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07.04.2015

Pro Oriente: Nahostchristen Zentralthema bei Rom-Besuch von Kurz

Außenminister war am Rande der Debatte des UNO-Sicherheitsrates mit dem chaldäisch-katholischen Patriarchen Mar Louis Raphael I. Sako zusammengetroffen.

Wenn Österreichs Außenminister Sebastian Kurz am Mittwoch, 8. April 2015 mit seinem vatikanischen "Amtskollegen", Erzbischof Paul Richard Gallagher, konferiert und dann auch mit Papst Franziskus zusammentrifft, dürfte er auch auf sein viel beachtetes Statement vor dem UNO-Sicherheitsrat am 27. März zum Thema "Opfer von ethnisch oder religiös motivierten Angriffen im Nahen Osten" zurückkommen, hat die Stiftung "Pro Oriente" am Dienstag betont. Die Fragen der Religionsfreiheit und der Situation der Christen im Nahen Osten würden bei den Gesprächen des Außenministers im Vatikan einen wesentlichen Platz einnehmen.

 

Zahl der Christen im Irak um 50 Prozent zurückgegangen

In New York hatte Kurz u.a. darauf verwiesen, dass in den letzten zehn Jahren die Zahl der Christen im Irak um 50 Prozent zurückgegangen ist und dass es sich bei den IS-Terrorakten, "die nicht unbestraft bleiben dürfen", um "Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, ja sogar Völkermord" handelt. Am Rande der "open debate" im Sicherheitsrat traf der österreichische Außenminister auch mit dem chaldäisch-katholischen Patriarchen, Mar Louis Raphael I. Sako, zusammen. Dabei wurde die Situation der Christen und der Angehörigen anderer religiöser Minderheiten im Nahen Osten besprochen. Der Patriarch und Kurz waren sich einig, dass die Situation im Irak und in Syrien derzeit zum Verlust einer in Jahrtausenden gewachsenen pluralistischen Gesellschaft und Tradition führt, die für die Region prägend war.

 

Der österreichische Außenminister legte in New York dar, dass in Österreich - wie in anderen europäischen Staaten - viele geglaubt hätten, dass der IS "weit weg" und in erster Linie ein Problem des Nahen Ostens sei. Aber die Terrormiliz rekrutiere über die sozialen Medien weltweit junge Leute. Kurz: "Der IS stellt eine Bedrohung für unsere Partner im Nahen Osten dar, eine Bedrohung für die internationale Sicherheit und eine direkte Bedrohung für unsere Gesellschaften". Österreich habe in diesem Zusammenhang die Kooperation mit den Staaten des Westbalkans zur Bekämpfung des Jihadismus intensiviert, einschließlich "gemeinsamer Anstrengungen zur Entfernung terroristischer Inhalte aus dem Internet".

 

Es genüge aber nicht, den IS (oder in der ursprünglichen arabischen Abkürzung: "Da'ash") mit allen Mitteln zu bekämpfen, es müsse mehr getan werden, unterstrich der österreichische Außenminister. Erstens müsse klargemacht werden, dass es nicht um einen Konflikt zwischen der westlichen und der muslimischen Welt gehe, sondern um einen Konflikt zwischen "allen von uns und dem Terrorismus".

 

Wichtig sei auch der entschlossene Einsatz für Religionsfreiheit und Koexistenz. Das schließe die Nutzung aller "Kanäle des interkulturellen und interreligiösen Dialogs" ein, aber auch die Ermutigung der religiösen Führungspersönlichkeiten in aller Welt, die Stimme zu erheben, wenn Menschen wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

 

Kurz bezeichnete die Christen als die weltweit am stärksten verfolgte religiöse Gruppe. Er rief dazu auf, stärker Glaubwürdigkeit zu zeigen und die eigenen Werte auch zu leben: "Wir müssen klar machen, dass Verschiedenheit ein integraler Teil unserer Kultur ist". Der Islam sei ebenso ein Teil Europas wie "Judentum und Christentum Teil des Nahen Ostens sind".