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12.04.2015

Ökonom Sedlacek: Kein endgültiges Glück in dieser Welt

Tschechischer Wirtschaftswissenschaftler hielt Eröffnungsvortrag bei Symposium "Wirtschaft-Gemeinwohl-Glück" an der Universität Wien.

Die Menschheit kann in dieser Welt nach Ansicht des renommierten tschechischen Ökonomen Tomas Sedlacek ("Die Ökonomie von Gut und Böse") nie voll und ganz glücklich sein. "Wenn ein Mensch einige Wünsche erfüllt hat, strebt er nach mehr. Er wird immer neue Wünsche haben", so Sedlacek am Donnerstagabend, 9. April 2015 im Eröffnungsvortrag zum Internationalen Symposium "Wirtschaft - Gemeinwohl - Glück" an der Universität Wien.

Die Ausführungen des Professors an der Prager Karlsuniversität standen unter dem fragenden Motto "Kann die Menschheit glücklich sein?". Seine verneinende Position untermauerte er u.a. auch mit der Bibel, wonach der Mensch schon im Garten Eden "nicht wirklich glücklich" geworden sei, sondern sich nach immer mehr gesehnt habe.

 

„Einsamkeit des Kapitalismus“

Es gebe keine perfekte Welt, so der Ökonom. Er sprach von der "Einsamkeit des Kapitalismus", wohin sich Menschen mit ihrem Streben nach "immer mehr" flüchten. Das sei keine neue Entwicklung. Schon Adam habe laut des Buches Genesis dieses Gefühl der Einsamkeit in einer somit "nicht perfekten Welt" verspürt.

Sedlaceks Erklärungskonzepte wirtschaftlicher Vorgänger sind viel beachtet und viel diskutiert. Er hebt sich bei seinen Untersuchungen von Fachkollegen ab, indem er Wirtschaftssysteme anhand der Bibel oder literarischer und filmischer Werken erläutert. Er gab zu, dass seine Ansätze und Vergleiche manchmal "fern der Realität" seien. Trotzdem wolle er sich seine Herangehensweise behalten: "Ich lasse es mir nicht nehmen, ein Visionär zu sein."

Die direkte Beziehung zwischen Wirtschaft und Ethik liegt für Sedlacek auf der Hand: "Die Ökonomie selbst ist eine starke moralische Schule." Für ihn gebe es aber in der Wirtschaft nicht lediglich "ein ethisches Vakuum in der Mitte"; die Ökonomie hat "eine starke Ethik in sich selbst".

 

Gabriel für grundlegende Reform des Wirtschaftssystems

Für eine grundlegende Reform des Wirtschaftssystems hat sich die Wiener Sozialethikerin Ingeborg Gabriel ausgesprochen. "Wir sind an einem Punkt angelangt, wo wir grundlegend überlegen müssen, wie es mit unserem Wirtschaftssystem weitergehen kann", so Gabriel zum Ende des Symposions "Wirtschaft - Gemeinwohl - Glück" am Samstagabend in Wien. Es gehe dabei um behutsame Reformen, "ohne gleich das ganze System über Bord zu werfen", zeigte sich die Sozialethikerin überzeugt. Leitmotive für eine solche Reform müssten das Gemeinwohl, Solidarität, Gleichheit, Armutsbekämpfung und ökologische Nachhaltigkeit sein.


Wichtige Impulse in diese Richtung hätten die Beiträge des zweitägigen Symposions geliefert, bilanzierte Gabriel die Veranstaltung im Gespräch mit "Kathpress". Es habe sich einmal mehr gezeigt, wie wichtig es sei, sich "als christliche Sozialethiker und Praktiker wesentlich in die Diskurse einzubringen" und Impulse etwa in Richtung einer größeren Solidarität und eines stärkeren ökologischen Bewusstseins zu setzen.

Veranstaltet wurde die Tagung "Wirtschaft - Gemeinwohl - Glück" vom 9. bis 11. April vom Institut für Sozialethik der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, der österreichischen Kommission Iustitia et Pax sowie der Vereinigung für Sozialethik in Mitteleuropa. Im Anschluss an die Tagung wurde Gabriel bei der Generalversammlung des Vereins für Sozialethik in Mitteleuropa als Vorsitzende bestätigt.