechisch-katholischen Zentralpfarre zu St. Barbara (Postgasse) ist der Generalvikar (Protosyncellus) des byzantinischen Ordinariats, Yuriy Kolasa. Auch Kardinal Christoph Schönborn, er ist Ordinarius für die für die katholischen Gläubigen des byzantinischen Ritus in Österreich, nimmt teil.